Orthodoxe Gottesdienste
Gottesdienst am Dienstag, dem 05. April 2022
(23. März 2022 nach dem alten Stil)
Bild des Tagesheiligen

5. Woche der Großen Fastenzeit. Ton 8.
Länge:

ORTHROS

P: Gesegnet unser Gott, allezeit, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     L: Amen.
     L: Ehre Dir, unser Gott, Ehre Dir.
Himmlischer König, Tröster, Du Geist der Wahrheit, überall Gegenwärtiger und alles Erfüllender, Hort der Güter und Spender des Lebens, komm und nimm Wohnung in uns, reinige uns von jedem Makel und errette, Guter, unsere Seelen.

Trishagion bis Vater unser:

L: Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Allheilige Dreiheit, erbarme Dich unser. Herr, sei gnädig ob unserer Sünden. Gebieter, verzeih uns unsere Gesetzlosigkeiten. Heiliger, suche unsere Schwächen heim und heile sie um Deines Namens willen.
Herr, erbarme Dich, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Vater unser, der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name. Dein Königtum komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser notwendiges Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
P: Denn Dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
L: Herr, erbarme Dich, zwölfmal. Ehre, jetzt.
Kommt, lasst uns anbeten Gott, unseren König.
Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor Christus, Gott, unserem König.
Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor Christus selbst, unserem König und Gott.
In den Klöstern werden diese Psalmen langsam gelesen, damit der Priester alle Brüder beweihräuchern kann.
Psalm 19: Erhören möge dich der Herr am Tag der Bedrängnis, beschirmen möge dich der Name des Gottes Jakobs. Er sende dir Hilfe vom Heiligtum, und vom Sion her steh Er dir bei. Er gedenke all deiner Opfer, und dein Brandopfer mache Er fett. Der Herr gebe dir nach deinem Herzen, und all deine Pläne erfülle Er. Wir wollen frohlocken ob deiner Errettung, und uns rühmen im Namen des Herrn, unseres Gottes. Der Herr erfülle all deine Bitten; nun habe ich erkannt, dass der Herr errettet hat Seinen Gesalbten. Er wird ihn erhören von Seinem heiligen Himmel, in machtvollen Taten ist die Errettung Seiner Rechten. Diese rühmen sich der Wagen und jene der Rosse, wir aber wollen uns rühmen im Namen des Herrn, unseres Gottes. Sie wurden an den Füßen gebunden und kamen zu Fall, wir aber standen auf und wurden emporgerichtet. Herr, errette den König, und erhöre uns am Tage, da wir Dich anrufen werden.
Psalm 20: Herr, in Deiner Macht wird der König frohgemut sein und frohlocken ob Deiner Errettung gar sehr. Seines Herzens Begehr hast Du ihm gegeben und um den Wunsch seiner Lippen ihn nicht beraubt. Denn Du kamest ihm zuvor mit Segnungen der Güte, hast auf sein Haupt gesetzt eine Krone von Edelstein. Leben erflehte er von Dir, und Du gabest ihm Länge der Tage auf immer und ewig. Groß ist seine Herrlichkeit in Deinem Heil. Herrlichkeit und Erhabenheit wirst Du auf ihn legen. Denn Du wirst ihm Segen geben auf immer und ewig, wirst ihn in Freude frohgemut machen mit Deinem Angesicht. Denn der König hofft auf den Herrn, und in des Höchsten Erbarmen wird er keineswegs wanken. Deine Hand werde gefunden von all Deinen Feinden; Deine Rechte finde alle, welche Dich hassen. Denn Du wirst sie wie einen Feuerofen machen zur Zeit, da erscheint Dein Angesicht; der Herr wird sie aufwühlen in Seinem Zorn, und Feuer wird sie fressen. Du wirst ihre Frucht von der Erde tilgen und ihren Samen aus den Menschenkindern. Denn sie wälzten Übles auf Dich, überlegten Pläne, mit denen sie keineswegs bestehen können. Denn Du wirst sie zum Rücken machen; in Deinen Übriggebliebenen wirst Du ihr Angesicht bereiten. Sei erhöht, o Herr, in Deiner Macht; besingen wollen wir in Liedern und Psalmen Deine machtvollen Taten.
Ehre, jetzt.
L: Trishagion bis Vater unser. Priester: Denn Dein ist… Wir: Amen.

Tropare

L: Errette, Herr, Dein Volk und segne Dein Erbe, Siege schenke Deinen Frommen über ihre Widersacher und behüte durch Dein Kreuz die Dir eigene Gemeinde.
Ehre: Der Du freiwillig auf das Kreuz Dich erhoben, Christus Gott, schenke Dein Erbarmen Deiner neuen nach Dir genannten Gemeinde. Stärke alle, die für sie Verantwortung tragen mit Deiner Kraft. Gewähre Sieg über das Böse, Frieden in Deiner Gemeinschaft durch die Waffe des Kreuzes, des unüberwindlichen Siegeszeichens.
Jetzt: Hehre, nicht beschämende Schirmherrin, übersieh nicht unser Flehen, gütige allbesungene Gottesgebärerin. Festige unsere Gemeinden. Stärke die, so Verantwortung tragen im Staat und gewähre uns allen den Sieg von oben. Denn Gott hast du geboren, einzig Gesegnete.

Kleine inständige Ektenie

Diese Ektenie wird immer vom Priester gelesen.
P: Erbarme Dich unser, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen, wir bitten Dich, erhöre uns und erbarme Dich.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Dreimal, zu jeder Fürbitte.
P: Wir beten auch für unseren großen Herrn und Vater, den heiligsten Patriarchen Kyrill, und unseren Herrn, den höchstgeweihten Metropoliten (oder Erzbischof, oder hochgeweihten Bischof) N., und für all unsere Brüder in Christus.
P: Wir beten auch für unser gottgeschütztes Land und für alle, die es regieren und beschützen, auf dass wir ein stilles und ruhiges Leben führen können in aller Frömmigkeit und Lauterkeit.
P: Wir beten auch für alle Brüder und alle Christen.
Ausruf: Denn ein erbarmungsreicher und menschenliebender Gott bist Du, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Volk: Amen. Im Namen des Herrn Vater segne.
P: Ehre der heiligen und einwesentlichen und lebendigmachenden und untrennbaren Dreiheit, allezeit, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.

