Orthodoxe Gottesdienste
Übersetzer Priorisierung:

Triodion. 5. Woche der Großen Fastenzeit. Donnerstag.

Stehen der Maria von Ägypten

- Zur Vesper -

Stichiren zu "Herr ich schrie"
Ton 8.
Vers: Die Sünder werden fallen in ihr eigenes Netz; ich aber bin für mich allein, bis ich vorübergehe.
Ton 8: Unter die Räuber meiner Gedanken / bin ich Armseliger gefallen, / ausgeplündert im Sinne / und schrecklich geschlagen, / bin verwundet worden in meiner ganzen Seele; / und so liege ich bar der Tugenden / am Wege des Lebens. / Ein Priester sieht mich, wie ich mich quäle / an meiner Schwäre. / Doch er schaut nicht auf mich, / sondern sieht über mich hinweg, / da er für unheilbar mich hält. / Ein Levit hinwieder kann nicht ertragen / den seelenverderbenden Schmerz, / und auch er schaut auf mich herab / und geht an mir vorüber. / Du aber, o Christus Gott, / dem es gefallen, Fleisch zu werden / nicht aus Samaria, sondern aus Maria, / gewähre mir die Heilung // und gieße über mir aus dein großes Erbarmen.
Vers: Mit meiner Stimme schrie ich zum Herrn, mit meiner Stimme flehte ich zum Herrn.
Unter die Räuber meiner Gedanken / bin ich Armseliger gefallen, / ausgeplündert im Sinne / und schrecklich geschlagen, / bin verwundet worden in meiner ganzen Seele; / und so liege ich bar der Tugenden / am Wege des Lebens. / Ein Priester sieht mich, wie ich mich quäle / an meiner Schwäre. / Doch er schaut nicht auf mich, / sondern sieht über mich hinweg, / da er für unheilbar mich hält. / Ein Levit hinwieder kann nicht ertragen / den seelenverderbenden Schmerz, / und auch er schaut auf mich herab / und geht an mir vorüber. / Du aber, o Christus Gott, / dem es gefallen, Fleisch zu werden / nicht aus Samaria, sondern aus Maria, / gewähre mir die Heilung // und gieße über mir aus dein großes Erbarmen
Vers: Ich werde vor Ihm mein Flehen ausgießen, meine Bedrängnis vor Ihm kundtun.
Gibt es einen Ruhm, gibt es ein Lob, so gebührt es den Heiligen. / Denn sie beugten die Nacken den Schwertern / um deinetwillen, / der gebeugt hat die Himmel / und ist herabgestiegen. / Sie vergossen ihr Blut um deinetwillen, / der sich selbst hat entäußert / und Knechtsgestalt angenommen. / Sie erniedrigten sich selbst bis zum Tode / und ahmten deine Armut nach. / Auf ihre Bitten, o Gott, / nach der Fülle deiner Erbarmungen // erbarme dich unser.
Vers: Während mein Geist aus mir schwand, kanntest doch Du meine Pfade.
Andere Stichiren des Herrn Joseph, Ton 8. Nach: O Herr.
O Herr, / du hast dẹine heiligen Jünger / als geistige Himmel erzeigt. / Durch ihre hẹiligen Vermittlungen / löse mich von den Übeln der Erde / und durch Enthaltsamkeit enthebe / allzeit mein Sinnen / der Neigung zu den Leidenschaften // als der Barmherzige und Menschen¬liebende.
Vers: Auf eben dem Weg, den ich wandelte, haben sie mir eine Schlinge verborgen.
Da wir haben / alle dịe Zeit des Fastens / als Gehilfin der göttlichen Gnade, / lasst uns wẹinen aus ganzem Herzen / und rufen zum Erretter: / Rette, vielbarmherziger Herr, / um deiner Jünger willen jene, / die in Furcht dich besingen, // als der Barmherzige und Menschenliebende.
Andere Stichiren des Herrn Theodor, im selben Ton.
Vers: Aufmerksam schaute ich zur Rechten und blickte hin, doch keinen gab es, der mich wahrnahm.
Apostel, allgepriesene, / ihr Fürbitter der Welt, / ihr Ärzte der Schwachen, / der Gesundheit Wächter, / von beiden Seiten beschützet uns, / da wir die Zeit des Fastens durcheilen, / Frieden halten gotterfüllt untereinander / und den Sinn bewahren / unbelästigt von den Leidenschaften, / damit ein Lied wir alle singen // Christus, der aufersteht als Sieger.
24 Verse des Großen Kanons nach dem Alphabet. Dichtung des Herrn Andreas von Kreta. Ton 4.
Vers: Mir blieb kein Entrinnen, und keinen gibt es, der meine Seele sucht.
Mein ganzes Leben / habe ich mit Huren und Zöllnern vertan; / kann ich wohl bereuen, wenn auch erst im Alter, / was ich gesündigt? / Du Bildner von allem / und Spender des Erbarmens, / bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Zu jedem Vers machen wir 3 Verbeugungen.
Vers: Ich schrie zu Dir, Herr, ich sagte: "Du bist meine Hoffnung, mein Anteil im Lande der Lebenden."
Beschwert bin ich vom Gewichte des Leichtsinns, / wälze mich im Schmutze, / bin durchbohrt vom Pfeile des Beliar / und beflecke meine Ebenbildlichkeit. / Du, der Sorglosen Bekehrer / und der Gestrauchelten Erlöser, / bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Merke auf mein Flehen; denn erniedrigt ward ich gar sehr.
Zum Anstoß bin den Menschen ich geworden, / habe gezogen Erdenfrüchte als Erdgeborener. / Ich habe gelebt in ehelicher Gemeinschaft nach deiner Vorschrift, / doch sie übertreten und mein Lager befleckt. / Der du aus Erde mich geformt, / verachte nicht dein Gebilde. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Erlöse mich von denen, die mich verfolgen; denn zu stark sind sie mir geworden.
Zum Henker meiner Seele bin ich geworden, / da um mein Fleisch ich Sorge trug. / Den Dämonen bin ich preisgegeben als Spielzeug, / Abwegigkeiten fröne ich und Lüsten. / Verschone mich in deiner Barmherzigkeit, / der du in die Flucht schlägst die Dämonen. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Führe meine Seele heraus aus dem Gefängnis, auf dass ich Deinen Namen bekenne.
Freiwillig hab ich gesündigt mehr als alle. / Deshalb bin ich verlassen. / Ich habe zum Widersacher meine Seele, / das Trachten des Fleisches, und es macht mich dunkel. / Du Erleuchtung derer im Finstern / und Wegführer derer im Irrtum, / bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Ton 4.
Leben wird, sprach der Prophet, meine Seele, o Herr, / und sie wird dich lobpreisen. / So suche mich, das Schaf, das ist in die Irre gegangen, / und zähle mich bei deiner Herde. / Gib mir Gelegenheit zur Umkehr, / auf dass ich unter Seufzen zu dir rufe: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Gesündigt hab ich, ja gesündigt, / deine Gebote, Christus Gott, missachtet. / Sei mir gnädig, du Wohltäter, / auf dass ich sehe / mit den Augen des Innern, / fliehe die Finsternis und rufe in Furcht: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Es umgaben mich wilde Tiere. / So entreiße mich ihnen, o Gebieter. / Denn du willst, dass alle werden gerettet / und gelangen zur Erkenntnis der Wahrheit. / Rette alle Menschen als der Schöpfer / und mit ihnen allen auch mich. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Werde mir zur Heilung, / du Wohltäter und Erlöser, / mein Erretter, verstoße mich nicht. / Schau, wie ich daliege in Sünden, / und richte mich auf als der Allmächtige, / damit auch ich bekenne meine Taten und zu dir rufe: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Verborgen hab ich das Talent, das du mir hattest gegeben, / hab es wie der unverständige Knecht vergraben in der Erde, / und so wurde ich verurteilt, weil ich zu nichts bin zu gebrauchen, / und wage nicht mehr, an dich eine Bitte zu richten. / Doch als der Langmütige erbarme dich meiner, / auf dass auch ich laut rufe: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Den Sumpf der Leidenschaften hast du trockengelegt / bei dem blutflüssigen Weibe / durch die Berührung deines Saumes. / Ich werde Verzeihung der Sünden erlangen, wenn ich zu dir komme / mit einem Glauben, den kein Zweifel erschüttert. / Nimm auch mich an wie jene und heile meinen Schmerz. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Du wirst dich niederlassen auf dem Throne, / der du durch das Wort hast geschaffen / den Himmel und die Erde. / Wir aber werden alle herantreten / und dir bekennen unsere Sünden. / Vor jenem Tage nimm in Umkehr mich auf. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Neig dich mir zu mit barmherzigem Blicke / und sei mir gnädig, einziger Erretter. / Schenke Ströme von Heilungen / meiner elenden und unglücklichen Seele. / Wische ab den Schmutz meiner Taten, / auf dass ich singe: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Schwerter stellte Beliar bereit, / da er danach trachtete, / meine gebeugte Seele wie ein Tier zu erjagen. / Entfremdet hat er mich der Erleuchtung / der Erkenntnis, Barmherziger, deines Angesichts. / Du Gewaltiger in Kraft, entreiße mich seinen Waffen. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Zu dir habe ich erhoben meine Augen, der du wohnest im Himmel. Siehe, wie die Augen von Knechten auf die Hände ihrer Herren, wie die Augen einer Magd auf die Hände ihrer Herrin, also sind unsere Augen gerichtet auf den Herrn, unseren Gott, bis er Mitleid mit uns übt.
Ganz versklavt bin ich von den Leidenschaften, / habe missachtet das Gesetz und die göttlichen Schriften. / Heile mich gänzlich, du Wohltäter, der du mir gleich geworden, / o Guter, um meinetwillen. / Kehre mich um, Barmherziger, / der Leidenschaften Besieger. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Erbarme dich unser, Herr, erbarme dich unser; denn reichlich angefüllt sind wir von Verachtung, mehr noch angefüllt ist unsere Seele. Die Schmach den Strotzenden, und die Verachtung den Stolzen.
Die Dirne benetzte mit Tränen / deine unbefleckten und edlen Füße / und ermuntert so alle, herbeizueilen / und Befreiung von ihren Vergehen zu empfangen. / Gewähre auch mir ihren Glauben, / auf dass ich, Erretter, zu dir rufe: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Zu den übrigen singen wir:
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Reinige vom Schmutz meine Seele, / der du um meinetwillen arm und ein Kind warst im Fleische. / Sende herab mir Schwachen und Zerschlagenen / einen Tropfen deines Erbarmens, o Christus. / Wasche vom Schmutze / und heile mich Schwachen. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Festige, Gebieter, meine Seele, / dass zu dir sie eile und immer dir diene. / Denn du bist mein Schutz und mein Hüter, / mein Beistand und meine Hilfe. / Würdige mich, Gott, o Logos, / in Freimut zu rufen: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Sei uns eine unzerstörbare Mauer, / Jesus, Erretter und barmherziger Gott. / Denn durch trügerische Haltungen und Taten / sind wir zusammengebrochen. / So richte auf, Wohltäter, das Gebilde / und lass, Barmherziger, dich versöhnen. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Zum ausschweifenden Sohn bin ich geworden, / habe den Reichtum verschwendet, und nun verschmachte ich vor Hunger. / Ich flüchte mich unter deinen Schutz. / Nimm mich, guter Vater, an wie jenen, / und gib mir einen Platz am Tische. / Mach mich würdig, zu dir zu rufen: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Aus Neid warf hinaus aus dem Paradiese / der Unheilstifter den Erstgebildeten. / Da er aber spricht am Holze das "Gedenke meiner!", / erhält der Räuber das Paradies zurück. / So rufe ich in Glauben und Furcht / das "Gedenke meiner!". / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Strecke mir die Hand entgegen wie dem Petrus / und führe mich, o Gott, herauf aus der Tiefe. / Gewähre mir Gnade und Erbarmen / auf die Fürbitte der ganz makellosen Mutter, / die dich hat samenlos geboren, / und aller deiner Heiligen. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Vers: Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Nimm mich an, der ich täglich singe: / O du Lamm Gottes, / das hinweg nimmt meine Sünde. / Meine Seele und meinen Leib, / ich leg sie ganz in deine Hände. / Bei Tag und Nacht ruf ich als Schuldner zu dir: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Ehre: O deiner unsagbaren Barmherzigkeit, / du übergütiger Herr voll Langmut! / O Sündeloser und Erbarmer, / verstoß mich nicht von deinem Angesicht, / auf dass auch ich in Dankbarkeit / mich freue, singe und zu dir rufe: / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Jetzt, Theotokion: O des unsagbaren Herabstiegs! / O unerhörte Geburt über-wunderbar! / O wie trägt die Jungfrau als Kindlein auf ihren Armen / dich, den Schöpfer und Gott, / der du, o Wohltäter, geruhtest, / aus ihr Fleisch anzunehmen. / Bevor am Ende ich verderbe, // o Herr, mir Rettung doch gewähre.
Parimien
Lesung aus dem Buch Genesis
Nachdem Abram in sein neunundneunzigstes Jahr getreten war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige, wandle vor mir und sei vollkommen. Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir errichten, und will dir überaus zahlreiche Nachkommen geben. Da fiel Abram nieder auf sein Angesicht. Und Gott sprach zu ihm: Ich bin es, und mein Bund ist mir dir, und du sollst der Stammvater vieler Völker werden. Fortan sollst du nicht Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich zum Stammvater vieler Völker bestimmt. Und ich will machen, dass deine Nachkommen sich mehren über die Maßen und zu Völkern anwachsen, und Könige sollen von dir abstammen. Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir aufrichten und zwischen deinen Nachkommen nach dir in ihren Geschlechtern, als einen ewigen Bund, dass ich dein Gott sei und deiner Nachkommen nach dir. Und ich will dir und deinen Nachkommen das Land, in dem du als Fremdling weilst, das ganze Land Kanaan, zum ewigen Besitze geben, und ich will ihr Gott sein. Und Gott sprach abermals zu Abraham: So halte also auch du meinen Bund, du und deine Nachkommen nach dir in ihren Geschlechtern. (Gen 17,1-9)

ORTHROS

P: Gesegnet unser Gott, allezeit, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     L: Amen.
     L: Ehre Dir, unser Gott, Ehre Dir.
Himmlischer König, Tröster, Du Geist der Wahrheit, überall Gegenwärtiger und alles Erfüllender, Hort der Güter und Spender des Lebens, komm und nimm Wohnung in uns, reinige uns von jedem Makel und errette, Guter, unsere Seelen.

Trishagion bis Vater unser:

L: Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Allheilige Dreiheit, erbarme Dich unser. Herr, sei gnädig ob unserer Sünden. Gebieter, verzeih uns unsere Gesetzlosigkeiten. Heiliger, suche unsere Schwächen heim und heile sie um Deines Namens willen.
Herr, erbarme Dich, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Vater unser, der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name. Dein Königtum komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser notwendiges Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
P: Denn Dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     L: Amen.
Herr, erbarme Dich, zwölfmal. Ehre, jetzt.
Kommt, lasst uns anbeten Gott, unseren König.
Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor Christus, Gott, unserem König.
Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor Christus selbst, unserem König und Gott.
In den Klöstern werden diese Psalmen langsam gelesen, damit der Priester alle Brüder beweihräuchern kann.
Psalm 19: Erhören möge dich der Herr am Tag der Bedrängnis, beschirmen möge dich der Name des Gottes Jakobs. Er sende dir Hilfe vom Heiligtum, und vom Sion her steh Er dir bei. Er gedenke all deiner Opfer, und dein Brandopfer mache Er fett. Der Herr gebe dir nach deinem Herzen, und all deine Pläne erfülle Er. Wir wollen frohlocken ob deiner Errettung, und uns rühmen im Namen des Herrn, unseres Gottes. Der Herr erfülle all deine Bitten; nun habe ich erkannt, dass der Herr errettet hat Seinen Gesalbten. Er wird ihn erhören von Seinem heiligen Himmel, in machtvollen Taten ist die Errettung Seiner Rechten. Diese rühmen sich der Wagen und jene der Rosse, wir aber wollen uns rühmen im Namen des Herrn, unseres Gottes. Sie wurden an den Füßen gebunden und kamen zu Fall, wir aber standen auf und wurden emporgerichtet. Herr, errette den König, und erhöre uns am Tage, da wir Dich anrufen werden.
Psalm 20: Herr, in Deiner Macht wird der König frohgemut sein und frohlocken ob Deiner Errettung gar sehr. Seines Herzens Begehr hast Du ihm gegeben und um den Wunsch seiner Lippen ihn nicht beraubt. Denn Du kamest ihm zuvor mit Segnungen der Güte, hast auf sein Haupt gesetzt eine Krone von Edelstein. Leben erflehte er von Dir, und Du gabest ihm Länge der Tage auf immer und ewig. Groß ist seine Herrlichkeit in Deinem Heil. Herrlichkeit und Erhabenheit wirst Du auf ihn legen. Denn Du wirst ihm Segen geben auf immer und ewig, wirst ihn in Freude frohgemut machen mit Deinem Angesicht. Denn der König hofft auf den Herrn, und in des Höchsten Erbarmen wird er keineswegs wanken. Deine Hand werde gefunden von all Deinen Feinden; Deine Rechte finde alle, welche Dich hassen. Denn Du wirst sie wie einen Feuerofen machen zur Zeit, da erscheint Dein Angesicht; der Herr wird sie aufwühlen in Seinem Zorn, und Feuer wird sie fressen. Du wirst ihre Frucht von der Erde tilgen und ihren Samen aus den Menschenkindern. Denn sie wälzten Übles auf Dich, überlegten Pläne, mit denen sie keineswegs bestehen können. Denn Du wirst sie zum Rücken machen; in Deinen Übriggebliebenen wirst Du ihr Angesicht bereiten. Sei erhöht, o Herr, in Deiner Macht; besingen wollen wir in Liedern und Psalmen Deine machtvollen Taten.
Ehre, jetzt.
L: Trishagion bis Vater unser. Priester: Denn Dein ist… Wir: Amen.