Hexapsalm

Im Zentrum der Kirche wird der Hexapsalm gelesen. Wir hören mit Schweigen und Ergriffenheit zu. Das Licht und die Kerzen werden ausgemacht.
L: Herrlichkeit Gott in den Höhen und auf Erden Friede und den Menschen Sein Wohlgefallen. Dreimal.
Herr, meine Lippen wollest du öffnen, und mein Mund wird verkünden dein Lob. Zweimal.
Psalm 3:
L: Herr, was sind so zahlreich geworden, die mich bedrängen? Viele stehen auf wider mich. Viele sagen meiner Seele: „Nicht ist Errettung für ihn in seinem Gott.“ Du aber, Herr, bist mein Beistand, meine Herrlichkeit und Der, welcher mein Haupt erhebt. Mit meiner Stimme schrie ich zum Herrn, und Er hat mich erhört von Seinem heiligen Berge. Ich aber legte mich schlafen und schlummerte; ich bin wieder erwacht; denn der Herr wird mir beistehen. Nicht will ich mich fürchten vor unzähligem Volk, das mich rings umzingelt. Stehe auf, Herr, errette mich, mein Gott; denn Du hast alle geschlagen, die mich grundlos befeinden; die Zähne der Sünder hast Du zerschmettert. Des Herrn ist die Errettung, und auf Deinem Volk Dein Segen.
Ich aber legte mich schlafen und schlummerte; ich bin wieder erwacht; denn der Herr wird mir beistehen.
Psalm 37: Herr, strafe mich nicht in Deinem Grimm, und züchtige mich nicht in Deinem Zorn. Denn Deine Pfeile stecken in mir, und schwer hast Du Deine Hand auf mich gelegt. Nicht gibt es Heilung an meinem Fleisch angesichts Deines Zorns, nicht gibt es Frieden in meinem Gebein angesichts meiner Sünden. Denn meine Gesetzlosigkeiten haben mein Haupt überragt, wie eine schwere Last lagen sie schwer auf mir. Es stanken und faulten meine Striemen angesichts meiner Torheit. Ich ward elend und bis zum Äußersten gebeugt, den ganzen Tag lang ging ich finster blickend einher. Denn meine Lenden waren angefüllt mit Spott, und nicht gibt es Heilung an meinem Fleisch. Ich wurde übel zugerichtet und gedemütigt bis zum Übermaß, ich stöhnte vor Seufzen meines Herzens. O Herr, gewärtig ist Dir all mein Verlangen, und mein Seufzen ist vor Dir nicht verborgen. Mein Herz war aufgewühlt, verlassen hat mich meine Kraft, und das Licht meiner Augen: auch das ist nicht bei mir. Meine Freunde und meine Nachbarn haben sich mir feindlich genaht und aufgestellt, selbst meine Nächsten standen von ferne. Gewalt haben geübt, die da trachten nach meiner Seele, und die nach dem Üblen für mich trachten, haben Nichtiges geredet und sannen auf Trug den ganzen Tag. Ich aber hörte wie ein Tauber nicht, und war wie ein Stummer, der seinen Mund nicht öffnet. Und ich ward wie ein Mensch, der nicht hört und der in seinem Mund keine Tadel hat. Denn auf Dich, Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. Du wirst mich erhören, Herr, mein Gott. Denn ich sprach: Niemals sollen sich meine Feinde über mich freuen; doch als meine Füße wankten, prahlten sie wider mich. Denn ich bin für die Geißeln bereit, und mein Schmerz ist mir stets vor Augen. Denn meine Gesetzlosigkeit will ich kundtun und nachsinnen über meine Sünde. Meine Feinde aber leben und sind stärker geworden als ich, und zahlreich geworden sind, die mich zu Unrecht hassen. Die mir Übles für Gutes vergelten, verleumdeten mich, weil ich Gutsein erstrebte. Verlass mich nicht, Herr, mein Gott; entferne Dich nicht von mir. Merke auf zu meiner Hilfe, Du Herr meiner Errettung.
Verlass mich nicht, Herr, mein Gott; entferne Dich nicht von mir. Merke auf zu meiner Hilfe, Du Herr meiner Errettung.
Psalm 62: O Gott, mein Gott, zu Dir erhebe ich mich frühmorgens; meine Seele dürstete nach Dir, wie oft vor Dir mein Fleisch in einem wüsten und unbegehbaren und wasserlosen Land. So bin ich im Heiligtum erschienen vor Dir, zu schauen Deine Macht und Deine Herrlichkeit. Denn besser ist Dein Erbarmen als viele Leben; meine Lippen sollen Dich lobpreisen. So will ich Dich segnen in meinem Leben, und in Deinem Namen meine Hände erheben. Wie von Mark und Fett sei erfüllt meine Seele, und mit Lippen des Frohlockens soll lobpreisen mein Mund. Wenn ich Deiner gedachte auf meinem Lager, in den frühen Morgenstunden sann ich auf Dich. Denn Du bist mein Helfer geworden, und im Schutz Deiner Flügel werde ich frohlocken. Meine Seele hing Dir an, und Deine Rechte stand mir bei. Sie aber haben vergeblich getrachtet nach meiner Seele; in das Unterste der Erde werden sie eingehen, überliefert werden in die Hände des Schwertes, Anteil der Füchse sein. Der König aber wird frohgemut sein in Gott; gepriesen wird ein jeder werden, der bei ihm schwört; denn gestopft ward der Mund derer, die Unrechtes reden.
In den frühen Morgenstunden sann ich auf Dich. Denn Du bist mein Helfer geworden, und im Schutz Deiner Flügel werde ich frohlocken. Meine Seele hing Dir an, und Deine Rechte stand mir bei.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigekit. Amen.
Alleluïa, alleluïa, alleluïa. Ehre Dir, o Gott. Dreimal, ohne Verbeugungen.
Herr, erbarme Dich, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigekit. Amen.
Der Priester betet vor den Königlichen Türen.
Psalm 87: O Herr, Du Gott meiner Errettung, geschrien habe ich des Tags und in der Nacht vor Dir. Vor Dein Angesicht komme mein Gebet; neige Dein Ohr zu meiner Bitte. Denn angefüllt mit Übeln ward meine Seele, und mein Leben hat sich dem Hades genaht. Gezählt wurde ich zu denen, die hinabsteigen in die Grube, bin geworden wie ein hilfloser Mensch, frei unter den Toten, wie Verwundete, die im Grabe ruhen, derer Du nicht mehr gedachtest und die von Deiner Hand verstoßen wurden. Sie legten mich in die unterste Grube, an einen finsteren Ort und in Todesschatten. Schwer legte sich auf mich Dein Grimm, und all Deine Aufwallungen hast Du herbeigeführt wider mich. Entfernt hast Du meine Bekannten von mir, sie machten mich zu einem Greuel für sich. Preisgegeben ward ich und kam nicht heraus. Meine Augen sind schwach geworden von der Armut. Geschrien habe ich zu Dir, Herr, den ganzen Tag, ausgebreitet zu Dir meine Hände. Wirst Du etwa an den Toten Wunderwerke tun? Oder werden Ärzte sie auferstehen lassen, dass sie Dich bekennen? Wird etwa einer im Grab Dein Erbarmen erzählen und Deine Wahrheit im Untergang? Werden wohl in der Finsternis erkannt werden Deine Wundertaten und Deine Gerechtigkeit in einem vergessenen Land? Und so habe ich zu Dir geschrien, Herr, und noch vor der Frühe gelange mein Gebet zu Dir. Wozu, o Herr, verstößt Du meine Seele, wendest Du Dein Angesicht von mir ab? Arm bin ich und in Mühsalen von meiner Jugend an; wenn auch erhöht ‒ ward ich gedemütigt und verzweifelte. Über mich kamen Deine Zornesfluten, Deine Schrecken haben mich aufgewühlt; umringt haben sie mich wie Wasser, zugleich mich umschlossen den ganzen Tag. Entfernt von mir hast Du Freund und Nachbarn und meine Bekannten wegen des Elends.
O Herr, Du Gott meiner Errettung, geschrien habe ich des Tags und in der Nacht vor Dir. Vor Dein Angesicht komme mein Gebet; neige Dein Ohr zu meiner Bitte.
Psalm 102: Segne, meine Seele, den Herrn, und alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen. Segne, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht all Seine Vergeltungen. Ihn, Der all deine Gesetzlosigkeiten sühnt und all deine Gebrechen heilt, Der dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönt in Erbarmen und Mitleid, Der mit Gutem dein Verlangen stillt; deine Jugend wird sich erneuern gleich der des Adlers. Es übt ja Erbarmung der Herr und Gericht für alle, die Unrecht erleiden. Kundgetan hat Er dem Moses Seine Wege, den Söhnen Israels Seinen Willen. Mitleidvoll und erbarmungsreich ist der Herr, langmütig und vielerbarmend: nicht bis ans Ende wird Er zürnen und nicht auf ewig grollen. Nicht nach unseren Gesetzlosigkeiten hat Er uns getan, und nicht nach unseren Sünden uns vergolten. Denn wie des Himmels Höhe über die Erde ragt, so hat der Herr Sein Erbarmen stark gemacht über denen, die Ihn fürchten. So fern der Aufgang vom Untergang ist, so weit hat Er unsere Gesetzlosigkeiten von uns entfernt. Wie ein Vater Mitleid hat mit den Söhnen, so hatte der Herr Mitleid mit denen, die Ihn fürchten. Denn Er weiß ja, welch ein Gebilde wir sind, Er gedachte dessen, dass wir Staub sind. Der Mensch, wie Gras sind seine Tage, wie eine Blume des Feldes, so wird er verblühen. Denn geht ein Hauch durch ihn hindurch, so wird er nicht mehr sein und seinen Platz nicht mehr wiedererkennen. Das Erbarmen des Herrn aber ist von Ewigkeit her und bis in Ewigkeit über denen, die Ihn fürchten. Und Seine Gerechtigkeit ist über den Kindeskindern, bei denen, die Seinen Bund bewahren und Seiner Gebote gedenken, um sie zu tun. Der Herr hat Seinen Thron im Himmel bereitet, und Sein Königtum gebietet über das All. Segnet den Herrn, all Seine Engel, Mächtige in Kraft, die ihr Sein Wort tut, sobald ihr hört den Ruf Seiner Worte. Segnet den Herrn, all Seine Mächte, seine Diener, die ihr Seinen Willen tut. Segnet den Herrn, all Seine Werke; an jedem Orte Seiner Herrschaft: segne, meine Seele, den Herrn.
An jedem Orte Seiner Herrschaft: segne, meine Seele, den Herrn.
Psalm 142: Herr, erhöre mein Gebet, nimm zu Ohren meine Bitte in Deiner Wahrheit, erhöre mich in Deiner Gerechtigkeit. Und gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knecht; denn kein Lebender wird vor Dir als gerecht erfunden werden. Denn verfolgt hat der Feind meine Seele, mein Leben bis zur Erde erniedrigt, an finstere Orte mich versetzt, gleich lange Toten. Und es verzagte über mich mein Geist, in mir ward aufgewühlt mein Herz. Ich gedachte der alten Tage, sann nach über all Deine Werke, über die Schöpfungen Deiner Hände sann ich nach. Ausgebreitet zu Dir habe ich meine Hände; meine Seele ist wie wasserloses Land vor Dir. Eilends erhöre mich, Herr, mein Geist begann zu schwinden. Wende nicht Dein Angesicht von mir ab, oder ich werde denen gleich, die hinabsteigen in die Grube. Vernehmbar mache mir am Morgen Dein Erbarmen; denn auf Dich habe ich gehofft. Lass mich erkennen, Herr, den Weg, auf dem ich gehen soll; denn zu Dir habe ich erhoben meine Seele. Entreiße mich meinen Feinden, Herr, zu Dir habe ich mich geflüchtet. Lehre mich, Deinen Willen zu tun; denn Du bist mein Gott. Dein guter Geist wolle mich führen auf ebenem Land. Um Deines Namens willen, Herr, wollest Du mich beleben, in Deiner Gerechtigkeit aus der Bedrängnis führen meine Seele; in Deinem Erbarmen wollest Du ausrotten meine Feinde, zugrunde richten alle, die meine Seele bedrängen; denn ich bin Dein Knecht.
In Deiner Gerechtigkeit erhöre mich. Gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knecht. Zweimal.
Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigekit. Amen.
Alleluïa, alleluïa, alleluïa. Ehre Dir, o Gott. Dreimal.