Tropare

L: Errette, Herr, Dein Volk und segne Dein Erbe, Siege schenke Deinen Frommen über ihre Widersacher und behüte durch Dein Kreuz die Dir eigene Gemeinde.
Ehre: Der Du freiwillig auf das Kreuz Dich erhoben, Christus Gott, schenke Dein Erbarmen Deiner neuen nach Dir genannten Gemeinde. Stärke alle, die für sie Verantwortung tragen mit Deiner Kraft. Gewähre Sieg über das Böse, Frieden in Deiner Gemeinschaft durch die Waffe des Kreuzes, des unüberwindlichen Siegeszeichens.
Jetzt: Hehre, nicht beschämende Schirmherrin, übersieh nicht unser Flehen, gütige allbesungene Gottesgebärerin. Festige unsere Gemeinden. Stärke die, so Verantwortung tragen im Staat und gewähre uns allen den Sieg von oben. Denn Gott hast du geboren, einzig Gesegnete.

Kleine inständige Ektenie

Diese Ektenie wird immer vom Priester gelesen.
P: Erbarme Dich unser, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen, wir bitten Dich, erhöre uns und erbarme Dich.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Dreimal, zu jeder Fürbitte.
P: Wir beten auch für unseren großen Herrn und Vater, den heiligsten Patriarchen Kyrill, und unseren Herrn, den höchstgeweihten Metropoliten (oder Erzbischof, oder hochgeweihten Bischof) N., und für all unsere Brüder in Christus.
P: Wir beten auch für unser gottgeschütztes Land und für alle, die es regieren und beschützen, auf dass wir ein stilles und ruhiges Leben führen können in aller Frömmigkeit und Lauterkeit.
P: Wir beten auch für alle Brüder und alle Christen.
Ausruf: Denn ein erbarmungsreicher und menschenliebender Gott bist Du, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Volk: Amen. Im Namen des Herrn Vater segne.
P: Ehre der heiligen und einwesentlichen und lebendigmachenden und untrennbaren Dreiheit, allezeit, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.

Hexapsalm

Im Zentrum der Kirche wird der Hexapsalm gelesen. Wir hören mit Schweigen und Ergriffenheit zu. Das Licht und die Kerzen werden ausgemacht.
L: Herrlichkeit Gott in den Höhen und auf Erden Friede und den Menschen Sein Wohlgefallen. Dreimal.
Herr, meine Lippen wollest du öffnen, und mein Mund wird verkünden dein Lob. Zweimal.

Alleluïa, Ton

In der großen Fastenzeit oder wenn das Alleluïa gesungen wird, singt man Anstelle von Gott ist der Herr das Alleluïa.
D: Alleluïa, alleluïa, alleluïa.
     Ch: Alleluïa, alleluïa, alleluïa. Zu jedem Vers.
Vers: Inmitten der Nacht erwacht mein Geist zu Dir, o Gott, denn Licht sind Deine Gebote auf Erden.
Vers: Übet Gerechtigkeit, ihr Bewohner der Erde.
Vers: Sehen werden sie den Eifer um das Volk und zuschanden werden.
Vers: Erlege ihnen Übel auf, o Herr, erlege ihnen Übel auf, den Herrlichen auf Erden.

Leben der hl. Maria von Ägypten

L: Segne, ehrwürdiger Vater, die Vita unserer frommen Mutter Maria von Ägypten zu lesen.
P: Auf ihre Gebete hin, Herr, Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser.
L: Amen.
Liest der Priester die Vita selbst, so spricht er: „Vita unserer frommen Mutter Maria von Ägypten - auf ihre Gebete hin, Herr, Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser.“