Große Ektenie

D: In Frieden lasst uns beten zum Herrn.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Zu jeder Fürbitte.
D: Um den Frieden von oben und die Errettung unserer Seelen lasst uns beten zum Herrn.
D: Um den Frieden der ganzen Welt, den Wohlbestand der heiligen Kirchen Gottes und die Einheit aller lasst uns beten zum Herrn.
D: Für dieses heilige Haus und alle, die mit Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht hier eintreten, lasst uns beten zum Herrn.
D: Für unseren großen Herrn und Vater, den heiligsten Patriarchen Kyrill, und unseren Herrn, den höchstgeweihten Metropoliten (oder Erzbischof, oder hochgeweihten Bischof) N., für die ehrwürdige Priesterschaft, den Diakonat in Christus, den gesamten Klerus und alles Volk, lasst uns beten zum Herrn.
D: Für unser gottgeschütztes Land und für alle, die es regieren und beschützen, lasst uns beten zum Herrn.
D: Für diese Stadt (oder dieses Dorf, oder dieses heilige Kloster), für jede Stadt, alles Land und die Gläubigen, die darin leben, lasst uns beten zum Herrn.
D: Um günstige Witterung, reichen Ertrag der Früchte der Erde und friedliche Zeiten, lasst uns beten zum Herrn.
D: Für die Reisenden, die Kranken, Notleidenden und Gefangenen und um ihre Errettung lasst uns beten zum Herrn.
D: Dass wir erlöst werden von aller Bedrängnis, Zorn und Not, lasst uns beten zum Herrn.
D: Stehe bei, errette, erbarme Dich und behüte uns, o Gott, durch Deine Gnade.
D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und herrlichen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immer-Jungfrau Maria mit allen Heiligen eingedenk, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn Dir gebührt alle Verherrlichung, Ehre und Anbetung, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit
     Ch: Amen.

Alleluïa, Ton 8

In der großen Fastenzeit oder wenn das Alleluïa gesungen wird, singt man Anstelle von Gott ist der Herr das Alleluïa.
D: Alleluïa, alleluïa, alleluïa.
     Ch: Alleluïa, alleluïa, alleluïa. Zu jedem Vers.
Vers: Inmitten der Nacht erwacht mein Geist zu Dir, o Gott, denn Licht sind Deine Gebote auf Erden.
Vers: Übet Gerechtigkeit, ihr Bewohner der Erde.
Vers: Sehen werden sie den Eifer um das Volk und zuschanden werden.
Vers: Du hast die Nation vermehrt, Herr, Du hast die Nation vermehrt, Du hast Dich verherrlicht.

Dreiheits-Hymnen

Und die Dreiheits-Hymnen (Triadika) entsprechend dem Ton der Woche.
Ton 3.
Wie die Cherubim, die nicht wagen Dich anzuschauen, da sie Dich umschweben und den Siegeshymnus singen, den geisterfüllten Gesang des Dreimalheilig, so rufen auch wir, Sünder, mit ihnen Dir zu: Heilig, heilig, heilig bist Du, unser Gott.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste.
Die Herzen im Himmel, lasset uns nachahmen die Scharen der Engel und sie abbilden! In Furcht lasset uns niederfallen vor dem Unverweslichen und unaufhörlich den Lobpreis des Sieges singen: Heilig, heilig, heilig bist Du, unser Gott; auf die Bitten aller Deiner Heiligen erbarme Dich unser!
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Niedergedrückt von der Vielzahl unserer Verfehlungen, wagen wir nicht, Deine Erhabenheit anzuschauen; doch beugen wir die Seele vor Dir gleich dem Leibe und stimmen ein in den Hymnus der Engel: Heilig, heilig, heilig bist Du, unser Gott; auf die Fürbitten der Gottesgebärerin erbarme Dich unser!
Es wird das zwölfte Kathisma aus dem Psalter gelesen. ( Psalmen 85 bis 90, nach westlicher Nummerierung 86 bis 91. )

Kleine Ektenie

D: Wieder und wieder in Frieden lasst uns beten zum Herrn.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Zu jeder Fürbitte.
D: Stehe bei, errette, erbarme Dich und behüte uns, o Gott, durch Deine Gnade.
D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und herrlichen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immer-Jungfrau Maria mit allen Heiligen eingedenk, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn Dein ist die Herrschaft, und Dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
Ton 3. Sedalen des Oktoichos.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Im selben Ton.

Leben der hl. Maria von Ägypten

L: Segne, ehrwürdiger Vater, die Vita unserer frommen Mutter Maria von Ägypten zu lesen.
P: Auf ihre Gebete hin, Herr, Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser.
L: Amen.
Liest der Priester die Vita selbst, so spricht er: „Vita unserer frommen Mutter Maria von Ägypten - auf ihre Gebete hin, Herr, Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser.“