Erster Teil

L: Es war ein Greis in einem der Klöster Palästinas, geschmückt durch tugendhaften Lebenswandel und die Weisheit seiner Worte, von frühester Kindheit an in den frommen Werken des Klosterlebens sehr geübt. Des Greises Name war Zosimas (nicht zu verwechseln mit dem Häretiker Zosimas, von dem später gesprochen werden wird und welcher von üblem Rufe und fern von der Kirche war, während jener orthodox und gerecht war), der sämtliche Stufen des enthaltsamen Lebens erstiegen hatte und alle von den vollkommenen Asketen gegebenen Regeln bewahrte; all dieses beobachtend ließ er niemals von der Befolgung der göttlichen Worte ab; wenn er sich niederlegte und aufstand, wenn er arbeitete und aß, falls man dies überhaupt essen nennen kann, lag er nur einem ob, zu singen und sich zu belehren durch das Wort Gottes. In früher Jugend trat er in das Kloster ein und wirkte in demselben bis zum 53. Lebensjahre, in guten Werken sich übend. Nachher wurde er versucht durch den Gedanken, als ob er bereits in allem vollkommen sei und anderer Unterweisungen nicht bedürfe, indem er im Gemüte sprach: Ob es wohl auf Erden einen Mönch gibt, der mir förderlich sein, der mir eine Art der Askese zeigen könnte, die ich noch nicht geübt habe? Ob sich in der Wüste ein Mensch findet, der meine Taten übertrifft?
Indem der Greis also dachte, erschien ihm ein Engel und sprach: O Zosimas, du hast so gut, wie es für einen Menschen möglich ist, gekämpft, die strenge Laufbahn der Askese durchschritten, aber es gibt niemand unter den Menschen, der sich als vollkommen erwiesen hätte: es gibt eine Tugend von Gott, die du in der Vergangenheit noch nicht kennen gelernt hast, jetzt aber, damit du mögest kennen lernen, wie viele andere Wege zum Heile es gibt, so ziehe aus von deinem Lande, wie jener berühmte Patriarch Abraham und gehe zu dem Kloster, welches am Jordanflusse steht. Sogleich ging der Greis, folgend der Stimme, aus dem Kloster, in welchem er von Jugend auf Mönch gewesen war und gelangte, unterwiesen von dem, der ihn berufen hatte, zu dem Kloster, welches Gott ihm bestimmt hatte. Mit der Hand die Tür des Klosters aufstoßend traf er einen Mönch, der die Tür bewachte, und erzählte ihm zuerst von sich. Der aber meldete es dem Igumenos, der ihn aufnahm und - aus der von ihm gemachten Metanie und dem Gebet erkennend, daß es ein Mönch sei - ihn fragte, - woher bist du, Bruder, und weshalb bist du zu uns armen Mönchen gekommen?
Zosimas aber antwortete: woher ich gekommen bin, ist nicht nötig zu sagen, ich bin aber gekommen, um Nützliches zu erreichen, denn ich habe Großes und Ruhmreiches von euch gehört, welches die Seele Gott zueignen kann. Da antwortete ihm der Igumenos: Gott allein, o Bruder, ist es, der die Schwachheit der Seele heilt, der dich und uns seinen göttlichen Willen lehren und in allem Nützlichen unterweisen möge; ein Mensch kann aber dem anderen nicht von Nutzen sein, wenn jeder nicht immer auf sich selbst achtet und nicht, wachend im Geiste, Nützliches tut, indem er Gott als Mitwirkenden hat. Wenn aber die Liebe Christi dich bewog, uns, elende Mönche, zu sehen, so bleibe hier bei uns, falls du deshalb gekommen bist: uns alle wird nähren durch die Gnade des Heiligen Geistes der gute Hirt, der seine Seele zur Erlösung für uns gegeben hat.
Nachdem der Igumenos dies zu Zosimas gesagt hatte, verbeugte dieser sich und sagte nach Empfang des Gebetes und des Segens: Amen, und blieb im Kloster.
Dort sah er die Mönche, sie strahlten durch Erfüllung guter Werke, an Gott denkend und im Herzen brennend und für Gott arbeitend: Ihr Gesang war unaufhörlich, ihr Stehen die ganze Nacht hindurch, in ihren Händen waren immer Taten, in ihrem Munde immer Psalmen; keine unnützen Worte waren in ihnen, keine Gedanken an Erwerb zeitlicher Güter und keine weltliche Trübsal, die nicht einmal dem Namen nach bekannt war; nur ein Einziges war das Erste und Letzte: nach Möglichkeit zu sorgen, daß sie körperlich wie Tote sein möchten. Als unentbehrliche Speise hatten sie die Werke Gottes: sie sättigten sich aber den Leib mit Brot und Wasser, jeder nach seinem Verhältnis zur Liebe Gottes. Als Zosimas dies sah, benutzte er es sehr, indem er in sich die dargestellte Tugend verwirklichte. Nachdem genügend Zeit verflossen war, nahte die Zeit der heiligen großen Fasten, während deren die Türen des Klosters immer geschlossen waren und nur geöffnet wurden, wenn jemand zu allgemeinem Bedarf hinausgesandt wurde: denn die Gegend war öde, und es kamen andere nicht dorthin. Ja, sie war den Laien nicht einmal bekannt. Es war aber in dem Kloster solche Sitte oder Ordnung, wegen deren Gott den Zosimas dorthin geführt hatte:
Am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit, nachdem der Priester die heilige Liturgie gehalten und alle die heilige Kommunion empfangen hatten und darauf ein wenig von der Fasten-Trapeza gekostet hatten, versammelten sie sich wieder in der Kirche, beteten inbrünstig, die Knie beugend, und es küssten die Mönche einander und den Igumenos, ihn um Segen und Gebete bittend für die bevorstehenden Tugendübungen der Großen Fasten. Nachdem dies geschehen, wurd die Klostertür geöffnet und unter dem Gesange der Worte des Psalmes 26, „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der ist meines Lebens Wehr, vor wem sollte mir grauen?“ - usf. - zogen sie hinaus in die Wüste, indem nur ein oder zwei Brüder zur Bewachung des Klosters zurückgelassen wurden, nicht, um die im Innern befindlichen Güter zu bewachen (weil dort nichts war, was von Dieben gestohlen werden könnte), sondern nur, damit die Kirche nicht ohne Gottesdienst bleiben möchte; sie gingen über den Fluß Jordan, indem jeder bei sich Nahrungsmittel nach seinem Bedarf und Wunsch trug, der eine ein wenig Brot, der andere Datteln, der dritte Feigen, der vierte in Wasser gequollene Hülsenfrüchte. Einige aber nichts, als etwas alte Bekleidung, um ihren Körper zu bedecken. Diese nährten sich nach Bedarf mit Kraut, welches in der Wüste wuchs. Nach Überschreiten des Jordans auf diese Weise trennten sie sich voneinander und keiner wußte, wie der andere kämpfte oder fastete. Wenn es einmal geschah, daß jemand seinem Freunde begegnete, so lenkte er ab auf die andere Seite und blieb allein vor Gott. Und so, wenig Nahrung zu sich nehmend, vollendeten sie die Fastenzeit und kehrten am Palmsonntag alle in das Kloster zurück, um mit Palmzweigen die Vorfeier des nahenden großen Pascha-Festes zu begehen. Alle kamen zurück, indem sie ihr Gewissen als Zeugen ihrer gottgefälligen Kämpfe hatten und niemand durfte den anderen fragen, wie und in welchen guten Werken er sich geübt habe. Dies war die Ordnung des Klosters.
Dieser Ordnung folgend überschritt auch Zosimas den Jordan, wenig an Speise habend und das Gewand, welches er anhatte; die Gebete, die vorgeschrieben waren, vollzog er, indem er durch die Wüste wanderte, wenig essend und schlafend, indem er in der Nacht sich auf die Erde manchmal sitzend, wo die Nacht ihn ereilt hatte, sehr früh aber hatte er, wieder aufwachend, seinen Lauf fortzusetzen. Endlich beschloß er, in das Innere der Wüste sich zu begeben, in der Hoffnung, dort einen der Mönche zu treffen, der ihm als Vorbild dienen könnte.
Nachdem er 20 (anderen zufolge 8) Tage gegangen war, stellte er sich ein wenig abseits, wendete sich gegen Osten und sang die 6. Hora indem er die gebräuchlichen Gebete sagte; denn er machte bei jeder Hora eine kleine Unterbrechung in seiner Wanderschaft für den Gesang und die Metanien. Als er einmal stand und sang, bemerkte er rechts einen Schatten, wie eines menschlichen Körpers. Zuerst erschrak er sehr, weil er dachte, es sei ein teuflisches Gespenst und zitterte. Er machte aber das Zeichen des Kreuzes, vergaß seinen Schrecken, wandte seine Augen nach Beendigung des Gebetes gen Süden, und sah jemand gehen, der nackt und von der Sonne schwarz gebrannt war, dessen Haare aber weiß wie Wogenschaum waren und bis zum Halse reichten. Als Zosimas das sah, ging er in die Richtung, wo er das gesehen. und freute sich sehr, weil er diese Tage keine menschliche, nicht einmal eine tierische Gestalt gesehen hatte. Als aber die Erscheinung den Zosimas von weitem kommen sah, begann sie in das Innere der Wüste zu eilen; Zosimas aber, indem er sein Alter und die Mühe des Weges vergaß, lief schnell, in dem Wunsche, das zu erreichen. Dieses aber lief immer; der Lauf des Zosimas war aber schneller als der des Davoneilenden.
Als er schon so nahe war, daß er die Stimme hören konnte, begann Zosimas weinend zu schreien und sagte:
„Warum läufst du vor mir sündigem Greise fort, o Knecht des wahren Gottes, in dessen Namen du in dieser Wüste lebst? Warte auf mich Unwürdigen und Schwachen! Warte in der Hoffnung auf Belohnung für deine Tugenden. Steh still und gib mir, dem Greise, dein Gebet und deinen Segen um Gottes willen, der niemand verachtet.“
Indem Zosimas dies unter Tränen redete, kam es ihm vor, als sei er schon ganz nahe gekommen, wo ein ausgetrockneter Bach zu sein schien. Als er aber zu der Stelle kam, ging das laufende Wesen auf die andere Seite. Zosimas war müde und konnte nicht mehr laufen und blieb diesseits des Baches stehen, fügte Tränen zu seinen Tränen und Schreie zu seinen Schreien, sodaß nichts mehr zu hören war als sein Heulen. Darauf hauchte die Stimme:
„Abba Zosimas, verzeihe mir um Gottes Willen, daß ich mich nicht zu dir wenden und mich von dir sehen lassen kann: Ich bin ein Weib und, wie du siehst, nackt und die Scham meines Körpers habe ich unbedeckt. Wenn du aber willst mir sündigem Weibe dein Gebet und deinen Segen geben, so wirf mir etwas von deinen Kleidern zu, damit ich meine Blöße bedecken und zu dir gewendet dein Gebet und deinen Segen empfangen kann.“
Da erfaßte Zosimas Furcht und Zittern, indem er sich bei Namen nennen hörte, obwohl sie ihn niemals gesehen und von ihm niemals gehört hatte. Und er sprach bei sich: Wenn diese nicht voraussehend wäre, könnte sie mich nicht bei Namen nennen. Und alsbald tat er, was sie ihm gesagt, nahm von sich das alte und zerrissene Kleid, welches er getragen und warf es ihr zu, indem er sein Gesicht abwandte. Sie aber nahm es und bedeckte den Teil ihres Körpers, welchen mehr als alle andern zu bedecken nötig war, gürtete sich und sprach zu Zosimas gewendet:
„Warum gefällt es dir, Abba Zosimas, eine sündige Frau zu sehen? Verlangst du etwa von mir etwas zu hören oder belehrt zu werden, daß du nicht gescheut hast, solche Mühe auf dich zu nehmen?“
Er aber, auf die Erde sich hinstreckend, bat um ihren Segen; ebenso streckte auch sie sich nieder und beide lagen auf der Erde, einander um den Segen bittend, sodaß nichts von beiden zu hören war, als nur das Wort: Segne! Nach einer langen Zeit sagte die Frau zu Zosimas:
„Abba Zosimas, dir gebührt es, zu segnen und Gebete zu vollziehen, denn du bist mit der Würde eines Presbyters geehrt und seit mehreren Jahren bringst du vor dem heiligen Altar stehend die göttlichen Gaben dem Herrn dar.“
Diese Worte versetzten den Zosimas in noch größere Angst und von dieser ergriffen sprach er weinend und seufzend, mit schwerem, stockendem Atem zu ihr:
„O geistliche Mutter, du hast dich Gott genaht und dich abgetötet, was die in dir mehr als in anderen befindliche von Gott geschenkte Gabe beweist, daß du mich bei Namen und Presbyter nanntest, mich, den du niemals zuvor gesehen; deswegen segne lieber selbst, um des Herrn Willen, und gib das Gebet dem, der es von deiner Vollkommenheit fordert.“
Nachgebend der inständigen Bitte sprach sie:
„Gesegnet ist Gott, der da will, daß die menschlichen Seelen gerettet werden.“
Nachdem Zosimas „AMEN“ gesagt hatte, standen beide von der Erde auf. Sie sagte zu ihm:
„Weshalb bist du zu mir Sünderin gekommen, o Mensch Gottes? Weshalb wünschtest du eine Frau, nackt und keine Tugend besitzend, zu sehen? Aber die Gnade des Heiligen Geistes hat dich unterwiesen, damit du könntest einen Dienst erweisen meinem Leibe zur nötigen Zeit. Sage mir, Vater, wie leben jetzt die Christen, die Könige und heiligen Kirchen?“
Zosimas antwortete:
„Die Christen, die Könige und heiligen Kirchen haben durch eure heiligen Gebete von Gott starken Frieden erhalten; doch nimm an das Flehen eines Unwürdigen und bete um des Herrn willen für die ganze Welt und für mich Sünder, damit nicht vergeblich werde diese meine Wanderung durch die Wüste.“
Sie sagte zu ihm:
„Dir gebührt mehr, Vater Zosimas, der du das heilige Amt hast, für mich und für alle zu beten; hierzu bist du eingesetzt. Aber weil wir immer Gehorsam erweisen müssen, so tue ich das von Dir Befohlene.“
Dies sagend, begann sie still zu beten, sich gen Osten wendend und Augen und Hände emporhebend, so daß keine Worte zu hören waren und Zosimas nichts vernahm, sondern, wie er gesagt, mit Ehrfurcht zur Erde sehend, dastand und sich nicht rührte. Er erzählte, Gott als Zeugen anrufend, daß, als er während ihres Gebetes ein wenig seine zur Erde blickenden Augen erhoben hatte, er gesehen habe, wie sie beim Gebet eine halbe Armlänge sich vom Erdboden erhoben und in der Luft stehend gebetet habe. Dies aber sehend, warf sich Zosimas von größter Angst ergriffen zur Erde nieder, weinend und nichts sprechend, als: Herr, erbarme dich!
Indem er auf der Erde lag, war er beunruhigt, durch den Gedanken, ob es nicht ein Gespenst oder ein Geist sei, der nur scheinbar bete. Sie aber wandte sich, hob ihn auf und sagte:
„Warum, Vater Zosimas, beunruhigen dich solche Gedanken über ein Gespenst, als sei ich ein Geist und heuchle ein Gebet. Ach, ich bitte dich, seliger Vater, wisse, daß ich eine Sünderin bin, aber durch die heilige Taufe umschirmt und nicht ein gespenstischer Geist, sondern Erde, Staub und Asche und jedenfalls Fleisch, welches niemals etwas Geistliches gedacht.“
Und dies sagend, bezeichnete sie mit dem Kreuzeszeichen ihre Stirn, Augen, Mund und Brust, und sprach:
„Vater Zosimas, möge Gott uns vom Teufel und seinen Netzen erlösen: denn groß ist sein Kampf gegen uns!“
Dies sehend und hörend sprach Zosimas zu ihren Füßen niederfallend unter Tränen:
„Ich beschwöre dich im Namen unseres Herrn Jesu Christi, des wahren Gottes, geboren von der Jungfrau, um dessentwillen du diese Nacktheit trägst, um dessentwillen du dein Fleisch so abgetötet hast, verhehle nicht vor mir dein Leben, sondern sage mir alles, damit du die Großtaten Gottes offenbaren möchtest. Sage mir um Gottes Willen alles, nicht des Lobes wegen, sondern um mir Sünder Kunde zu geben über dich. Denn ich glaube, daß ich von meinem Gott, den du lobst, deswegen in die Wüste geführt worden bin, damit Gott alles das Deinige offenbar mache; denn es ist keine Kraft in uns, der Vorsehung Gottes zu widerstehen. Wenn es nicht Christus gefallen hätte, daß du und deine Tugenden bekannt würden, hätte er dich mir nicht gezeigt und mich nicht zu solchem Wege gestärkt, der ich niemals meine Zelle verlassen konnte noch wollte.“
Nachdem Zosimas dies und mehreres anderes gesagt hatte, hob sie ihn auf und sagte zu ihm:
„Ich schäme mich, Vater, verzeihe mir, daß ich dir die Schande meiner Taten sage, aber wenn du meinen Leib schon nackt gesehen hast, so entblöße ich dir auch meine Taten, damit du wissest, von welcher Scham und Schande meine Seele erfüllt ist. Nicht meines Lobens willen, wie du mir selbst gesagt, werde ich dir über mich bekennen. Denn womit soll ich mich loben, die ich einst ein auserwähltes Gefäß des Teufels war? Wenn ich die Erzählung von mir anfange, wirst du laufen von mir, wie jemand vor einer Schlange fortläuft, nicht ertragend, mit den Ohren zu hören das Unstatthafte, was ich, Unwürdige, getan. Ich werde sprechen, ohne etwas zu verschweigen, aber ich bitte dich zuerst, daß du nicht aufhören mögest für mich zu bitten, damit ich Gnade finde am letzten Tage.“
Ode 1
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Der Refrain wird vom Chor in einer Bußmelodie gesungen. Der Große Kanon sowie die Tropare zur Hl. Maria und zum Hl. Andreas werden vom Vorsteher in der Mitte der Kirche reumütig gelesen. Die Trioden liest ein Leser.
Die Satzung schreibt vor, nach jedem Tropar des Kanons drei große Verbeugungen zu machen. In der Praxis wird meist nur eine kleine Verbeugung gemacht.
Irmos: Als Helfer, Beschützer ward mir zum Heile dieser mein Gott, — darum will ich ihn preisen — , der Gott meines Vaters, — ich will ihn erheben — Denn herrlich ist er verherrlicht. (Zweimal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Womit soll ich beginnen, wenn ich meines armen Lebens Werke beweine? Welchen Anfang, Christus, soll ich dem gegenwärtigen Klagegesang geben? Wohlan, so schenk mir in deinem Erbarmen Verzeihung der Sünden.
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner. Der Refrain wird vor jedem Vers gesungen.
Wohlan, arme Seele, samt deinem Fleische preise den Bildner aller, und enthalte dich in Zukunft der früheren Verachtung, und bringe Gott in Reue Tränen dar.