Erster Teil

L: Es war ein Greis in einem der Klöster Palästinas, geschmückt durch tugendhaften Lebenswandel und die Weisheit seiner Worte, von frühester Kindheit an in den frommen Werken des Klosterlebens sehr geübt. Des Greises Name war Zosimas (nicht zu verwechseln mit dem Häretiker Zosimas, von dem später gesprochen werden wird und welcher von üblem Rufe und fern von der Kirche war, während jener orthodox und gerecht war), der sämtliche Stufen des enthaltsamen Lebens erstiegen hatte und alle von den vollkommenen Asketen gegebenen Regeln bewahrte; all dieses beobachtend ließ er niemals von der Befolgung der göttlichen Worte ab; wenn er sich niederlegte und aufstand, wenn er arbeitete und aß, falls man dies überhaupt essen nennen kann, lag er nur einem ob, zu singen und sich zu belehren durch das Wort Gottes. In früher Jugend trat er in das Kloster ein und wirkte in demselben bis zum 53. Lebensjahre, in guten Werken sich übend. Nachher wurde er versucht durch den Gedanken, als ob er bereits in allem vollkommen sei und anderer Unterweisungen nicht bedürfe, indem er im Gemüte sprach: Ob es wohl auf Erden einen Mönch gibt, der mir förderlich sein, der mir eine Art der Askese zeigen könnte, die ich noch nicht geübt habe? Ob sich in der Wüste ein Mensch findet, der meine Taten übertrifft?
Indem der Greis also dachte, erschien ihm ein Engel und sprach: O Zosimas, du hast so gut, wie es für einen Menschen möglich ist, gekämpft, die strenge Laufbahn der Askese durchschritten, aber es gibt niemand unter den Menschen, der sich als vollkommen erwiesen hätte: es gibt eine Tugend von Gott, die du in der Vergangenheit noch nicht kennen gelernt hast, jetzt aber, damit du mögest kennen lernen, wie viele andere Wege zum Heile es gibt, so ziehe aus von deinem Lande, wie jener berühmte Patriarch Abraham und gehe zu dem Kloster, welches am Jordanflusse steht. Sogleich ging der Greis, folgend der Stimme, aus dem Kloster, in welchem er von Jugend auf Mönch gewesen war und gelangte, unterwiesen von dem, der ihn berufen hatte, zu dem Kloster, welches Gott ihm bestimmt hatte. Mit der Hand die Tür des Klosters aufstoßend traf er einen Mönch, der die Tür bewachte, und erzählte ihm zuerst von sich. Der aber meldete es dem Igumenos, der ihn aufnahm und - aus der von ihm gemachten Metanie und dem Gebet erkennend, daß es ein Mönch sei - ihn fragte, - woher bist du, Bruder, und weshalb bist du zu uns armen Mönchen gekommen?
Zosimas aber antwortete: woher ich gekommen bin, ist nicht nötig zu sagen, ich bin aber gekommen, um Nützliches zu erreichen, denn ich habe Großes und Ruhmreiches von euch gehört, welches die Seele Gott zueignen kann. Da antwortete ihm der Igumenos: Gott allein, o Bruder, ist es, der die Schwachheit der Seele heilt, der dich und uns seinen göttlichen Willen lehren und in allem Nützlichen unterweisen möge; ein Mensch kann aber dem anderen nicht von Nutzen sein, wenn jeder nicht immer auf sich selbst achtet und nicht, wachend im Geiste, Nützliches tut, indem er Gott als Mitwirkenden hat. Wenn aber die Liebe Christi dich bewog, uns, elende Mönche, zu sehen, so bleibe hier bei uns, falls du deshalb gekommen bist: uns alle wird nähren durch die Gnade des Heiligen Geistes der gute Hirt, der seine Seele zur Erlösung für uns gegeben hat.
Nachdem der Igumenos dies zu Zosimas gesagt hatte, verbeugte dieser sich und sagte nach Empfang des Gebetes und des Segens: Amen, und blieb im Kloster.
Dort sah er die Mönche, sie strahlten durch Erfüllung guter Werke, an Gott denkend und im Herzen brennend und für Gott arbeitend: Ihr Gesang war unaufhörlich, ihr Stehen die ganze Nacht hindurch, in ihren Händen waren immer Taten, in ihrem Munde immer Psalmen; keine unnützen Worte waren in ihnen, keine Gedanken an Erwerb zeitlicher Güter und keine weltliche Trübsal, die nicht einmal dem Namen nach bekannt war; nur ein Einziges war das Erste und Letzte: nach Möglichkeit zu sorgen, daß sie körperlich wie Tote sein möchten. Als unentbehrliche Speise hatten sie die Werke Gottes: sie sättigten sich aber den Leib mit Brot und Wasser, jeder nach seinem Verhältnis zur Liebe Gottes. Als Zosimas dies sah, benutzte er es sehr, indem er in sich die dargestellte Tugend verwirklichte. Nachdem genügend Zeit verflossen war, nahte die Zeit der heiligen großen Fasten, während deren die Türen des Klosters immer geschlossen waren und nur geöffnet wurden, wenn jemand zu allgemeinem Bedarf hinausgesandt wurde: denn die Gegend war öde, und es kamen andere nicht dorthin. Ja, sie war den Laien nicht einmal bekannt. Es war aber in dem Kloster solche Sitte oder Ordnung, wegen deren Gott den Zosimas dorthin geführt hatte:
Am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit, nachdem der Priester die heilige Liturgie gehalten und alle die heilige Kommunion empfangen hatten und darauf ein wenig von der Fasten-Trapeza gekostet hatten, versammelten sie sich wieder in der Kirche, beteten inbrünstig, die Knie beugend, und es küssten die Mönche einander und den Igumenos, ihn um Segen und Gebete bittend für die bevorstehenden Tugendübungen der Großen Fasten. Nachdem dies geschehen, wurd die Klostertür geöffnet und unter dem Gesange der Worte des Psalmes 26, „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der ist meines Lebens Wehr, vor wem sollte mir grauen?“ - usf. - zogen sie hinaus in die Wüste, indem nur ein oder zwei Brüder zur Bewachung des Klosters zurückgelassen wurden, nicht, um die im Innern befindlichen Güter zu bewachen (weil dort nichts war, was von Dieben gestohlen werden könnte), sondern nur, damit die Kirche nicht ohne Gottesdienst bleiben möchte; sie gingen über den Fluß Jordan, indem jeder bei sich Nahrungsmittel nach seinem Bedarf und Wunsch trug, der eine ein wenig Brot, der andere Datteln, der dritte Feigen, der vierte in Wasser gequollene Hülsenfrüchte. Einige aber nichts, als etwas alte Bekleidung, um ihren Körper zu bedecken. Diese nährten sich nach Bedarf mit Kraut, welches in der Wüste wuchs. Nach Überschreiten des Jordans auf diese Weise trennten sie sich voneinander und keiner wußte, wie der andere kämpfte oder fastete. Wenn es einmal geschah, daß jemand seinem Freunde begegnete, so lenkte er ab auf die andere Seite und blieb allein vor Gott. Und so, wenig Nahrung zu sich nehmend, vollendeten sie die Fastenzeit und kehrten am Palmsonntag alle in das Kloster zurück, um mit Palmzweigen die Vorfeier des nahenden großen Pascha-Festes zu begehen. Alle kamen zurück, indem sie ihr Gewissen als Zeugen ihrer gottgefälligen Kämpfe hatten und niemand durfte den anderen fragen, wie und in welchen guten Werken er sich geübt habe. Dies war die Ordnung des Klosters.
Dieser Ordnung folgend überschritt auch Zosimas den Jordan, wenig an Speise habend und das Gewand, welches er anhatte; die Gebete, die vorgeschrieben waren, vollzog er, indem er durch die Wüste wanderte, wenig essend und schlafend, indem er in der Nacht sich auf die Erde manchmal sitzend, wo die Nacht ihn ereilt hatte, sehr früh aber hatte er, wieder aufwachend, seinen Lauf fortzusetzen. Endlich beschloß er, in das Innere der Wüste sich zu begeben, in der Hoffnung, dort einen der Mönche zu treffen, der ihm als Vorbild dienen könnte.
Nachdem er 20 (anderen zufolge 8) Tage gegangen war, stellte er sich ein wenig abseits, wendete sich gegen Osten und sang die 6. Hora indem er die gebräuchlichen Gebete sagte; denn er machte bei jeder Hora eine kleine Unterbrechung in seiner Wanderschaft für den Gesang und die Metanien. Als er einmal stand und sang, bemerkte er rechts einen Schatten, wie eines menschlichen Körpers. Zuerst erschrak er sehr, weil er dachte, es sei ein teuflisches Gespenst und zitterte. Er machte aber das Zeichen des Kreuzes, vergaß seinen Schrecken, wandte seine Augen nach Beendigung des Gebetes gen Süden, und sah jemand gehen, der nackt und von der Sonne schwarz gebrannt war, dessen Haare aber weiß wie Wogenschaum waren und bis zum Halse reichten. Als Zosimas das sah, ging er in die Richtung, wo er das gesehen. und freute sich sehr, weil er diese Tage keine menschliche, nicht einmal eine tierische Gestalt gesehen hatte. Als aber die Erscheinung den Zosimas von weitem kommen sah, begann sie in das Innere der Wüste zu eilen; Zosimas aber, indem er sein Alter und die Mühe des Weges vergaß, lief schnell, in dem Wunsche, das zu erreichen. Dieses aber lief immer; der Lauf des Zosimas war aber schneller als der des Davoneilenden.
Als er schon so nahe war, daß er die Stimme hören konnte, begann Zosimas weinend zu schreien und sagte:
„Warum läufst du vor mir sündigem Greise fort, o Knecht des wahren Gottes, in dessen Namen du in dieser Wüste lebst? Warte auf mich Unwürdigen und Schwachen! Warte in der Hoffnung auf Belohnung für deine Tugenden. Steh still und gib mir, dem Greise, dein Gebet und deinen Segen um Gottes willen, der niemand verachtet.“
Indem Zosimas dies unter Tränen redete, kam es ihm vor, als sei er schon ganz nahe gekommen, wo ein ausgetrockneter Bach zu sein schien. Als er aber zu der Stelle kam, ging das laufende Wesen auf die andere Seite. Zosimas war müde und konnte nicht mehr laufen und blieb diesseits des Baches stehen, fügte Tränen zu seinen Tränen und Schreie zu seinen Schreien, sodaß nichts mehr zu hören war als sein Heulen. Darauf hauchte die Stimme:
„Abba Zosimas, verzeihe mir um Gottes Willen, daß ich mich nicht zu dir wenden und mich von dir sehen lassen kann: Ich bin ein Weib und, wie du siehst, nackt und die Scham meines Körpers habe ich unbedeckt. Wenn du aber willst mir sündigem Weibe dein Gebet und deinen Segen geben, so wirf mir etwas von deinen Kleidern zu, damit ich meine Blöße bedecken und zu dir gewendet dein Gebet und deinen Segen empfangen kann.“
Da erfaßte Zosimas Furcht und Zittern, indem er sich bei Namen nennen hörte, obwohl sie ihn niemals gesehen und von ihm niemals gehört hatte. Und er sprach bei sich: Wenn diese nicht voraussehend wäre, könnte sie mich nicht bei Namen nennen. Und alsbald tat er, was sie ihm gesagt, nahm von sich das alte und zerrissene Kleid, welches er getragen und warf es ihr zu, indem er sein Gesicht abwandte. Sie aber nahm es und bedeckte den Teil ihres Körpers, welchen mehr als alle andern zu bedecken nötig war, gürtete sich und sprach zu Zosimas gewendet:
„Warum gefällt es dir, Abba Zosimas, eine sündige Frau zu sehen? Verlangst du etwa von mir etwas zu hören oder belehrt zu werden, daß du nicht gescheut hast, solche Mühe auf dich zu nehmen?“
Er aber, auf die Erde sich hinstreckend, bat um ihren Segen; ebenso streckte auch sie sich nieder und beide lagen auf der Erde, einander um den Segen bittend, sodaß nichts von beiden zu hören war, als nur das Wort: Segne! Nach einer langen Zeit sagte die Frau zu Zosimas:
„Abba Zosimas, dir gebührt es, zu segnen und Gebete zu vollziehen, denn du bist mit der Würde eines Presbyters geehrt und seit mehreren Jahren bringst du vor dem heiligen Altar stehend die göttlichen Gaben dem Herrn dar.“
Diese Worte versetzten den Zosimas in noch größere Angst und von dieser ergriffen sprach er weinend und seufzend, mit schwerem, stockendem Atem zu ihr:
„O geistliche Mutter, du hast dich Gott genaht und dich abgetötet, was die in dir mehr als in anderen befindliche von Gott geschenkte Gabe beweist, daß du mich bei Namen und Presbyter nanntest, mich, den du niemals zuvor gesehen; deswegen segne lieber selbst, um des Herrn Willen, und gib das Gebet dem, der es von deiner Vollkommenheit fordert.“
Nachgebend der inständigen Bitte sprach sie:
„Gesegnet ist Gott, der da will, daß die menschlichen Seelen gerettet werden.“
Nachdem Zosimas „AMEN“ gesagt hatte, standen beide von der Erde auf. Sie sagte zu ihm:
„Weshalb bist du zu mir Sünderin gekommen, o Mensch Gottes? Weshalb wünschtest du eine Frau, nackt und keine Tugend besitzend, zu sehen? Aber die Gnade des Heiligen Geistes hat dich unterwiesen, damit du könntest einen Dienst erweisen meinem Leibe zur nötigen Zeit. Sage mir, Vater, wie leben jetzt die Christen, die Könige und heiligen Kirchen?“
Zosimas antwortete:
„Die Christen, die Könige und heiligen Kirchen haben durch eure heiligen Gebete von Gott starken Frieden erhalten; doch nimm an das Flehen eines Unwürdigen und bete um des Herrn willen für die ganze Welt und für mich Sünder, damit nicht vergeblich werde diese meine Wanderung durch die Wüste.“
Sie sagte zu ihm:
„Dir gebührt mehr, Vater Zosimas, der du das heilige Amt hast, für mich und für alle zu beten; hierzu bist du eingesetzt. Aber weil wir immer Gehorsam erweisen müssen, so tue ich das von Dir Befohlene.“
Dies sagend, begann sie still zu beten, sich gen Osten wendend und Augen und Hände emporhebend, so daß keine Worte zu hören waren und Zosimas nichts vernahm, sondern, wie er gesagt, mit Ehrfurcht zur Erde sehend, dastand und sich nicht rührte. Er erzählte, Gott als Zeugen anrufend, daß, als er während ihres Gebetes ein wenig seine zur Erde blickenden Augen erhoben hatte, er gesehen habe, wie sie beim Gebet eine halbe Armlänge sich vom Erdboden erhoben und in der Luft stehend gebetet habe. Dies aber sehend, warf sich Zosimas von größter Angst ergriffen zur Erde nieder, weinend und nichts sprechend, als: Herr, erbarme dich!
Indem er auf der Erde lag, war er beunruhigt, durch den Gedanken, ob es nicht ein Gespenst oder ein Geist sei, der nur scheinbar bete. Sie aber wandte sich, hob ihn auf und sagte:
„Warum, Vater Zosimas, beunruhigen dich solche Gedanken über ein Gespenst, als sei ich ein Geist und heuchle ein Gebet. Ach, ich bitte dich, seliger Vater, wisse, daß ich eine Sünderin bin, aber durch die heilige Taufe umschirmt und nicht ein gespenstischer Geist, sondern Erde, Staub und Asche und jedenfalls Fleisch, welches niemals etwas Geistliches gedacht.“
Und dies sagend, bezeichnete sie mit dem Kreuzeszeichen ihre Stirn, Augen, Mund und Brust, und sprach:
„Vater Zosimas, möge Gott uns vom Teufel und seinen Netzen erlösen: denn groß ist sein Kampf gegen uns!“
Dies sehend und hörend sprach Zosimas zu ihren Füßen niederfallend unter Tränen:
„Ich beschwöre dich im Namen unseres Herrn Jesu Christi, des wahren Gottes, geboren von der Jungfrau, um dessentwillen du diese Nacktheit trägst, um dessentwillen du dein Fleisch so abgetötet hast, verhehle nicht vor mir dein Leben, sondern sage mir alles, damit du die Großtaten Gottes offenbaren möchtest. Sage mir um Gottes Willen alles, nicht des Lobes wegen, sondern um mir Sünder Kunde zu geben über dich. Denn ich glaube, daß ich von meinem Gott, den du lobst, deswegen in die Wüste geführt worden bin, damit Gott alles das Deinige offenbar mache; denn es ist keine Kraft in uns, der Vorsehung Gottes zu widerstehen. Wenn es nicht Christus gefallen hätte, daß du und deine Tugenden bekannt würden, hätte er dich mir nicht gezeigt und mich nicht zu solchem Wege gestärkt, der ich niemals meine Zelle verlassen konnte noch wollte.“
Nachdem Zosimas dies und mehreres anderes gesagt hatte, hob sie ihn auf und sagte zu ihm:
„Ich schäme mich, Vater, verzeihe mir, daß ich dir die Schande meiner Taten sage, aber wenn du meinen Leib schon nackt gesehen hast, so entblöße ich dir auch meine Taten, damit du wissest, von welcher Scham und Schande meine Seele erfüllt ist. Nicht meines Lobens willen, wie du mir selbst gesagt, werde ich dir über mich bekennen. Denn womit soll ich mich loben, die ich einst ein auserwähltes Gefäß des Teufels war? Wenn ich die Erzählung von mir anfange, wirst du laufen von mir, wie jemand vor einer Schlange fortläuft, nicht ertragend, mit den Ohren zu hören das Unstatthafte, was ich, Unwürdige, getan. Ich werde sprechen, ohne etwas zu verschweigen, aber ich bitte dich zuerst, daß du nicht aufhören mögest für mich zu bitten, damit ich Gnade finde am letzten Tage.“