Dem ersten Menschen, Adam, hab ich nachgestrebt durch Übertretung und ich erkannte, dass ich nackt war Gottes und des ewigen Reiches der Wonne ob meiner Sünden.
O weh, arme Seele, warum wardst du der ersten Eva ähnlich? Bös war dein Blick, und bitter wardst du betört. Nach dem Baum hast du gelangt, keck hast du gekostet die sündige Frucht.
Statt der sinnlichen Eva ist mir die geistige Eva erstanden: der leidenschaftliche Trieb im Fleisch, der lehrt die süße Lust und immer kostet den bitteren Trank?
Mit Recht ward aus Eden Adam verbannt, da er dein einziges Gebot, o Heiland, nicht hielt. Was muss ich erst erleiden, der ich stets deine Leben bringenden Worte verworfen habe?
Kains Blutschuld hab ich auf mich genommen durch eigene Wahl, bin zum Mörder der armen Seele geworden durch ein fleischliches Leben, hab wider sie gekämpft durch schlimme Taten.
Abel ward ich, Jesus, an Gerechtigkeit nicht ähnlich. Nie hab ich jemals wohlgefällige Geschenke dir gebracht, nicht heilige Werke, nicht ein reines Opfer, nicht ein Leben ohne Fehl.
Wie Kain, so haben, arme Seele, auch wir dem Schöpfer aller der Werke Schmutz, ein tadelnswürdig Opfer und ein unnütz Leben in gleicher Weise dargebracht. Darum auch wurden wir verdammt.
Den Lehm, o Töpfer, hast du zum Lebewesen geformt, du senktest in mich ein Fleisch und Gebein und Geist und Leben. Wohlan, mein Bildner, mein Heiland und mein Richter, nimm mich, den Reuigen, auf.
Dir, Heiland, will ich die Sünden bekennen, die ich tat, meiner Seele, meines Körpers Wunden, die mir drinnen die blutbefleckten Pläne wie Räuber hinterließen.
Hab ich auch gesündigt, Heiland, so weiß ich doch: du bist der Menschenfreund. Du schlägst aus Liebe, und heiß ist dein Erbarmen. Du siehst den Weinenden, läufst auf ihn zu, o Vater, rufst den Verlorenen zurück.
Verstoßen, Heiland, liege ich vor deinen Toren. Auch wenn im Alter erst, verstoß mich nicht in des Hades Leere. Nein, vor dem Ende, Menschenfreund, verleihe mir der Vergehen Vergebung.
Unter die Räuber meiner Gedanken bin ich gefallen. Ganz bin ich jetzt von ihren Wunden bedeckt, ganz voller Striemen. Wohlan, tritt du zu mir her. Sei, Christus, Heiland, mein Arzt.
Ein Priester sah mich und ging vorüber an mir. Und der Levit, er sah mich im Elend und hat mich Nackten verachtet. Doch du, aus Maria Geborener, tritt zu mir her, sei, Jesus, mein Arzt.
Lamm Gottes, das die Sünden aller wegnimmt, nimm fort von mir die Kettenlast der Sünden, und gib mir in deiner Güte Nachlass der Sünden.
Es ist Zeit zur Reue. Ich komm zu dir, mein Bildner. Nimm fort von mir die Kettenlast der Sünden. Und gib mir in deiner Güte Nachlass der Sünden.
Verschmäh mich nicht, Heiland, stoß mich nicht fort von deinem Angesicht. Nimm fort von mir die Kettenlast der Sünden und gib mir in deiner Güte Nachlass der Sünden.
Meine freiwilligen, Heiland, und unfreiwilligen Sünden, die bekannten und geheimen, die erkannten und unerkannten, alle verzeihe mir, Gott, hab Mitleid, sei mein Erretter.
Von Jugend auf, Heiland, hab ich deine Satzung verachtet. Mein ganzes Leben hab ich in Leidenschaften, sorglos, leichten Sinnes vertan. Darum rufe ich, Heiland, zu dir: Auch wenn erst am Ende, Rettung mir sende.
Der Seele Reichtum hab ich durch ein liederliches Leben verzehrt und ich bin ausgeleert von heiliger Tugend. Hungernd rufe ich: Vater der Huld, gnädig erbarme dich meiner.
Vor dir, o Jesus, knie ich hin. Dir hab ich gesündigt, vergib mir. Nimm fort von mir die Kettenlast der Sünden. In deiner Güte, Gott, nimm mich, den Reuigen, auf.
Nicht geh mit mir ins Gericht, vorführend meine Pflichten, nachspürend den Worten, strafend die Triebe. Nein, in deiner Liebe hab nicht auf meine Sünden acht. Rette mich. Denn alles steht in deiner Macht.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Die Trioden werden von einem Leser gelesen.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Gib du mir aus heiliger, himmlischer Sorge die lichtschimmernde Gnade, das Dunkel der Leidenschaften zu fliehen und freudig deines Lebens, Maria, frohe Dinge zu besingen im Lied.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Du beugtest dich unter Christi Gottesgebote, tratest hin zu ihm, verließest der Leidenschaften unaufhaltsame Triebe, und alle Tugenden hast du wie eine einzige ganz gottesfürchtig vollbracht.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Auf deine Bitten, Andreas, bewahre uns vor den schändlichen Lüsten und lasse, wir bitten, des Reiches Christi jetzt uns teilhaft werden, uns, die in Glaube und Liebe, Herrlicher, dich besingen in Hymnen.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: O Dreiheit, überwesentlich, in der Einheit verehrt, nimm fort von mir die Kettenlast der Sünde. Und gib mir in deiner Güte der Reue Tränen.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Gottesmutter, du Hoffnung und Hilfe derer, die dich in Hymnen besingen, nimm fort von mir die Kettenlast der Sünde und, heilige Herrin, nimm mich, den Reuigen, auf.
Ode 2
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: Himmel, merk auf, und reden will ich und Christus in Hymnen besingen, der als Sohn der Jungfrau im Fleische gewohnt hat. (Einmal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Himmel, merk auf, und reden will ich, Erde, lausche der Stimme, die zu Gott sich bekehrt und ihn in Hymnen erhebt.
Neige dich mir, Gott, mein Erbarmer, mit deinem gnädigen Antlitz, und nimm auf mein heißes Bekenntnis.
Ich habe gesündigt mehr als alle Menschen, ich allein hab mich an dir versündigt. Wohlan, hab Erbarmen, Gott, Heiland, mit deinem Gebild.
Der Sünden Seesturm tobt um mich, erbarmungsvoller Herr. Wohlan, so wie dem Petrus, strecke auch mir deine Hand entgegen.
Auf die Zähren der Buhlerin beruf auch ich mich, o Erbarmer. In deiner Güte, Heiland, erbarme dich meiner.
Verfinstert habe ich der Seele Lieblichkeit durch der Leidenschaften Lüste, mit einem Worte, ganz den Geist gemacht zu Erdenstaub.
Zerrissen hab ich jetzt mein erstes Kleid, das mir der Bildner im Anbeginn gewebt. Darum lieg ich hier in Blöße.
Mit dem zerrissenen Gewand bin ich bekleidet, das die Schlange mir gewebt durch ihren Rat, und muss mich schämen.
Ich schaute auf des Baumes Schönheit, ließ täuschen meinen Sinn. Und nun liege ich hier nackt und muss mich schämen.
Auf meinem Nacken schmiedeten ihre Ränke all die Anstifter der Sünden und wälzten ihre Sünde auf mich ab.
Ich ließ mir die mir angeschaffene Schönheit, meine Würde nehmen. Und nun liege ich hier nackt und muss mich schämen.
Auch mir hat die Sünde den Leibrock aus Fell gewebt und mich des früheren göttlichen Kleides beraubt?
Angetan bin ich mit dem Gewand der Schande gleichwie mit Blättern von Feigen zur Strafe für meiner Lüste Zügellosigkeit.
Bekleidet bin ich mit einem befleckten und durch den Blutfluss des leidenschaftlichen, lüsternen Lebens schrecklich mit Blut besudelten Kleide.
Befleckt hab ich mein Fleischgewand, besudelt dein Bild und Gleichnis, o Heiland.
Ergeben habe ich mich dem Leide der Lüste und des Stoffes Vergängnis. Und darum unterdrückt mich jetzt der Feind.
Sinnlichem, habgierigem Leben, o Heiland, hab ich vor der Armut den Vorzug gegeben. Nun bin ich von schweren Ketten umschlossen.
Die Puppe des Fleisches hab ich geschmückt mit dem blendenden Schleier der schändlichen Klugheit. Und ich werde verdammt.
Auf die äußere Schönheit allein war ich eifrig bedacht. Nicht gab ich acht auf den von Gott gebildeten inneren Tempel.
Gestaltet durch meiner Leidenschaften Missgestalt, entehrte ich meines Geistes Schönheit durch lusthaftes Streben.
Mit den Lüsten vergrub ich die Schönheit des früheren Bildes. Doch wie einst die Drachme, so such mich und find mich.
Ich habe gesündigt. Wie die Buhlerin ruf ich zu dir. Allein hab ich gesündigt an dir. Auch meine Zähren, o Heiland, nimm auf, als wären sie duftende Narde.
Hingeglitten bin ich maßlos wie David und mit Kot beschmutzt. Doch, Heiland, wasch auch mich mit deinen Tränen rein.
Verzeih mir, o Heiland, wie der Zöllner ruf ich zu dir, o verzeih mir. Denn keiner von allen seit Adam hat wie ich gefrevelt an dir.
Nicht hab ich Tränen und nicht Reue, noch tiefe Pein. Auch dies verleihe du mir, da du Gott bist, mein Heiland.
Deine Tür schließ mir alsdann nicht zu, Herr, Herr, nein, öffne du sie mir, der sich zu dir bekehrt?
Menschenfreund, der du aller Rettung willst, ruf du mich zurück und nimm in deiner Güte mich an, der sich zu dir bekehrt.
Preisen lasst uns mit dem Sohne den Vater und den Heiligen Geist von gleicher Kraft.
Vernimm die Seufzer meiner Seele, nehme auf meiner Augen Zähren, o Herr, und rette mich.
Allheilige Gottesgebärerin, rette uns.
Theotokion: Makellose, Gottesmutter und Jungfrau, allgefeiert in Hymnen allein, mit ausgespannten Armen flehe um unsere Rettung.
Irmos: Schauet, schauet, Gott bin ich. Manna ließ ich regnen und in der Wüste aus dem Felsen einst das Wasser quellen meinem Volk, mit meiner Rechten, meiner Kraft allein. (Einmal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Schauet, schauet, Gott bin ich. Hör, meine Seele, auf den Ruf des Herrn und reiß dich los von deiner Sünde und fürchte ihn als Gott, der da entscheidet, richtet.
Wem wardst du ähnlich, Seele, reich an Sünden? Weh mir, dem Kain von einst und jenem Lamechwardst du gleich, durch Schlechtigkeiten hast du den Leib zu Tod gesteinigt, durch widersinnige Triebe hast du den Geist ermordet.
Alle, die vor dem Gesetze lebten, hast du, Seele, noch überholt. Nicht wardst dem Seth du gleich, nicht hast du Enos nachgeahmt, nicht Enoch, die sich doch bekehrten, auch Noe nicht. Nein, arm erschienest du am Leben der Gerechten.
Du hast allein geöffnet deines Gottes Zorneskatarakte, meine Seele, hast überflutet wie ein Land alles Fleisch, die Werke und das Leben. Und bliebest der Heilesarche fern.
Ich habe einen Mann getötet, zu Striemen mir, und einen Jüngling, zur Wunde mir, so heißt’s, rief klagend Lamech. Doch du, meine Seele, erzitterst nicht, die du das Fleisch befleckt, den Geist geschändet hast?
Weh, wie hast du Lamech nachgestrebt, dem Mörder: deine Seele tötetest du wie einen Mann, den Geist wie einen Jüngling, wie einen Bruder meinen Leib wie Kain, der Mörder, durch der Wollust Triebe.
Einen Turm ersanntest du zu bauen, Seele, und aufzurichten eine Burg durch deine Lüste. Doch der Bildner verwirrte deine Pläne, zertrümmerte zu Staub dein Gerüste.
Verwundet bin ich und geschlagen. Schau des Feindes Pfeile, die meine Seele, meinen Leib durchbohrten. Schau die Wunden, die Geschwüre, die Verstümmelungen beklagen laut die Schläge meiner selbstgewählten Leidenschaften.
Regnen ließ der Herr vom Herrn einst Feuer, Sodoms üppige Sünde zu verbrennen. Doch du entzündetest der Hölle Glut, in der du, Seele, bitter brennen wirst.
Erkennet, schauet, Gott bin ich, der da erforscht die Herzen, die Gedanken züchtigt, ans Licht die Werke bringt und zu Brand die Sünden schichtet und zu Gunsten des Verwaisten, des Schwachen und des Bettlers Gericht hält.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Du strecktest aus deine Hände, Maria, zum erbarmenden Gott, in den Abgrund der Sünden versenkt. Und wie dem Petrus als Menschenfreund helfend, streckte er aus seine Hand, da er auch deine Umkehr auf alle Weise suchte.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
In ganzer Bereitschaft liefest du liebend zu Christus hin, wandtest dich ab vom früheren Wege der Sünde. Und in unwegsamen Wüsten genährt, hast du in Reinheit auch seine Gottesgebote erfüllt.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Schauen, schauen lasst uns, Seele, die Menschenfreundlichkeit Gottes, des Herrn. Darum lasst uns vor dem Ende unter Tränen niedersinken vor ihm und lasset uns rufen: Auf des Andreas Bitten, o Heiland, erbarme dich unser.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Anfangslose, unerschaffene Dreiheit, unteilbare Einheit, nimm den Reuigen auf, errette den Sünder. Ich bin dein Gebild, verachte mich nicht. Nein, schone meiner und bewahre mich vor der Glut der Verdammnis.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Triadikon: Reine Gebieterin, Gottesgebärerin, du Hoffnung derer, die laufen zu dir, du Hafen der von Stürmen Umbrausten: den Erbarmer, deinen Schöpfer und Sohn, stimme durch deine Bitten gnädig auch mir.
Ode 3
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: An deiner Satzung unerschütterlichem Felsen mach, Christus, deine Kirche stark. (Einmal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Feuer vom Herrn, o Seele, ließ der Herr einst regnen. So hat er einstmals Sodoms Land verbrannt.
Auf dem Berge suche Rettung, Seele, wie einst Lot. Hinauf nach Segor rette dich.
Fliehe, Seele, den Brand. Flieh Sodoms Feuersglut. Flieh das Verderben göttlicher Flammen.
Dir bekenne ich’s, Heiland. Maßlos hab ich gesündigt an dir. Sprich frei mich, verzeih mir, Erbarmer.
Ich allein hab wider dich gesündigt, gesündigt mehr als alle. Christus, Heiland, verachte mich nicht.
Du bist der gute Hirte. Such mich, das Schäflein. Verachte mich nicht, der sich verirrte.
Du bist, Jesus, der süße, du bist mein Bildner. In dir, o Heiland, werde ich gerichtet.
Allheilige Dreiheit, unser Gott, ehre Dir.
Triadikon: O Dreiheit, Einheit, o Gott. Errette uns vor der Lüge, vor Gefahren und Nöten.
Allheilige Gottesgebärerin, rette uns.
Theotokion: Sei gegrüßt, du gottaufnehmender Schoß. Sei gegrüßt, Thron des Herrn. Sei gegrüßt, die unseres Lebens Mutter du bist.
Irmos: Mach fest, o Herr, mein Herz, das schwankende, am Felsen deiner Satzung. Denn du allein bist heilig, du allein der Herr. (Einmal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Den Quell des Lebens besitze ich in dir, dem Todesüberwinder, und aus meinem Herzen ruf ich zu dir vor dem Ende: ich habe gesündigt, vergib mir, Rettung mir sende.
Die zu Noes Zeit zügellos lebten, ahmte ich nach, Heiland, und erlöste ihre Strafe in der Flut des Ertrinkens.
Gesündigt habe ich, Herr, dir gesündigt, o verzeih mir. Denn keiner hat je unter Menschen also gesündigt, dass ich ihn nicht übertreffe durch meine Niederlage.
Nachgeahmt, Seele, hast du jenen Rabensohn Cham und hast nicht, deines Nächsten Schmach zu verhüllen, abgewandten Gesichtes dich weggekehrt.
Sems Segen erlöstest du nicht, Seele, du arme, kein weites Gebiet erhieltest du wie Japhet im Lande der Freiheit.
Verlass das Land Haran der Sünde, o Seele, und komm in das Land, das strömt von des ewigen Lebens Unvergänglichkeit, wie Abraham einst es erlöste.
Von Abraham hast du gehört, meine Seele, der sein Vaterland einst verließ und ein Fremdling ward. Ahm nach seine Wahl?
Im Haine von Mambre hat der Patriarch die Engel bewirtet. Und gegen sein Ende erhielt er den Lohn der Verheißung.
Von Isaak, meine Seele, du arme, hast du gehört, wie er ein neues Opfer, ein mystisches Fruchtopfer dem Herrn brachte. Ahm nach seine Wahl.
Von Ismael hast du gehört - meine Seele, sei nüchtern -, der verjagt ward als der Sklavin Kind. Sieh zu, dass du durch Wollust nicht Ähnliches leidest.
Ähnlich geworden bist du, o Seele, der Ägypterin Hagar von einst, indem du deinen Willen knechten ließest und als jungen Ismael die Selbstgefälligkeit gebarst.
Die Jakobsleiter kennst du, meine Seele, die von der Erde reichte bis in die Himmel. Warum erwarbst du dir nicht die Frömmigkeit als sicheren Grund?
Den Priester Gottes und alleinigen König, das Ebenbild Christi, sein Erdenleben unter Menschen ahm nach.
Werde zur Salzsäule nicht, o Seele, die rückwärts sich wendet. Sodoms Vorbild möge dich schrecken. Hinauf nach Segor musst du dich retten.
Wie Lot entfliehe, meine Seele, dem Brand der Sünde. Entfliehe Sodom und Gomorrha, flüchte vor der Flamme jedes unvernünftigen Verlangens.
Erbarme dich, Herr, erbarm dich meiner, ruf ich hinauf zu dir, wenn du kommen wirst mit deinen Engeln, zu zahlen allen nach ihrer Werke Gebühr.
Verschmäh nicht, Herr, das Flehen jener, die dir Preislieder weihen. Nein, Menschengütiger, habe Erbarmen. Denen, die im Glauben dich bitten, schenke Verzeihen.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Der Wellenschlag, die Wogenberge der Sünden schließen, Mutter, mich ein. Wohlan denn, errette mich jetzt und führe mich in der Reue heiligen Hafen.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Eine flehende Bitte trag, Selige, jetzt durch deine Fürbittgebete zur erbarmenden Gottesgebärerin, und öffne mir den Zugang zu Gott.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Durch deine Bitten gewähre auch mir die Tilgung der Schulden, Andreas, Bischof von Kreta. Denn du bist der Reue bester Erwecker.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: Einfache Einheit, unerschaffene, anfangslose Natur, in der Personen Dreiheit in Hymnen besungen, errette uns, die gläubig ehren deine Macht.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Den Sohn, der vor den Äonen aus dem Vater gezeugt ward, hast du, Gottesgebärerin, in der Zeit ohne Hilfe des Mannes geboren. Ein neues Wunder. Jungfrau bliebst du und nährtest dein Kind.
Kanon