Psalm 50:

L: Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deinem großen Erbarmen, und nach der Fülle Deines Mitleids tilge mein Vergehen. Mehr noch wasche mich von meiner Gesetzlosigkeit, und von meiner Sünde reinige mich. Denn meine Gesetzlosigkeit erkenne ich, und meine Sünde ist mir stets vor Augen. Dir allein habe ich gesündigt und das Böse vor Deinen Augen getan, auf dass Du als gerecht erfunden wirst in Deinen Worten und siegest, wenn Du gerichtet wirst. Denn siehe, in Gesetzlosigkeiten ward ich empfangen, und in Sünden ward meine Mutter schwanger mit mir. Denn siehe: Wahrheit hast Du geliebt, das Geheime und Verborgene Deiner Weisheit hast Du mir offenbart. Besprengen wollest Du mich mit Ysop, und rein werde ich sein. Waschen wollest Du mich, und weißer als Schnee werde ich sein. Vernehmbar machen wollest Du mir Frohlocken und Freude, frohlocken werden die gedemütigten Gebeine. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden und tilge alle meine Gesetzlosigkeiten. Ein reines Herz schaffe in mir, o Gott, und einen rechten Geist erneuere in meinem Innersten. Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht und Deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir. Gib mir wieder das Frohlocken über Deine Errettung und mit einem führenden Geiste stütze mich. Lehren will ich die Gesetzlosen Deine Wege, und die Frevler werden sich bekehren zu Dir. Erlöse mich von Blutschuld, o Gott, Du Gott meiner Errettung, frohlocken wird meine Zunge über Deine Gerechtigkeit. Herr, meine Lippen wollest Du öffnen, und mein Mund wird verkünden Dein Lob. Denn hättest Du ein Opfer gewollt, ich hätte es gegeben: an Brandopfern wirst Du kein Wohlgefallen haben. Ein Opfer für Gott ist ein zerknirschter Geist, ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wird Gott nicht verachten. Tue Gutes, Herr, in Deinem Wohlgefallen an Sion, und aufgerichtet sollen werden die Mauern Jerusalems. Dann wirst Du Wohlgefallen haben am Opfer der Gerechtigkeit, an Darbringung und Brandopfern. Dann werden sie Kälber darbringen auf Deinen Altar.
KANON

Kleine Ektenie

D: Wieder und wieder in Frieden lasst uns beten zum Herrn.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Zu jeder Fürbitte.
D: Stehe bei, errette, erbarme Dich und behüte uns, o Gott, durch Deine Gnade.
D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und herrlichen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immer-Jungfrau Maria mit allen Heiligen eingedenk, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn Du bist unser Gott und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
Ton 8. Sedalen des Triodions.
Gottstrahlende Sterne, Augenzeugen des Heilands, erleuchtet uns, die in der Nacht des Lebens wir schreiten, damit wir jetzt wie am Tage ehrbar wandeln, im Licht der Enthaltung die Leidenschaften der Nacht verjagen und frohlockend schauen Christi herrliche Leiden.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste.
Ton 8. Sedalen des Triodions.
Der Apostel gotterkorene Zwölfzahl, eine Bitte tragt Christus jetzt vor, dass wir die Rennbahn der Fasten alle durchlaufen, die Gebote in Reue vollenden, freudig die Tugenden üben, damit wir also Christi, Gottes herrliche Auferstehung zu schauen erlangen und ihn lobpreisen.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Ton 8. Sedalen des Triodions.
Gottes unbegrenzten Sohn, das Wort, das auf unerforschliche Weise durch ein Wunder aus dir geboren wurde, Gottesgebärerin, flehe an mit den Aposteln, dass er wirklichen Frieden verordne der Welt und vor dem Ende der Fehler Vergebung uns schenke und ob des Gipfels seiner Güte deine Knechte würdige des Reiches der Himmel.

Leben der hl. Maria von Ägypten

L: Segne, ehrwürdiger Vater, die Vita unserer frommen Mutter Maria von Ägypten zu lesen.
P: Auf ihre Gebete hin, Herr, Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser.
L: Amen.