Leben der hl. Maria von Ägypten

L: Segne, ehrwürdiger Vater, die Vita unserer frommen Mutter Maria von Ägypten zu lesen.
P: Auf ihre Gebete hin, Herr, Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser.
L: Amen.

Zweiter Teil

L: Ich, o Vater, bin geboren in Ägypten. Als ich zwölf Jahre alt war und meine Eltern noch lebten, habe ich mich getrennt von ihrer Liebe und bin nach Alexandrien gegangen und wie ich zuerst meine Jungfräulichkeit verlor und anfing zügellosem und unersättlichem Liebesgenuß mich hinzugeben, schäme ich mich nicht nur auszusprechen, sondern zu denken. Deswegen sage ich lieber das Notwendigste, damit du die Zügellosigkeit meines Fleisches erkennst.
Siebzehn Jahre und mehr bin ich eine Volksbuhlerin gewesen, nicht um Geschenke oder Lohn, den ich von den mir Spendenden nicht annehmen wollte. Dieses erdachte ich, damit ich erwerben möchte mehrere umsonst zu mir Kommende und befriedigen möchte meine fleischliche Begierde. Denke nicht von mir, daß ich reich war und nicht nackt: ich lebte in Armut und habe oftmals hungrig groben Flachs gesponnen und unersättliche Brunst gehabt, immer im Schilf der Buhlerei mich zu wälzen. Denn ich dachte, daß das Leben darin bestehe, immer zu machen die Schändlichkeiten der Natur. So lebend sah ich in einer Erntezeit viele Männer aus Lybien und Ägypten, die zum Meere gingen und fragte einen, der zu mir gekommen war, wohin gehen diese Männer so eifrig? Er aber antwortete mir: nach Jerusalem, wegen der Erhöhung des ehrwürdigen und lebendigmachenden Kreuzes, welche in einigen Tagen gefeiert wird. Und ich sprach zu ihm: werden jene auch mich mitnehmen, wenn ich mit ihnen fahren will? Er aber sagte: Wenn du den Fahrpreis und das Essen hast, so wird es dir keiner verbieten. Da sagte ich ihm: Bruder, ich habe weder Fahrgeld noch Essen. Ich gebe ihnen meinen Leib dafür. Deswegen wollte ich mit ihnen gehen, Vater, verzeihe mir, um mehrere Pfleger meiner Leidenschaften zu haben. Ich habe dir, Vater Zosimas, gesagt, zwinge mich nicht meine Schande auszusprechen. Denn Gott weiß, ich habe Angst, daß ich selbst die Luft durch mein Wort verunreinige.
Zosimas, die Erde mit seinen Tränen sättigend, antwortete ihr:
„Sprich, um Gottes willen, o meine Mutter, und höre nicht auf mit dieser mir nützlichen Erzählung.“
Da fügte sie zu dem ersten noch folgendes hinzu:
Nachdem dieser Jüngling meine schamlosen Worte gehört hatte, ging er lächelnd fort. Ich aber, die Spindel fortwerfend, die ich bei mir trug, eilte zum Meer, wo ich die Kommenden gesehen hatte, und bemerkte einige an der See Stehende, etwa zehn oder mehr junge Männer, die meiner Begierde gefielen. Einige waren schon früher in das Schiff gekommen, und ich, meiner Gewohnheit gemäß, hüpfte schamlos zu ihnen hin und sprach: nehmet auch mich mit, wohin ihr geht. Ich werde euch nicht ungefällig sein. Und einige andere unsaubere Worte sprechend bewegte ich alle zum Lachen. Und sie, meine Schamlosigkeit sehend, nahmen mich in ihr Schiff auf und wir fingen von dort aus unsere Fahrt an. Und wie es damals war, wie kann ich dir das bekennen, o Mensch Gottes? Welche Zunge kann sagen oder welches Ohr kann hören meine unterwegs im Schiff geschehenen bösen Taten? Wie ich Unglückselige auch die Widerstrebenden zur Sünde beredete? Es gibt keine Art von Unsittlichkeit, nennbarer und unnennbarer, in der ich damals nicht Meisterin war. Glaube mir, ich bin erstaunt, wie das Meer meine Unzucht zu tragen vermochte. Ich begreife nicht, daß die Erde nicht ihren Rachen öffnete, um mich lebendig in den Hades zu versenken. Mich, die ich so viele Seelen für den Tod gefangen habe: Ich denke aber, daß Gott, meine Bekehrung suchend, nicht wollte, daß der Sünder sterbe, sondern mit großem Verlangen meiner Bekehrung harrte. Auf diese Weise und mit großem Eifer kam ich nach Jerusalem und einige Tage vor dem Feste dort weilend tat ich den ersten gleiche Werke, sogar noch schlimmere, mich mit den Jünglingen, welche mit mir im Schiffe gefahren waren, nicht begnügend, lud ich zu der Sünde auch viele andere Einwohner und Pilger ein. Als aber das Fest der Heiligen Kreuzeserhöhung begann, ging ich, wie früher, umher, um die Seelen der Jünglinge zu fangen. Sehr früh aber sah ich alle gemeinsam in die Kirche gehen; da ging auch ich mit ihnen und kam mit ihnen in die Vorhalle der Kirche, und als der Augenblick der Erhöhung des Kreuzes kam, suchte ich auch mit dem Volke in die Kirche einzudringen, wurde aber immer wieder verdrängt und zurückgestoßen. Unter Gedränge und mit großer Mühe nahte ich, Unglückselige, mich auch der Tür der Kirche; als ich aber die Schwelle der Tür betrat, gingen alle übrigen ohne Widerstand in die Kirche, mir aber wehrte eine göttliche Macht einzutreten; und wieder es versuchend ward ich wieder zurückgestoßen in die Vorhalle, allein zurückgedrängt. Dort aber stehend dachte ich mir, daß das alles wegen meiner weiblichen Schwäche mit mir geschehe. Mich wieder mit den übrigen vereinigend versuchte ich einzutreten, aber immer vergeblich; sobald mein sündiger Fuß die Schwelle berührte, nahm die Kirche, welche anderen nicht wehrte, mich allein nicht auf. Als ob eine Schar von Kriegern sich versammelt hätte, um mir den Eintritt zu wehren, so stieß mich eine unbekannte plötzliche Kraft immer wieder zurück, und wieder befand ich mich in der Vorhalle. Dieses drei- bis viermal erduldend, mich mühend und nichts erreichend, ermüdete ich und konnte mich deshalb nicht mehr den Eintretenden anschließen. Hierbei ward auch mein Körper sehr ermüdet. Mit großer Beschämung und hoffnungslos trat ich zurück und stellte mich in einen Winkel der Vorhalle. Als ich mich ein wenig erholt hatte, fragte ich mich, welche mir anhaftende Schuld mir den Zutritt zu dem lebendigmachenden Kreuze wehrte. Endlich traf die Augen meines Herzens das Licht der erlösenden Wahrheit. Gottes herrliches Gebot, die Augen der Seele erleuchtend, mir zeigend, daß der Sumpf meiner Taten mir den Eintritt in die Kirche wehre. Da begann ich zu weinen und zu schluchzen und michan die Brust zu schlagen, seufzend aus der Tiefe meines Herzens.
So weinend auf der Stelle wo ich stand, bemerkte ich vor mir oben an der Wand ein Bild der heiligen Gottesmutter und sprach zu ihr, meine Augen nicht abwendend und sie im Geiste vor mir sehend: O Jungfrau, Gebieterin, die Du Gott das Wort, im Fleische geboren hast! Ich weiß wahrhaftig, daß es Dir nicht angenehm noch lobwürdig ist, daß ich, unreine und schlechte Buhlerin, Dein heiliges Bild betrachte, Dich, allheilige Immerjungfrau Maria, die Du Körper und Seele rein und unbefleckt hast! So geziemt es sich auch mir, der Buhlerin, verhaßt und verächtlich zu sein Deiner jungfräulichen Reinheit. Aber da ich hörte, daß der Gott, den Du geboren hast, deshalb Mensch geworden ist, um die Sünder zur Buße zu rufen, so hilf mir, der Alleinstehenden, die ich keine Hilfe habe! Befiehl, daß auch mir der Zutritt zur Kirche unverwehrt sei und beraube mich nicht des Anblicks des ehrwürdigen Baumes, an welchem der Körper des von Dir geborenen Gottes geheftet ward, der sein Blut für meine Erlösung gab. Befiehl, o Gebieterin, daß auch für mich die Tür sich öffne zur Anbetung des göttlichen Kreuzes und sei mir sicherste Bürgin bei dem von Dir Geborenen, denn von jetzt an will ich meinen Körper durch keine Art unreiner Unzucht mehr beflecken; sondern, wenn ich das heilige Kreuzesholz Deines Sohnes sehe, entsage ich der Welt und allem, was in der Welt ist, und gehe hinaus, wohin Du als Bürgin meines Heiles mir zeigst. Dies sagend, und als ob ich eine Verheißung empfangen hätte, entflammt im Glauben und befestigt in der Hoffnung auf die Barmherzigkeit der Gottesgebärerin, bewegte ich mich von der Stelle, auf der ich gebetet hatte, und schloß mich wieder an die an, welche in die Kirche hineingingen. Niemand war da, der mich abgewehrt oder mich an der Tür gehindert hätte in die Kirche einzutreten. Aber Furcht ergriff mich und ich zitterte, und nachdem ich die Tür erreicht hatte, welche bisher für mich geschlossen war, trat ich ohne Mühe ein in das Innere der Kirche „Aller Heiligen“ und ward gewürdigt das Holz des Allerehrwürdigsten und Lebendigmachenden Kreuzes zu sehen und sah die Geheimnisse Gottes und wie er bereit ist, den Büßenden anzunehmen.
Niedergestreckt zur Erde betete ich das allerehrwürdigste Kreuz an, küßte es in Furcht und trat hinaus, um mich meiner Bürgin zu nahen. Angekommen an der Stelle, wo das heilige Bild meiner Bürgin war, und vor ihr kniend sprach ich: O Du ewigseligste Jungfrau, Gebieterin, Gottesgebärerin, Du zeigst mir Deine gütige Menschenliebe an, Du verabscheust meine unwürdigen Gebete nicht: denn ich habe gesehen die Herrlichkeit, die in Wirklichkeit mir, der Sünderin, nicht zu sehen gebührte. Ehre sei Gott, der um Deinetwillen die Buße der Sünder annimmt! Was habe ich Sünderin noch mehr zu denken oder zu sagen? Es ist schon Zeit, o Gebieterin, zu erfüllen, was ich für Deine Bürgschaft versprochen. Nun unterweise mich, wohin Du willst. Nun sei mir Lehrerin in dem übrigen, was zu meinem Heile dient, mich unterweisend auf dem Wege der Buße.
Indem ich also sprach, hörte ich aus der Ferne eine Stimme, die zu mir sprach: Wenn du über den Jordan gehst, findest du gute Ruhe. Nachdem ich diese Stimme gehört und mich überzeugt hatte, daß sie mir galt, rief ich unter Tränen, auf das Bild der Gottesgebärerin blickend: Gebieterin, Gebieterin, Gottesgebärerin, verlasse mich nicht! Nach diesem Ausrufe trat ich aus der Vorhalle der Kirche hinaus und ging schnell. Jemand, der mich gehen sah, gab mir drei Zate mit den Worten: Nimm dies an, Mutter, - ich nahm das Geld an und kaufte dafür drei Brote und fragte bei dem Brotverkäufer nach dem Wege zum Jordan. Nachdem ich unter Tränen durch das Stadttor gegangen war, fragte ich Leute, die mir begegneten, nach dem weiteren Wege und wanderte den ganzen Tag über. Es war um die dritte Stunde des Tages, als ich gewürdigt ward, das Kreuz Christi zu sehen, und als die Sonne schon im Westen sich zum Untergang neigte, war ich an der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers, welche am Jordan steht, angelangt. Nachdem ich in diesem heiligen Wasser Arme und Gesicht gewaschen und in der Kirche gebetet hatte, ging ich und empfing die heiligen und lebendigmachenden Geheimnisse Christi. Darauf aß ich die Hälfte von einem der Brote, trank Wasser aus dem Jordan und schlief die Nacht auf dem bloßen Boden. Am anderen Tage früh fand ich einen kleinen Kahn, auf welchem ich nach dem anderen Ufer des Jordans übersetzte, wo ich wieder meine Lehrerin, die Gottesgebärerin, anflehte, mir zu zeigen, wo es ihr gefiele, daß ich bleiben sollte. Ich kam in diese Wüste, und seit dieser Zeit entfernte ich mich eilend und nahm Wohnung, harrend Gottes, der mich rettet aus Kleinmütigkeit und Sturm, mich, die sich zu Ihm wendet.
Zosimas aber sagte zu ihr:
„Wieviele Jahre, o Gebieterin, hast du in dieser Wüste gesiedelt?“
„Siebzehn Jahre zähle ich von der Zeit, da ich von der heiligen Stadt ausging“.
Zosimas sagte:
„Und wo findest du Nahrung, meine Gebieterin?“
Sie sprach: „Ein Drittel des Brotes welches ich mitbrachte beim übergang über den Jordan ist allmählich trocken geworden und versteinert. Dieses habe ich allmählich, davon eine Reihe von Jahren essend, jetzt aufgezehrt.“
Zosimas sagte:
„Wie bist du eine so lange Zeit ohne Betrübnis geblieben, ohne daß eine feindliche Verlockung dich versucht hätte?“
Sie antwortete:
„Du hast mich gefragt, Vater Zosimas, nach Sachen, die ich fürchte zu erzählen. Denn wenn ich mich erinnere an das viele Elend, das ich erduldet habe, und welch böse Gedanken mich irre machen wollten, dann fürchte ich, ich möchte wieder von ihnen erfaßt werden.“
Da sagte Zosimas zu ihr:
„Unterlasse nichts, o meine Gebieterin, mir zu verkündigen; ich habe dich darum gebeten, daß du mir alles ausführlich erzählst.“
Sie aber sprach zu ihm:
„Schenke mir Glauben, Vater Zosimas. Siebzehn Jahre habe ich in dieser Wüste mit meinen Leidenschaften wie mit wilden Tieren gekämpft. Wenn ich anfing zu essen, so wünschte ich immer Fleisch und Fische, wie es in Ägypten gewesen; ich wollte auch Wein trinken, wie ich es liebte. Denn ich hatte viel Wein getrunken solange ich in der Welt lebte. Hier aber hatte ich manchmal nicht Wasser, brannte vor Durst und litt sehr. Ich hatte auch Lust, unzüchtige Lieder zu singen, die mich sehr beunruhigte und drängte, die dämonischen Lieder zu singen, die ich gewöhnt war; sofort weinend und mich an die Brust schlagend erinnerte ich mich der Gelübde, welche ich getan hatte beim Einzug in diese Wüste. Ich war in meinen Gedanken vor dem Bilde der Allerreinsten Gottesgebärerin, meiner Bürgin, und vor ihr weinte ich und bat sie, fern von mir zu verscheuchen die Gedanken, die meine unglückliche Seele versuchten. Als ich aber genug geweint und eifrig an meine Brust geschlagen hatte, da sah ich ein Licht, welches von allen Seiten mich umfaßte und es trat eine Ruhe ein, welche mich von diesen Beängstigungen befreite. Die mich wieder erfassenden lüsternen Gedanken, wie kann ich sie dir bekennen? Denn Feuer loderte auf von allen Seiten und versuchte mich zur Sünde. Wenn aber eine solche Versuchung an mich kam, dann warf ich mich auf die Erde und weinte, dachte an meine mir beistehende Bürgin, die meine Übertretung richtet und drohend auf die dafür bestimmte Qual hinweist. Und ich stand Tag und Nacht nicht von der Erde auf, bis jenes süße Licht mir erstrahlte und die mich beunruhigenden Gedanken verjagte. Meine Augen erhob ich zu meiner Bürgin, unaufhörlich bittend, mir, der in der Wüste leidenden, zu helfen, und ich hatte sie wirklich als Helferin und Mitwirkerin zur Buße. Und diese unzählbaren Leiden habe ich siebzehn Jahre hindurch ertragen. Von dieser Zeit bis jetzt hat meine Helferin, die Gottesgebärerin, mich in allem zu allem geführt.“
Da sagte Zosimas zu ihr:
„Hast du etwas an Nahrung und Bekleidung gebraucht?“
Sie antwortete:
„Nachdem ich im Laufe dieser siebzehn Jahre meine Brote verzehrt hatte, nährte ich mich von den in der Wüste wachsenden Kräutern, die Bekleidung, welche ich beim übergang über den Jordan hatte, war vor Alter zerfallen, und ich duldete große Qual durch Hitze und Kälte, im Sommer glühend und im Winter frierend, oftmals sogar wie entseelt und bewegungslos zur Erde niederstürzend und mit vielen anderen Nöten und maßlosen Versuchungen umdrängt. Von da an bis jetzt aber hat die mannigfaltige Macht Gottes meine sündige Seele und meinen demütigen Leib bewahrt. Wenn ich nur daran denke, aus welchem Elend Gott mich errettet hat, so habe ich erworben unerschöpfliche Nahrung - die Hoffnung meines Heils. Ich nähre mich und bedecke mich mit dem Wort Gottes, der alles erhält; denn nicht allein durch Brot wird der Mensch bekleidet; insofern sie frei wurden von der Decke der Sünde haben sich die, welche keine Decke hatten, mit Steinen bekleidet.“
Nachdem Zosimas gehört, daß sie auch die Worte Moses, der Propheten und die Psalmen erinnerte, sagte er zu ihr:
„Hast du, Gebieterin, auch die Psalemen und andere Bücher gelernt?“
Dies hörend lächelte sie und sagte zu ihm:
„Glaube, o Mensch, ich habe nach meinem Übergang über den Jordan keines anderen Menschen Angesicht außer dem deinen gesehen, nicht einmal ein wildes Tier oder ein sonstiges Vieh. Bücher habe ich nicht gelesen und niemals lesen oder singen hören; das lebendige und wirksame Wort Gottes aber belehrt den Verstand des Menschen. Hier aber ist das Ende meiner Geschichte. Jetzt nun beschwöre ich dich durch die Fleischwerdung des Wortes Gottes, bete für mich Sünderin.“
Nach diesen Worten wollte der Mönch vor ihr niederfallen und sprach mit Tränen:
„Gelobt sei Gott, der Großes und Schreckliches tut, unaussprechlich Wunderbares und Herrliches, dessen keine Zahl ist! Gelobt der Gott, der mir gezeigt hat, was er denen gibt, die ihn fürchten. Wahrlich, du verlässest die Suchenden nicht, o Herr.“
Sie aber, ihn aufhaltend, ließ ihn nicht vollständig sich verbeugen und sagte zu ihm:
„All dies, o Vater, ich beschwöre dich durch Jesus Christus den Gott unsern Heiland, sage es niemand, bis Gott mich von der Erde nehmen wird. Jetzt aber ziehe hin in Frieden und komme wieder, mich zu sehen, nächstes Jahr, in dem Gottes Gnade uns behütet. Tue es um des Herrn willen, was ich dir jetzt sage mit der Bitte: In der Fastenzeit des nächsten Jahres überschreite nicht den Jordan, wie in den Klöstern üblich ist.“
Es wunderte sich aber Zosimas, als er vernahm, daß sie auch den klösterlichen Brauch kannte; er sagte aber nichts, als daß er Gott pries, der so Großes gibt denen, die ihn lieben. Sie fuhr fort:
„Bleibe, wie ich dir gesagt habe, Vater, im Kloster; denn wenn du auch wolltest hinausgehen, es würde dir unmöglich sein. Am Heiligen und Großen Donnerstag, welcher an das geheimnisvolle Abendmahl Christi erinnert, nimm etwas von dem lebendigmachenden Leib und Blut Christi in ein heiliges Gefäß, würdig eines solchen Geheimnisses, bringe es mit und erwarte mich auf jener Seite des Jordans, welche nahe ist dem Dorfe, damit ich komme und die heiligen Gaben empfangen möge. Denn von der Zeit, da ich vor meinem Übergang über den Jordan in der Kirche des Vorläufers das heilige Abendmahl empfangen, habe ich mich inbrünstig danach gesehnt, habe aber bis jetzt dieses Heiligtum nicht bekommen. Jetzt aber bitte ich dich, verachte nicht mein Flehen und bringe mir das lebendigmachende göttliche Sakrament zu der Zeit, da der Herr seine Jünger zu Teilnehmern seines göttlichen Abendmahles gemacht. Dem Johannes, dem Igumenos des Klosters, in dem du wohnst, sage: Habe Acht auf dich und deine Herde, denn dort geschieht etwas, das Besserung fordert. Aber ich will, daß du es ihm nicht jetzt sagst, sondern wenn der Herr es dir befiehlt.“
Dies sagend und Gebete für sich von Zosimas erflehend, begab sie sich in das Innere der Wüste. Zosimas aber, sich bis zur Erde verbeugend, küßte die Stelle, auf der ihre Füße gestanden, Gott lobend, und kehrte zurück, lobend und preisend Christum unseren Gott. Durch die Wüste gehend kam er zum Kloster an dem Tage, als die dort wohnenden Brüder zurückkehrten. Und dieses Jahr schwieg er über alles, was er gesehen, da er niemand etwas sagen durfte, bei sich aber Gott bittend, ihn das ersehnte Angesicht wieder sehen zu lassen. Denn er war traurig und ungeduldig, wenn er an die Länge des Jahres dachte und wünschte, daß dieses Jahr nicht länger als ein Tag sein möchte, wenn es möglich sei.
Als die erste Woche der Großen Fastenzeit kam, gingen nach Sitte und Brauch des Klosters alle anderen Brüder nach vollzogenem Gebet mit Gesang in die Wüste. Zosimas aber war krank und sollte deswegen im Kloster bleiben. Dabei erinnerte er sich an die Ehrwürdige, die gesagt hatte: wenn du auch wolltest aus dem Kloster ausgehen, es würde dir nicht möglich sein. Nach einigen Tagen genas er von seiner Krankheit und blieb im Kloster. Nach Rückkehr der Brüder, als der Tag des geheimnisvollen Abendmahls Christi herangekommen war, tat Zosimas, was ihm auferlegt war: „Lege in einen Kelch von dem allerreinsten Leib und Blut unseres Heilandes.“ Er legte auch in die Tasche etwas von getrockneten Feigen und Datteln und in Wasser gequollenen Hülsenfrüchten, ging spät abends hinaus und setzte sich an das Ufer des Jordans, der Ehrwürdigen harrend. Als die Heilige zögerte, schlief Zosimas nicht ein, sondern blickte eifrig nach der Wüste, von woher die innig Ersehnte kommen mußte. Er sprach auch bei sich, sitzend, ob vielleicht eine Unwürdigkeit seinerseits sie gehindert habe zu kommen, oder ob sie etwa schon gekommen war und, da sie ihn nicht fand, zurückkehrte? Indem er also dachte, seufzte er und weinte und die Augen zum Himmel hebend betete er zu Gott mit den Worten: Verstoße mich nicht, o Gebieter, damit ich wieder sehen möge das Angesicht derjenigen, die zu sehen du mich einmal gewürdigt hast; damit ich nicht leer fortgehe, tragend meine Sünde, mir zum Vorwurf. In dieser Weise unter Tränen betend, kam er auf andere Gedanken: Was geschieht, wenn sie kommt und kein Schiff da ist; wie überschreitet sie den Jordan und kommt zu mir, Unwürdigem? O weh über meine Unwürdigkeit! Weh mir, wer hat verursacht, daß ich eines solchen Gutes entbehre? Indem er so dachte, kam die Ehrwürdige und stand auf der anderen Seite des Flusses. Zosimas stand auf, sich freuend und Gott preisend und noch in Gedanken zweifelnd, ob sie über den Jordan kommen könne. Da sah er, wie sie das Kreuzeszeichen über den Jordan machte (die ganze Nacht war Mondschein) und - sich immer bekreuzend - auf das Wasser trat und über dasselbe zu ihm dahinschritt. Er wollte sich vor ihr verbeugen, sie aber verbot es ihm indem sie, noch über das Wasser gehend, sprach:
„Was tust du, Vater, du bist ja Priester und trägst die göttlichen Geheimnisse!“
Er gehorchte; sie aber trat ans Land und sprach zu ihm: Segne, Vater, segne! Er antwortete ihr zitternd (denn er war sehr erschrocken über die wunderbare Erscheinung):
„Fürwahr, Gott ist untrüglich, indem er verspricht, diejenigen sich ähnlich zu machen, die sich selbst reinigen; Ehre sei dir, o Christus unser Gott, der du mir durch diese deine Dienerin gezeigt hast, wie weit ich von der Vollkommenheit entfernt bin!“
Da er dieses sagte, bat sie ihn, das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn zu sagen und nachdem die Gebete vollendet waren, empfing die Heilige die Mitteilung der heiligen und göttlichen Geheimnisse Christi und küßte, wie üblich, den Mönch. Dann, die Hände erhebend, seufzend und weinend rief sie aus: Nun entlässest du deine Magd nach deinem Worte in Frieden, o Gebieter, denn meine Augen haben dein Heil gesehen! Und sie sprach zu Zosimas:
„Verzeih, Vater Zosimas, und erfülle noch meinen ferneren Wunsch: kehre heute noch in dein gottgeschütztes Kloster zurück. Künftiges Jahr aber komme wieder zu dem Bache, an dem wir uns zuerst sprachen. Komm um Gottes willen und du wirst mich wieder sehen, weil Gott es so will.“
Er aber antwortete ihr:
„Ich wünschte, wenn es möglich wäre, dir zu folgen und immer dein ehrwürdiges Angesicht zu sehen; ich bitte dich aber eines zu erfüllen: Genieße ein wenig von der Nahrung, die ich mitgebracht habe.“
Dies sagend zeigte er ihr, was er in der Tasche mitgebracht hatte. Sie berührte die Hülsenfrüchte mit den Fingerspitzen und nahm drei Körner, welche sie in ihren Mund legte, und sagte:
„So ziemt es sich der geistlichen Gnade, welche das Wesen der Seele unbefleckt bewahrt.“
Und wieder sprach sie zu ihm:
„Bete zu Gott für mich, o mein Vater, bete, meiner Unseligkeit gedenkend!“
Er aber fiel ihr zu Füßen und bat sie, daß sie zu Gott für die Kirche, die Könige und für ihn beten möge. Nachdem er sie um dies unter Tränen gebeten hatte, ließ er seufzend und schluchzend geschehe daß sie ging. Er durfte sie nicht länger zurückhalten; wenn er gewollt hätte, sie hätte sich nicht halten lassen. Und sie bekreuzte sich wieder, desgleichen auch den Jordan, und schritt, wie vorher, über die Wasserfläche dahin. Zosimas aber kehrte zurück, beherrscht von Furcht und Freude, bereuend und sich Vorwürfe machend, daß er nicht nach dem Namen der Ehrwürdigen gefragt hatte. Dennoch hoffte er denselben künftiges Jahr zu erfahren.
Nachdem ein Jahr dahingegangen war, ging Zosimas wieder in die Wüste, erfüllte alles, wie vorgeschrieben und harrte der wunderbaren Erscheinung. Nachdem er die Wüste durchschritten hatte, erblickte er einige Kennzeichen, welche die gesuchte Stelle erkennen ließen und sah sich rechts und links um, und suchte überall mit den Augen, wie ein geschickter Jäger nach der Jagdbeute ausblickt. Nirgend aber etwas, das sich bewegte, sehend, begann er zu weinen, richtete die Augen nach oben, betete zu Gott und sprach: Zeige mir, Gott, deinen wunderbaren unentwendbaren Schatz, den du in dieser Wüste verborgen hast. Zeige mir, ich flehe zu dir, den Engel im Fleische, dem man die ganze Welt nicht vergleichen kann. So betend kam er zu der Stelle, wo der Bach war und stellte sich an das Ufer und sah gegen Osten die Ehrwürdige tot daliegen, die Hände, wie sich gebührt, zusammengelegt, mit nach Morgen gerichtetem Gesicht. Er nahte sich ihr und benetzte die seligen Füße mit seinen Tränen, nicht wagend einen anderen Teil ihres Körpers zu berühren. Viel weinend und die bei dieser Gelegenheit üblichen Psalmen hersagend, vollzog er die Begräbnisgebete, sagte aber bei sich: Soll ich den Körper der Ehrwürdigen begraben? Es möchte der Seligen vielleicht nicht wohlgefällig sein. So denkend sah er neben ihrem Haupte folgendes auf die Erde geschrieben: Begrabe, Vater Zosimas, an dieser Stelle den Leib der demütigen Maria, gib zurück die Erde der Erde, bete aber zu Gott, für mich, die dahingeschieden im ägyptischen Monat Pharmuti, nach römischer Rechnung am 1. April, in der Nacht des heilbringenden Leidens Christi, nach dem Empfang des göttlichen geheimnisvollen Abendmahles.
Nachdem Zosimas diese Handschrift gelesen hatte, fragte er bei sich, wer hat dies geschrieben? Denn sie hat selbst gesagt, daß sie nicht schreiben könne. Aber er freute sich sehr, daß er den Namen erfahren hatte. Er erkannte aber auch, daß, als er ihr die heiligen göttlichen Sakramente am Jordan erteilte, dies in derselben Stund geschah, wo sie starb. Und den Weg, den er in zwanzig Tagen mit Mühe zurücklegte, den hatte Maria in einer einzigen Stunde durchwandert und war gleich zu Gott dahingeschieden. Gott preisend und die Erde und den Körper der Ehrwürdigen mit Tränen benetzend sprach er bei sich: Es ist Zeit, das dir befohlene zu vollziehen. Aber wie magst du, Unseliger, ein Grab zu graben, da du nichts in deinen Händen hast?! Als er dies sagte, sah er nicht weit davon ein kleines Stück Holz in der Wüste liegen, welches er nahm und mit dem er zu graben begann. Die Erde aber war ausgetrocknet und wollte nicht nachgeben dem sich Mühenden, welcher grub, mit Schweiß bedeckt, aber keinen Erfolg hatte. Seufzend aus innerster Seele bemerkte er einen großen Löwen, der vor dem Körper der ehrwürdigen Maria stand und ihre Füße beleckte; er war von Angst erfüllt, besonders, als er sich erinnerte, daß die Selige gesagt, sie habe niemals Tiere gesehen: sich bekreuzend glaubte er, er werde unversehrt bleiben durch die Kraft der Liegenden. Der Löwe begann aber sich sachte dem Greise zu nähern und schmeichelte mit sanften Bewegungen, als ob er küssen wollte. Da sagte Zosimas zu dem Löwen: O du Tier, diese Große hat mir befohlen, ihren Leib zu begraben, aber ich bin alt und kann das Grab nicht ausgraben und habe kein passendes Werkzeug dazu. Und ich bin in solcher Entfernung vom Kloster, daß ich nicht schnell zurückkommen und es herholen kann. Grabe daher du mit deinen Tatzen das Grab aus, damit ich der Erde den Leib der Ehrwüdigen übergebe.
Sofort grub der Löwe, diese Worte vernehmend, mit den vorderen Tatzen eine Öffnung, die genügte, um die zu Bestattende zu bergen. Wieder wusch der Greis die Füße der Ehrwürdigen mit seinen Tränen und sie viel bittend, für alle zu beten, bedeckte er mit Erde ihren Leib, der nackt und nur oben mit dem von Zosimas geschenkten zerrissenen Kleide bedeckt war. Beide gingen fort. Der Löwe in das Innere der Wüste, still wie ein Schaf, Zosimas aber kehrte zu den Seinen zurück, segnend und lobend Christum unsern Gott.
Nachdem er zum Kloster gekommen, erzählte er allen Mönchen von der ehrwürdigen Maria, nichts verhehlend von dem, was er gesehen und von ihr gehört, so daß alle Hörenden die großen Taten Gottes hoch priesen und mit Furcht, Glaube und Liebe ihr Gedächtnis begingen und den Tag des Hinscheidens der Ehrwürdigen Maria verherrlichten. Der Igumenos Johannes aber fand einiges, was nach dem Worte der Ehrwürdigen zu verbessern war, und besserte dies mit Hilfe Gottes.
Zosimas erreichte ein gottwohlgefälliges Leben, nahe an 100 Jahre, und er endete dieses zeitliche Leben in dem Kloster und schied hinüber in das Ewige zum Herrn.
Und die Mönche dieses Klosters hinterließen dies ungeschrieben, sondern mündlich zu allgemeinem Nutzen allen Hörenden. Jetzt habe ich, spricht der heilige Sophronios, das ungeschrieben Empfangene der Schrift übergeben. Ob einige andere das Leben der Ehrwürdigen geschrieben, mehr in dasselbe eingeweiht, das ist nicht zu meiner Kenntnis gelangt. Ich aber habe, wie ich nach Maßgabe meiner Kräfte konnte, geschrieben, nichts weiter verfolgend, als die Wahrheit der Erzählung. Gott, der hochherrliche Wunder tut und mit großen Gaben belohnt die, welche gläubig zu ihm kommen, möge geben den Lohn, Nutzen zu gewinnen aus dieser Geschichte, denen, die sie lesen und hören und sich bemühen, diese Erzählung niederzuschreiben und möge dieselben würdigen des guten Teils dieser seligen Maria mit allen, die in Gottesfurcht und guten Werken ihm wohlgefallen haben von Ewigkeit.
Mögen auch wir Ruhm geben Gott, dem ewigen König, damit er auch uns würdige, Gnade zu finden am Tage des Gerichtes vor Jesu unserm Herrn, dem da gebühret alle Herrlichkeit und Macht und Anbetung, samt dem Vater und dem allheiligen lebendigmachenden Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeiten, Amen.
Ode 5
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: Menschenfreund, ich bitte, erleuchte ihn, der aus der Nacht frühmorgens zu dir erwacht, und führe auch mich auf deiner Satzung Wegen und lehre mich, Heiland, deinen Willen tun. (Zweimal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
In Nacht hab ich mein Leben stets verbracht. Denn zum Dunkel wurde mir, zur tiefen Nacht, die Nacht der Sünde. Wohlan, Heiland, mach mich zu einem Sohn des Tages.
Dem Ruben hab ich nachgestrebt, ich Unglückseliger, und Frevelhaftes, Unerlaubtes habe ich vollbracht wider den höchsten Gott. Mein Lager habe ich befleckt wie jener das des Vaters.
Dir bekenn ich’s, Christus, o König: Gesündigt, gesündigt habe ich; wie Josephs Brüder einst, so hab auch ich die Frucht der Reinheit und der Züchtigkeit verkauft.
Von den eigenen Brüdern ward preisgegeben die gerechte Seele. In Knechtschaft ward verkauft der Liebliche zum Vorbilde des Herrn. Du selber, Seele, wurdest gänzlich durch deine Sünden preisgegeben.
Ahm nach, o arme Seele, du verwerfliche, Josephs gerechten, züchtigen Sinn. Gib dich nicht in Zügellosigkeit widersinnigen Trieben hin, stets das Gesetz verletzend.
Hat Joseph einst, Gebieter, Herr, auch in der Zisterne gewohnt, so geschah es doch, um auf dein Grab und deine Auferstehung hinzuweisen. Doch was von dieser Art will ich einst dir bieten?
Von des Moses Binsenkorb, Seele, hast du gehört, der auf des Flusses Wellen trieb gleich einem Schiffe und so dem bitteren Schauspiel der Pharaonenlist entging.
Du hast vielleicht gehört von jenen Ammen, die einst den kleinen Knaben töten wollten. Arme Seele, wie der große Moses der Mäßigkeit mannhaftes Tun, so pflege du jetzt die Weisheit.
Wie der große Moses hast du der Ägypter Sinn geschlagen, Arme, nicht getötet, Seele. Wie wirst du - sprich - als Reuige der Leidenschaften Wüstenei bewohnen können?
Die Wüsten hat bewohnt der große Moses. Wohlan denn, ahm sein Leben nach, damit auch du, o Seele, im Dornbusch schauest die Erscheinung Gottes.
Gestalte nach des Moses Stab, o Seele, der das Meer einst schlug, zum Festland schuf die Tiefe durch des heiligen Kreuzes Bild. Im Kreuze wirst auch du imstand sein, Großes zu vollbringen.
Aaron brachte Gott ein Opfer, ohne Fehl und ohne Trug. Ophne jedoch und Phinees brachten so wie du, Seele, ihm ein Leben dar, gottentfremdet, voll von Schmutz.
Harten Sinns wie Pharao in seinem Zorne bin ich, Herr, geworden. Jannes und Jambres gleich an Leib und Seele hart. Und in der Tiefe liegt mein Geist. Wohlan, sei du mir Helfer.
Dem Staube hat - o weh mir Armen - sich mein Geist vermählet. Wasch mich rein, Herr, in meiner Tränen Bad, ich bitte dich. Mein Kleid von Fleisch mache weiß wie Schnee.
Wenn ich nach meinen Werken forsche, Heiland, sehe ich, dass ich jeden Menschen in den Sünden übertraf, weil ich in Herzenskenntnis sündigte, nicht ohne Wissen.
Schone, schone, Herr, deines Gebildes. Ich habe gesündigt, verzeih mir. Du allein bist rein von Natur, und außer dir ist keiner von Schmutze rein.
Um meinetwillen, wo du doch Gott bist, nahmst du meine Gestalt. Wunder hast du gewirkt, Aussätzige machtest du rein, Lahme hast du geheilt, hemmtest beim blutflüssigen Weibe, o Heiland, den Fluss durch Berührung des Saums.
Ahm nach, arme Seele, das blutflüssige Weib. Lauf hin zu Christus. Ergreif seinen Saum, damit du befreit wirst vom Leide und hörest von ihm: Dein Glaube hat dich gerettet.
Seele, ahm nach die zu Boden Gekrümmte. Komm her, fall nieder zu Jesu Füßen, dass er dich wieder aufrichte. Und schreiten wirst du recht die Pfade des Herrn.
Und wenn du, Herr, ein tiefer Bronnen bist, so lass aus deinen reinen Adern Ströme fließen, damit ich nicht mehr wie die Samariterin dürste, wenn ich trinke. Denn reichlich bietest du dar die Bäche des Lebens.
Zum Siloasee sollen meine Tränen mir werden, Herrscher und Herr, damit auch ich des Herzens Augen benetze und geistig dich schaue, das ewige Licht.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
In unvergleichlicher Liebe, dich sehnend, Allselige, des Kreuzes Holz zu verehren, wardst du der Liebe gewürdigt: Halte denn auch mich würdig, die himmlische Ehre zu erlangen.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Als du den Jordanfluss durchschritten, hast du Ruhe gefunden, entronnen des Fleisches leidvoller Lust. Von ihr befreie auch uns, Selige, durch dein Flehen zu Gott.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Als der Hirten Erster, weiser Andreas, wardst du erwählt. Dich bitte ich in großer Liebe und Scheu, dass ich durch deine Fürbitte das Heil und das ewige Leben erlangen möge.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: Dich, Dreiheit, preisen wir, den einen Gott. Heilig, heilig, heilig bist du, Vater, Sohn und Geist, einfache Wesenheit, als Einheit stets verehrt.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Mit meinem Staubgewand, das er nahm aus dir, Unversehrte, Reine, o Mutter und Jungfrau, hat Gott sich bekleidet, der erschuf die Äonen und mit sich vereinte der Menschen Natur.
Ode 6
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: Mit meinem ganzen Herzen schrie ich zu Gott, dem Erbarmer. Und aus der tiefsten Tiefe hat er mich gehört, aus der Verderbnis mein Leben mir erhöht. (Zweimal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Meines Angesichtes Tränen, Heiland, und die Seufzer aus der Tiefe biete ich in reiner Absicht dar. Es ruft das Herz: Gott, dir hab ich gesündigt, hab mit mir Erbarmen.
Entlaufen bist du, Seele, deinem Herrn wie Dathan und Abiron. Doch schreie »Schonung« aus dem tiefsten Grund, damit dich der Erde Schlund nicht verschlinge.
Wie eine Färse, die wild ist, wardst du Ephraim ähnlich, Seele. Der Gazelle gleich befrei dein Leben aus den Schlingen, versehen mit Schwingen in Tat und Sinn und Schau.
Des Moses Hand wird uns lehren, Seele, wie Gott des Lebens Aussatz weiß und rein zu machen weiß. Gib dich nicht auf, auch wenn dich Aussatz traf.
Meiner Sünden Wogen, Heiland, haben wie im Roten Meer sich wieder zu mir umgewandt und jählings mich bedeckt wie die Ägypter einst und ihre Großen.
Eine unvernünftige Wahl hast du getroffen, Seele, wie einst Israel. Denn töricht hast du der Leidenschaften Lustbegier dem Gottesmanna vorgezogen.
Seele, die Zisternen kananäischer Gesinnung hast du lieber gewollt als die Felsenader, aus welcher dir der Weisheit Tiefe Ströme der Gotteslehre spendet.
Dem Schweinefleisch, den Töpfen und der Speise der Ägypter gabst du den Vorzug vor der Himmelsspeise, meine Seele, wie in der Wüste einst das unvernünftige Volk.
Als dein Diener Moses mit dem Stab an den Felsen schlug, hat er im Bilde vorgezeichnet deine Seite, Heiland, die da Leben spendet, aus der wir alle den Trank des Lebens schöpfen.
Erforsche, Seele, erkunde wie Jesus Nave, das Gelobte Land, wie es beschaffen ist, und leb darin in Redlichkeit.
Wie Jesus tritt Amalek entgegen, des Fleisches Leidenschaften, führe Krieg mit ihnen, auch mit den Gabaoniten, den Truggedanken, und besieg sie immer.
Durchfahre die zerrinnende Natur der Zeit wie einst die Arche. Und jenes Land der Verheißung nimm in Besitz, o Seele, wie Gott es befiehlt.
Wie du den Jonas errettet hast, da er rief, so rette mich gnädig, Heiland. Befrei mich von dem Tiere, streck mir entgegen deine Hand und führ mich heraus aus der Sünde Grund.
Der Ruhe Hafen erkenne ich in dir, Herrscher, Herrscher, Christus. Wohlan denn, errette gnädig mich aus der Sünde, aus der Verzweiflung tiefen Gründen.
Ich bin die königliche Drachme, Heiland, die du einst verlorst. Doch, göttliches Wort, dein Licht entzünde und suche sie und finde dein Bild.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Um der Leiden Glut zu versengen, Maria, ließest du stets der Tränen Bäche aus brennender Seele strömen. Ihre Gnade gewähre auch mir, deinem Knecht.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Des Himmels Gelassenheit hast du, o Mutter, dir durch dein erhabenstes Leben auf Erden erworben. Darum flehe, dass die, welche dich in Hymnen besingen, auf deine Bitten von den Leidenschaften erlöst werden.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Dich habe ich als Kretas Hirten und Bischof, als der Welt Fürbitter erkannt. Zu dir, Andreas, laufe ich, rufe zu dir: Befreie mich, Vater, aus dem Abgrund der Sünde.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: Eine einfache Dreiheit bin ich, ungeteilt, in den Personen geschieden. Und eine Einheit bin ich, im Wesen geeint: der Vater, so heißt es, der Sohn und der göttliche Geist.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Dein Schoß hat Gott uns geboren in unserer Gestalt. Wohlan, den Schöpfer aller fleh an, Gottesmutter, dass wir durch deine Bitten Rechtfertigung finden.
Ode 7
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: Wir haben gesündigt, gesetzlos gehandelt, Unrecht verübt vor deinem Angesicht. Wir haben nicht beachtet, nicht erfüllt deine Gebote. Wohlan, verwirf uns nicht am Ende, Gott der Väter. (Zweimal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Ich habe gesündigt, gefrevelt und dein Gebot verworfen. Denn zu Sünden ließ ich mich verführen, fügte zu den Striemen mir noch Wunden. Doch du selber erbarme dich meiner in deinem Erbarmen, Gott der Väter.
Meines Herzens Heimlichkeiten hab ich dir, meinem Richter, bekannt. Schau meinen Kleinmut, schau auch meine Bedrängnis, wende dich jetzt zu meinem Gericht. Du selber erbarme dich meiner in deinem Erbarmen, Gott der Väter.
Als Saul einst seines Vaters Eselinnen verloren hatte, o Seele, fand er obendrein noch das Reich, um es an sich zu reißen. Wohlan, sieh zu, dass du Christi Reich nicht verlierst, indem du dich für dein triebhaftes Streben entscheidest.
Hat David auch einst, jener heilige Mann, meine Seele, zweifach gefrevelt, von des Ehebruchs Pfeile durchbohrt und getroffen vom Speer der Mordsühne, so leidest du selber an Schlimmerem als an den Werken, an freigewollten Trieben.
David verband zwar einst mit der Sünde die Sünde. Denn mit dem Mord hat er den Ehebruch vereint, zweifache Reue sogleich auch empfunden. Du aber, Seele, hast Schlimmeres getan, da du dich nicht zu Gott bekehrst.
David hat einst, in einem Bilde gleichsam es zusammenfassend, als Denkmal aufgerichtet die Hymne, in der er die Handlung verschmäht, die er getan, rufend: Erbarme dich meiner. Denn dir allein hab ich gesündigt, dem Gotte aller. Du selbst mach mich rein.
Da einst die Bundeslade auf dem Wagen gefahren wurde, hat jener Oza, als er sie beim Ausschlagen der Rinder nur berührte, Gottes Zorn erfahren. Wohlan, flieh seine Keckheit, Seele. Hab Scheu vor Göttlichem, wie’s sich geziemt.
Von Absalom hast du gehört, wie er sich empörte wider die Natur. Denn du kennst seine fluchbeladenen Werke, durch die er sich verging am Ehelager Davids, seines Vaters. Doch du hast nachgeahmt die Triebe seiner Leidenschaft und Lustbegier.
Deine freie Würde hast du deinem Körper unterworfen. Denn einen anderen Achitophel hast du als Feind gefunden, Seele, gingst einig mit seinen Plänen. Doch die hat Christus selbst zertrümmert, damit du um jeden Preis gerettet würdest.
Salomon, der Vielbewunderte, der auch erfüllt war von der Weisheit Gnade, er selbst tat Schlimmes einst vor Gottes Angesicht, fiel ab von ihm. Ihm wardst du ähnlich, Seele, durch dein fluchbeladenes Leben.
Verlockt von den Lüsten seiner Leidenschaften ward er beschmutzt. O weh. Der Weisheit Freund, als Hurenfreund ist er erschienen, als ein Fremdling Gottes. Ihn hast du, Seele, nachgeahmt in deinem Sinne durch der Wollust Schande.
Dem Roboam hast du nachgestrebt, der des Vaters Rat verschmähte. Zugleich auch jenem bösen Knecht Jeroboam, der einst sich widersetzte, Seele. Wohlan, vermeid es, ihnen nachzustreben, ruf zu Gott: Ich hab gesündigt, hab mit mir Erbarmen.
Den Achab hast du nachgeahmt in seinen Gräueltaten, meine Seele. Weh mir, zur Herberg fleischlicher Befleckungen bist du geworden und zu der Leidenschaften schändlichem Gefäße. Wohlan, aus deiner Tiefe seufze, sag Gott deine Sünden.
Verbrannt hat einst Elias hundert Mannen der Jezabel, als die Überbringer der Schande er vernichtete zum Gericht über Achab. Wohlan denn, fliehe es, o Seele, nachzuahmen die zwei und sei stark.
Verschlossen wurde dir der Himmel, Seele, und der Hunger nach Gott hat dich erfasst, als du wie Achab einst Elias’, des Thesbiters, Worten nicht gehorchtest. Wohlan, der Witwe aus Sarepta werde gleich. Ernähr die Seele des Propheten.
Aufgehäuft hast du freiwillig des Manasse Schulden, die Leidenschaften wie Gräuel aufgerichtet, Seele, vermehrt hast du den Zorn. Wohlan denn, heiß ahme nach seine Reue, erwirb dir Zerknirschung.?
Vor dir sinke ich hin. Dir bring ich dar wie Tränen meine Worte. Ich habe gesündigt, wie nicht die Buhlerin, und gesetzlos gehandelt wie kein anderer, der auf Erden gewandelt. Doch du, o Herr, erbarme dich deines Gebildes, und ruf mich wieder heim.
Verschüttet habe ich dein Bild und dein Gebot verletzt. Verdunkelt ward alle Schönheit, und durch die Lüste, Heiland, ward ausgelöscht die Lampe. Doch erbarmend gib mir, wie David singt, die Wonne wieder.
Kehr um, bereue, enthülle, was verborgen. Und sag es Gott, der alles weiß. Du weißt um meine Heimlichkeiten. Du kannst allein mich retten. Du selber erbarme dich meiner, wie David singt, nach deinem Erbarmen.
Hingeflohen sind meine Tage wie ein Traum dessen, der da erwacht. Darum erhebe ich Klage wie Ezechias auf meinem Lager, dass man mir mehre des Lebens Tage. Doch welcher Isaias wird dir beistehen, Seele, wenn nicht der Gott aller?
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Zur reinen Gottesmutter hast einst du gerufen und abgewehrt hast du der lästig drückenden Leidenschaft Wut und beschämt den Feind, den Betrüger. Wohlan, verleihe auch mir nun Hilfe in der Drangsal, deinem Knecht.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Den du geliebt, den du ersehntest, um dessentwillen dein Leib hinsiechte, o Selige, flehe zu Christus jetzt für die Knechte, dass er uns allen gnädig sei, ein Leben im Frieden denen verleihe, die ihn verehren.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Befestige mich auf dem Felsen des Glaubens durch deine Fürbitten, Vater, beschirme mich mit heiliger Furcht; und Reue schenke mir jetzt, so bitte ich dich, Andreas, und befreie mich aus der Schlinge der mich verfolgenden Feinde.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: Als einfache Einheit, ungeteilt und gleicher Wesenheit, als Heilige Dreiheit, als Lichter und Licht, als Heilige Drei und Heiliges Eine, wird Gott, die Dreiheit, gepriesen in Hymnen. Wohlan denn, besinge in Hymnen, preise das Leben, die Fülle des Lebens, o Seele, ihn, der da ist aller Gott.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Dich besingen wir in Hymnen, dich rühmen, dich verehren wir, Gottes Mutter, die du aus der unzertrennlichen Dreiheit den Einen geboren, der dein Sohn ist, der Gott ist. Du hast uns Erdenbewohnern die Himmel erschlossen.
Ode 8
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: Den die Heere der Himmel rühmend erheben, vor dem die Cherubim und die Seraphim beben, jeglicher Geist, jegliche Schöpfung, preist, rühmt und erhebet ihn in alle Äonen. (Zweimal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Erbarme dich, Heiland, des Sünders. Weck auf meinen Sinn, lenk ihn zur Umkehr. Nimm den Reuigen auf. Hab Mitleid mit dem, der da ruft: Dir hab ich gesündigt, errette mich. Gesetzlos hab ich gehandelt, hab Mitleid mit mir.
Als Wagenlenker bestieg Elias den Wagen der Tugenden, wurde einst über die Erdendinge empor zu den Himmeln getragen. Seinen Aufstieg, meine Seele, erwäge.
Des Jordans Flut stand einst, als sie geschlagen wurde mit dem Schaffell des Elias, still nach allen Seiten ob des Elisäus. Du wurdest, meine Seele, nicht teilhaft dieser Gnade ob deiner Unenthaltsamkeit.
Als Elisäus einst das Schaffell des Elias nahm, empfing er eine doppelte Gnade vom Herrn. Du selbst, meine Seele, wardst der Gnade nicht teilhaft deiner Unenthaltsamkeit wegen.
Die Sunamitin hat einst den Gerechten beherbergt, o Seele, in edler Gesinnung. Du nahmst keinen Fremdling, keinen Wanderer auf in dein Haus. Darum wirst du unter Wehgeschrei hinausgestoßen aus dem Brautgemach.
Giezis schmutzige Gesinnung hast du, arme Seele, immer nachgeahmt. Von seinem Geize lass, wenn auch im Alter erst. Hasse der Hölle Glut. Lass ab von deinen Sünden.
Dem Ozias, Seele, hast du nachgestrebt und seinen Aussatz in dir verursacht auf doppelte Art: Ungeziemendes denkst du, und Gesetzwidriges tust du. Lass fahren, was du verstehst, und wende dich eiligst zur Umkehr.
Von den Niniviten, o Seele, hast du gehört, dass sie sich in Sack und Asche zu Gott bekehrt haben. Ihnen hast du nicht nachgestrebt. Nein, schlimmer erschienst du als alle, die vor und nach dem Gesetze gefallen.
Von Jeremias, o Seele, hast du gehört, der in der Grube des Schmutzes die Sion-stadt mit Klagen beweint und nach Tränen verlangt hat. Ahm nach sein Leben der Klage, und so wirst du gerettet.
Da er die Umkehr der Niniviten voraussah, begab Jonas sich eilig nach Tharsis. Denn als Prophet erkannte er Gottes Erbarmen. Darum war er eifersüchtig bedacht, dass die Weissagung nicht unerfüllt bliebe.
Von Daniel in der Grube, o Seele, hast du gehört, wie er die Radien der Tiere verschloss. Hast erkannt, wie die Jünglinge um Azarias durch ihren Glauben des Ofens glühende Lohe gedämpft haben.
Aus dem alten Bunde führte ich, Seele, alle dir vor als Beispiel. Die gottgefälligen Taten der Gerechten ahm nach, entfliehe hingegen den Sünden der Schlechten.
Gerechter Richter, Heiland, erbarme dich. Bewahre mich vor der Glut und der Strafe, die ich alsdann mit Recht verdienen werde im Gericht. Verzeihe mir vor dem Ende ob meiner Tugend und Reue.
Wie der Räuber rufe ich: Gedenke. Wie Petrus weine ich bitterlich. Verzeih mir, o Heiland. Wie der Zöllner, so rufe ich, vergieße Tränen wie die Buhlerin. Nimm auf meine Klage wie einst die der Kananäerin.
Meiner armen Seele Fäulnis, Heiland, heile sie, du einziger Arzt. Lindernden Balsam leg mir darauf, gieß Öl hinein und Wein, Werke der Reue, Zerknirschung, mit Tränen vereint.
Die Kananäerin nachahmend, rufe auch ich zu Davids Sohn: Hab Mitleid mit mir. Wie das blutflüssige Weib berühr ich den Saum und weine, wie Martha und Maria über Lazarus weinten.
Das Alabastergefäß voll Tränen, Heiland, wie duftende Narde ganz gieß ich es aus und rufe zu dir gleich der Buhlerin, um Barmherzigkeit bittend. Dir trage ich vor mein Gebet und bitte dich, mir zu vergeben.
Wenn auch niemand wie ich vor dir gesündigt, so nimm gleichwohl auch mich auf, erbarmender Heiland, der zaghaft zurück sich wendet zu dir und aufschreit in sehnender Klage. Ich habe gesündigt dir allein, gesetzlos gehandelt, erbarme dich meiner.
Schone, Heiland, des eignen Gebilds, und such wie ein Hirt das verlorene Schaf, das sich verirrte. Entreiß es dem Wolfe. Zum Lämmlein, das mit deiner Milch du nährst, mach mich auf deiner Schafe Weide.
Wenn du dich niederlässt als Richter, Erbarmer, und deine furchterregende Herrlichkeit zeigst, Christus, wehe, welche Furcht wird dann sein, wenn aufflammt das Feuer, wenn alle erbeben vor deinem unerträglichen Richterstuhl.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Des nie untersinkenden Lichtes Mutter hat dich erleuchtet, von der Nacht der Leidenschaften dich frei gemacht. Wohlan, Maria, du hast in dich aufgenommen die Gnade des Geistes, erleuchte, die gläubig dich preisen.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
In der Schau des neuen Wunders, Mutter, erschauerte in dir der heilige Zosimas. Denn er sah einen Engel im Fleische und ward von Verwunderung ganz erfüllt, Christus preisend in die Äonen.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Du darfst offen reden zum Herrn, Andreas, Kretas heiliger Ruhm. So fleh ich zu dir: Bitte, dass ich jetzt gelöst werde von der Ungesetzlichkeit Banden durch deine Gebote, o Meister, der Seligen Ruhm.
Allheilige Dreiheit, unser Gott, Ehre Dir.
Triadikon: Anfangsloser Vater, gleichanfangsloser Sohn, guter Tröster, gerechter Geist, des Gottesworts Zeuger, des anfangslosen Vaters Wort, belebender, aufbauender Geist, Dreieinheit, erbarme dich meiner.
Allheilige Gottesgebärerin rette uns.
Theotokion: Wie aus Fäden, in Meerpurpur getaucht, o Reine, ward das geistige Purpurgewand, des Emanuel Fleisch, drinnen in deinem Schoße gewebt. Darum verehren wir dich in Wahrheit als Gottesmutter.
Erstes Triodion, Ton 8.
Irmos: Ihn, den anfangslosen König der Herrlichkeit, vor dem die Mächte der Himmel erbeben, Priester, besingt ihn in Hymnen, Volk, erhebe ihn in alle Äonen.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Als Kohlen des geistigen Feuers meine sinnlichen Leidenschaften verbrennet und entzündet, Apostel, mir jetzt die Wonne der göttlichen Liebe.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Des Wortes klangvolle Posaunen lasst uns verehren, durch die niedersanken die wankenden Mauern des Feindes, sie, die da stützten die Zinnen der Gotteserkenntnis.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Meiner Seele leidenschaftliche Bilder, zertretet sie, die ihr des Feindes Tempel und Säulen zertratet, Apostel des Herrn, geheiligte Tempel.
Allheilige Gottesgebärerin rette uns.
Theotokion: Du hast begrenzt den, der nach seiner Natur unbegrenzt ist, hast den auf Händen gehalten, der das All in der Hand hält, Reine, hast genährt den, der ernähret die Schöpfung, Christus, den Spender des Lebens.
Zweites Triodion, Ton 8.
Irmos: Ihn, den anfangslosen König der Herrlichkeit, vor dem die Mächte der Himmel erbeben, Priester, besingt ihn in Hymnen, Volk, erhebe ihn in alle Äonen.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
In der Kunst des Geistes habt ihr, Christi Apostel, die ganze Kirche erbaut. In ihr preiset Christus in die Äonen.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Die Posaune der Lehren ließen die Apostel erdröhnen. So haben sie allen Götzenirrwahn bezwungen, Christus erhebend in alle Äonen.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Apostel, herrlich habt ihr eure Wohnung getauscht, ihr Hüter der Welt, ihr Bürger der Himmel. Errettet aus Gefahren, die stets euch besingen.
Wir segnen den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Triadikon: Höchste Gottheit, hellstrahlende, dreifache Sonne, Wesen gleicher Glorie, auf gleichem Throne, Vater, Allwerker, Sohn und göttlicher Geist, dich besinge ich in Hymnen in die Äonen.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Als kostbaren, erhabensten Thron lasst unaufhörlich uns Gottes Mutter in Hymnen besingen, ihr Völker, sie, die nach dem Gebären allein Mutter und Jungfrau ist.
Ehre Dir, unser Gott, ehre Dir.
Wir loben, segnen und beten an den Herrn; wir besingen ihn in Hymnen und hocherheben ihn in Ewigkeit.
Ode 9
Großer Bußkanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Irmos: Unerforschbar ist die Geburt nach jungfräulicher Empfängnis, jungfräulich die Mutterschaft der Frau, die keinen Mann gekannt. Denn Gottes Geburt macht neu die Geschöpfe. Darum preisen wir, alle Geschlechter, in rechtem Glauben dich als unseres Gottes jungfräuliche Mutter. (Zweimal)
Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.
Verwundet ist der Verstand, der Leib verweichlicht, krank der Geist. Kraftlos war das Wort, getötet ist das Leben. Vor den Toren steht das Ende. Darum, arme Seele, was wirst du tun, wenn der Richter kommt, um deinen Werken nachzuspüren?
Dargestellt hab ich dir, Seele, des Moses Schrift über das Werden der Welt und von ihm jede Stelle, die dir von Gerechten kündet und von Ungerechten. Unter ihnen, Seele, hast du nachgestrebt den Letzten, nicht den Ersten, indem du wider Gott gesündigt hast.
Das Gesetz erwies sich kraftlos. Ohne Wirkung bleibt das Evangelium. Die ganze Schrift ist in dir unbeachtet geblieben. Schwach erwiesen sich die Propheten und jedes Wort aus des Gerechten Munde. Deine Wunden, Seele, mehrten sich. Kein Arzt war da, der dich gesunden ließ.
Des Neuen Bundes Bilder führe ich dir vor, o Seele, dich zur Reue zu bewegen. So ahme also die Gerechten nach, wende ab dich von den Schlechten. Und Christus suche dir zu versöhnen durch Flehen und Fasten, durch Reinheit und durch Ehrbarkeit.
Als Mensch kam Christus, rief zur Umkehr Räuber, Huren. Kehr um, o Seele. Schon steht offen das Tor zum Reich. Es reißen’s an sich Pharisäer, Zöllner und Buhlen, die ihr Leben ändern.
Christus ward ein Kind. Im Fleisch ward er mit dir vereint. Und alles, was zur Fleischnatur gehört, freiwillig hat er es erfüllt, die Sünde ausgenommen, seiner Herablassung, o Seele, Beispiel und Bild dir zeigend.
Die Magier hat Christus gerettet, zusammengerufen die Hirten, der Säuglinge Scharen zum Martyrium bestimmt. Den Greis und die bejahrte Frau hat er verherrlicht. Seele, du ahmtest nicht nach ihren Glauben, ihr Leben. Doch wehe dir im Gericht.
Vierzig Tage hat der Herr in der Wüste gefastet. Dann hat ihn gehungert. So hat er sich gezeigt als Mensch. Seele, verlier nicht den Mut, wenn der Feind dich bestürmt. Durch Beten und Fasten wirf weit ihn zurück.
Christus wurde versucht. Satan hat ihn versucht, indem er auf die Steine wies, dass sie zu Brot würden. Auf einen Berg hinauf hat er ihn gestellt, im Fluge alle Königreiche der Welt zu schauen. Fürchte, o Seele, das Schauspiel, sei nüchtern, bete jede Stunde zu Gott.
Die Taube, welche die Einsamkeit liebt, des Rufenden Stimme erklang, Christi Licht: Umkehr verkündend. Gesetzwidrig handelte Herodes mitsamt Herodias. Sieh zu, meine Seele, dass du dich nicht verstrickst in die Schlingen der Sünder, nein, sinne auf die Umkehr.
Der Gnade Herold bewohnte die Wüste. Und ganz Judäa und Samaria hörten auf ihn und liefen herbei und bekannten ihre Sünden und bekehrten sich willig zur Taufe. Sie hast du nicht nachgeahmt, Seele.
Ehrbar sei die Vermählung und ohne Befleckung das Lager. Denn beides hat Christus geheiligt: er führte ein Leben im Fleisch und hat auf der Hochzeit zu Kana in Wein verwandelt das Wasser und das erste Wunder gewirkt, damit du dich ändertest, Seele.
Den Gelähmten hat Christus geheilt, so dass er das Lager davontrug, und die jugendlichen Toten weckte er auf, den Sohn der Witwe und des Jairus Tochter. Und der Samariterin sich offenbarend, hat er dir, o Seele, die Verehrung im Geist vorgezeichnet.
Das am Blutflusse leidende Weib hat der Herr durch Berührung des Saumes geheilt. Aussätzige machte er rein, Blinden brachte er Licht, aufgerichtet hat er die Lahmen, Taube und Stumme und die zu Boden Gekrümmten hat er geheilt durch sein Wort, damit du gerettet würdest, Seele, du arme.
Indem er die Krankheiten heilte, trug Christus, das Wort, die Frohbotschaft fort zu den Armen. Lahme hat er geheilt, mit Zöllnern das Mahl geteilt und mit Sündern verkehrt. Die Seele der Jairus Tochter, die schon entrückt, rief er zurück durch Berührung der Hand.
Gerettet wurde der Zöllner, und die Buhlerin hat sich für immer zur Tugend gewandt, und der stolze Pharisäer wurde verdammt. Vergib mir, sagte der eine, erbarme dich meiner, die andere. Doch dieser rief prahlend: o Gott, ich danke dir, und sagte noch weitere Worte der Torheit.
Zachäus war Zöllner, und dennoch ward er gerettet, und der Pharisäer Simon wurde zuschanden, und die Buhlerin empfing das erlösende Wort der Verzeihung von dem, der zur Sündenvergebung die Macht besitzet. Sie nachzuahmen, Seele, sei bedacht.
Die Buhlerin, meine Seele, du arme, hast du nicht nachgeahmt, die da nahm das Alabastergefäß mit duftender Narde und mit Tränen salbte die Füße des Herrn. Weggewischt hat sie mit den Haaren den Schuldbrief der alten Vergehen, während die Tränen ihr rannen.
Bekannt sind dir, meine Seele, die Städte, denen Christus die Frohbotschaft schenkte, wie sie verflucht wurden. Fürchte das Vorbild, damit du nicht werdest wie jene. Denn denen zu Sodom hat sie der Herr gleichgestellt und sie schließlich zur Hölle verdammt.
Meine Seele, durch Zagen zeige dich nicht kleiner als das kananäische Weib im Hören des Glaubens. Um ihretwillen wurde ihrem Töchterlein durch Gottes Wort Heilung zuteil. Sohn Davids, rette auch mich, so rufe wie jene aus der Tiefe des Herzens zu Christus hinauf.
Erbarme dich meiner, rette mich. Sohn Davids, hab Mitleid mit mir. Die Besessenen hast du geheilt durch dein Wort. Sprich auch zu mir wie zum Räuber das erbarmende Wort: Wahrlich, sage ich dir, du wirst mit mir im Paradiese sein, wenn ich in meine Herrlichkeit komme.
Ein Räuber klagte dich an. Ein Räuber hat als Gott dich bekannt. Denn beide hingen mit dir am Kreuz. Wohlan, du, reich im Erbarmen, wie deinem gläubigen Räuber, der als Gott dich erkannte, so öffne auch mir das Tor zu deinem herrlichen Reiche.
Es versank die Schöpfung in Leid, da sie am Kreuze dich sah. Die Berge, die Felsen barsten vor Schrecken. Es begann auch die Erde zu beben, der Hades wurde beraubt. Es verfinsterte gar das Licht sich am Tage, da es, o Jesus, deinen Leib angenagelt sah.
Nicht fordere von mir würdige Früchte der Buße. Denn nachgelassen hat in mir die Kraft. Schenk mir ein Herz, ein immer zerknirschtes, schenke mir Armut des Geistes, damit ich dieses dir bringe als wohlgefälliges Opfer, einziger Heiland.
Mein Richter du, mein Bürge. Wiederkommen wirst du mit den Engeln, über alle Welt Gericht zu halten. Schau mich dann an mit deinem erbarmenden Blick und schone dann meiner und hab Mitleid, Jesus, mit mir, der mehr als jedes Menschenwesen gesündigt hat.
Kanon zur Hl. Maria von Ägypten, Ton 6.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Alle Heere der Engel, der Sterblichen Scharen hast du durch dein neues Leben in Staunen versetzt, unkörperlich lebend, die Natur überwindend. Dafür bist du wie eine Körperlose, Maria, über den Jordan geschritten.
Fromme Mutter Maria, bitte zu Gott für uns.
Den Bildner stimme gnädig denen, die dich preisen, o selige Mutter, dass sie befreit werden aus Mühsal und Trübsal, die rings sie bedrängen, damit wir, aus den Gefahren befreit, ohne Ende erheben den Herrn, der dich verherrlicht hat.
Kanon des Hl. Andreas von Kreta, Ton 6.
Frommer Vater Andreas, bitte zu Gott für uns.
Andreas, verehrungswürdiger, dreimal glückseliger Vater, Kretas Hirte, unaufhörlich bitte für die, welche dich in Hymnen besingen, dass wir bewahrt bleiben vor allem Zorne, vor Bedrängnis, Verderben, und der Sünden Vergebung erlangen, die wir stets dein Gedächtnis ehrend begehen.
Allheilige Dreiheit, unser Gott, Ehre Dir.
Triadikon: Dreiheit gleichen Wesens, dreipersönliche Einheit, wir singen dir Hymnen und preisen den Vater, erheben den Sohn und verehren den Geist, den Gott, der in Wahrheit einer Natur ist, das Leben und die Fülle des Lebens, die nimmer endende Herrschaft.
Allheilige Gottesgebärerin rette uns.
Theotokion: Deine Stadt bewache, Gebärerin Gottes, Allreine. Denn in dir ist gläubig sie Königin, in dir ist sie stark. Und durch dich siegend, wendet sie ab jegliche Prüfung, vernichtet sie die Feinde und lenkt die Untertanen.
Erstes Triodion, Ton 8.
Irmos: Mit Recht bekennen wir, die durch deine Vermittlung erlöset wurden, dich als Gottesgebärerin, Jungfrau, du Reine. Wir preisen dich mit den Chören der Engel.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Als der Heilesflut Quellen wurdet ihr erwiesen. Meiner Seele, die zerschmilzt im Durste der Sünde, Apostel, gebet zu trinken.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Mich, der da schwimmt in der Verzweiflung Meer und schon von Wassern bedeckt ist, rette mich, Herr, mit deiner Rechten, wie einst den Petrus.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Ihr seid das Salz heimführender Lehren. So trocknet aus die Fäulnis meines Geistes und der Unwissenheit Dunkel verscheuchet.
Allheilige Gottesgebärerin rette uns.
Theotokion: Du hast geboren die Freude. Schenke mir Trauer, o Herrin, dass ich durch sie die göttliche Tröstung an jenem kommenden Tage finden kann.
Zweites Triodion, Ton 8.
Irmos: Dich, die Mittlerin zwischen Himmel und Erde, preisen wir, alle Geschlechter. Denn leiblich hat gewöhnet, Jungfrau, in dir die Fülle der Gottheit.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Dich, der Apostel ruhmreiche Schar, preisen wir in Liedern. Denn ihr wurdet erwiesen als der Welt strahlende Leuchten, die den Trug verscheuchen.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
In eurer Frohbotschaft Netze habt ihr geistige Fische gefangen. Ihr bringet sie stets Christus zur Speise, Apostel, Glückselige ihr.
Heilige Apostel, bittet zu Gott für uns.
Apostel, wir bitten, gedenket unser bei eurem Flehen zu Gott, dass wir bewahrt bleiben vor aller Versuchung, wir, die euch liebend besingen in Hymnen.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: Dich, die dreipersönliche Einheit, Vater und Sohn samt dem Geist, besinge ich in Hymnen als einen Gott von gleicher Wesenheit, die Dreiheit gleicher Macht und ohne Beginn.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Dich, die Mutter und Jungfrau, preisen wir, alle Geschlechter, glückselig. Denn durch dich wurden wir vom Fluche befreit: zur Freude hast du uns geboren den Herrn.

- Zur Liturgie -



ENDE, UND GOTT DIE EHRE.


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Die aufgeführten Texte wurden von: Erpriester Peter Plank, Pater Kilian Kirchhoff, Erzpriester Sergius Taurit und evt. anderen, hier nicht aufgeführten Übersetzern ins Deutsche übertragen.
*Texte des Evangeliums nach: Byzantinischer Text Deutsch. Copyright: Schweizerische Bibelgesellschaft. Veröffentlicht mit der ausdrücklichen Genehmigung der Schweizerischen Bibelgesellschaft.
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