Zweiter Teil

L: Ich, o Vater, bin geboren in Ägypten. Als ich zwölf Jahre alt war und meine Eltern noch lebten, habe ich mich getrennt von ihrer Liebe und bin nach Alexandrien gegangen und wie ich zuerst meine Jungfräulichkeit verlor und anfing zügellosem und unersättlichem Liebesgenuß mich hinzugeben, schäme ich mich nicht nur auszusprechen, sondern zu denken. Deswegen sage ich lieber das Notwendigste, damit du die Zügellosigkeit meines Fleisches erkennst.
Siebzehn Jahre und mehr bin ich eine Volksbuhlerin gewesen, nicht um Geschenke oder Lohn, den ich von den mir Spendenden nicht annehmen wollte. Dieses erdachte ich, damit ich erwerben möchte mehrere umsonst zu mir Kommende und befriedigen möchte meine fleischliche Begierde. Denke nicht von mir, daß ich reich war und nicht nackt: ich lebte in Armut und habe oftmals hungrig groben Flachs gesponnen und unersättliche Brunst gehabt, immer im Schilf der Buhlerei mich zu wälzen. Denn ich dachte, daß das Leben darin bestehe, immer zu machen die Schändlichkeiten der Natur. So lebend sah ich in einer Erntezeit viele Männer aus Lybien und Ägypten, die zum Meere gingen und fragte einen, der zu mir gekommen war, wohin gehen diese Männer so eifrig? Er aber antwortete mir: nach Jerusalem, wegen der Erhöhung des ehrwürdigen und lebendigmachenden Kreuzes, welche in einigen Tagen gefeiert wird. Und ich sprach zu ihm: werden jene auch mich mitnehmen, wenn ich mit ihnen fahren will? Er aber sagte: Wenn du den Fahrpreis und das Essen hast, so wird es dir keiner verbieten. Da sagte ich ihm: Bruder, ich habe weder Fahrgeld noch Essen. Ich gebe ihnen meinen Leib dafür. Deswegen wollte ich mit ihnen gehen, Vater, verzeihe mir, um mehrere Pfleger meiner Leidenschaften zu haben. Ich habe dir, Vater Zosimas, gesagt, zwinge mich nicht meine Schande auszusprechen. Denn Gott weiß, ich habe Angst, daß ich selbst die Luft durch mein Wort verunreinige.
Zosimas, die Erde mit seinen Tränen sättigend, antwortete ihr:
„Sprich, um Gottes willen, o meine Mutter, und höre nicht auf mit dieser mir nützlichen Erzählung.“
Da fügte sie zu dem ersten noch folgendes hinzu:
Nachdem dieser Jüngling meine schamlosen Worte gehört hatte, ging er lächelnd fort. Ich aber, die Spindel fortwerfend, die ich bei mir trug, eilte zum Meer, wo ich die Kommenden gesehen hatte, und bemerkte einige an der See Stehende, etwa zehn oder mehr junge Männer, die meiner Begierde gefielen. Einige waren schon früher in das Schiff gekommen, und ich, meiner Gewohnheit gemäß, hüpfte schamlos zu ihnen hin und sprach: nehmet auch mich mit, wohin ihr geht. Ich werde euch nicht ungefällig sein. Und einige andere unsaubere Worte sprechend bewegte ich alle zum Lachen. Und sie, meine Schamlosigkeit sehend, nahmen mich in ihr Schiff auf und wir fingen von dort aus unsere Fahrt an. Und wie es damals war, wie kann ich dir das bekennen, o Mensch Gottes? Welche Zunge kann sagen oder welches Ohr kann hören meine unterwegs im Schiff geschehenen bösen Taten? Wie ich Unglückselige auch die Widerstrebenden zur Sünde beredete? Es gibt keine Art von Unsittlichkeit, nennbarer und unnennbarer, in der ich damals nicht Meisterin war. Glaube mir, ich bin erstaunt, wie das Meer meine Unzucht zu tragen vermochte. Ich begreife nicht, daß die Erde nicht ihren Rachen öffnete, um mich lebendig in den Hades zu versenken. Mich, die ich so viele Seelen für den Tod gefangen habe: Ich denke aber, daß Gott, meine Bekehrung suchend, nicht wollte, daß der Sünder sterbe, sondern mit großem Verlangen meiner Bekehrung harrte. Auf diese Weise und mit großem Eifer kam ich nach Jerusalem und einige Tage vor dem Feste dort weilend tat ich den ersten gleiche Werke, sogar noch schlimmere, mich mit den Jünglingen, welche mit mir im Schiffe gefahren waren, nicht begnügend, lud ich zu der Sünde auch viele andere Einwohner und Pilger ein. Als aber das Fest der Heiligen Kreuzeserhöhung begann, ging ich, wie früher, umher, um die Seelen der Jünglinge zu fangen. Sehr früh aber sah ich alle gemeinsam in die Kirche gehen; da ging auch ich mit ihnen und kam mit ihnen in die Vorhalle der Kirche, und als der Augenblick der Erhöhung des Kreuzes kam, suchte ich auch mit dem Volke in die Kirche einzudringen, wurde aber immer wieder verdrängt und zurückgestoßen. Unter Gedränge und mit großer Mühe nahte ich, Unglückselige, mich auch der Tür der Kirche; als ich aber die Schwelle der Tür betrat, gingen alle übrigen ohne Widerstand in die Kirche, mir aber wehrte eine göttliche Macht einzutreten; und wieder es versuchend ward ich wieder zurückgestoßen in die Vorhalle, allein zurückgedrängt. Dort aber stehend dachte ich mir, daß das alles wegen meiner weiblichen Schwäche mit mir geschehe. Mich wieder mit den übrigen vereinigend versuchte ich einzutreten, aber immer vergeblich; sobald mein sündiger Fuß die Schwelle berührte, nahm die Kirche, welche anderen nicht wehrte, mich allein nicht auf. Als ob eine Schar von Kriegern sich versammelt hätte, um mir den Eintritt zu wehren, so stieß mich eine unbekannte plötzliche Kraft immer wieder zurück, und wieder befand ich mich in der Vorhalle. Dieses drei- bis viermal erduldend, mich mühend und nichts erreichend, ermüdete ich und konnte mich deshalb nicht mehr den Eintretenden anschließen. Hierbei ward auch mein Körper sehr ermüdet. Mit großer Beschämung und hoffnungslos trat ich zurück und stellte mich in einen Winkel der Vorhalle. Als ich mich ein wenig erholt hatte, fragte ich mich, welche mir anhaftende Schuld mir den Zutritt zu dem lebendigmachenden Kreuze wehrte. Endlich traf die Augen meines Herzens das Licht der erlösenden Wahrheit. Gottes herrliches Gebot, die Augen der Seele erleuchtend, mir zeigend, daß der Sumpf meiner Taten mir den Eintritt in die Kirche wehre. Da begann ich zu weinen und zu schluchzen und michan die Brust zu schlagen, seufzend aus der Tiefe meines Herzens.
So weinend auf der Stelle wo ich stand, bemerkte ich vor mir oben an der Wand ein Bild der heiligen Gottesmutter und sprach zu ihr, meine Augen nicht abwendend und sie im Geiste vor mir sehend: O Jungfrau, Gebieterin, die Du Gott das Wort, im Fleische geboren hast! Ich weiß wahrhaftig, daß es Dir nicht angenehm noch lobwürdig ist, daß ich, unreine und schlechte Buhlerin, Dein heiliges Bild betrachte, Dich, allheilige Immerjungfrau Maria, die Du Körper und Seele rein und unbefleckt hast! So geziemt es sich auch mir, der Buhlerin, verhaßt und verächtlich zu sein Deiner jungfräulichen Reinheit. Aber da ich hörte, daß der Gott, den Du geboren hast, deshalb Mensch geworden ist, um die Sünder zur Buße zu rufen, so hilf mir, der Alleinstehenden, die ich keine Hilfe habe! Befiehl, daß auch mir der Zutritt zur Kirche unverwehrt sei und beraube mich nicht des Anblicks des ehrwürdigen Baumes, an welchem der Körper des von Dir geborenen Gottes geheftet ward, der sein Blut für meine Erlösung gab. Befiehl, o Gebieterin, daß auch für mich die Tür sich öffne zur Anbetung des göttlichen Kreuzes und sei mir sicherste Bürgin bei dem von Dir Geborenen, denn von jetzt an will ich meinen Körper durch keine Art unreiner Unzucht mehr beflecken; sondern, wenn ich das heilige Kreuzesholz Deines Sohnes sehe, entsage ich der Welt und allem, was in der Welt ist, und gehe hinaus, wohin Du als Bürgin meines Heiles mir zeigst. Dies sagend, und als ob ich eine Verheißung empfangen hätte, entflammt im Glauben und befestigt in der Hoffnung auf die Barmherzigkeit der Gottesgebärerin, bewegte ich mich von der Stelle, auf der ich gebetet hatte, und schloß mich wieder an die an, welche in die Kirche hineingingen. Niemand war da, der mich abgewehrt oder mich an der Tür gehindert hätte in die Kirche einzutreten. Aber Furcht ergriff mich und ich zitterte, und nachdem ich die Tür erreicht hatte, welche bisher für mich geschlossen war, trat ich ohne Mühe ein in das Innere der Kirche „Aller Heiligen“ und ward gewürdigt das Holz des Allerehrwürdigsten und Lebendigmachenden Kreuzes zu sehen und sah die Geheimnisse Gottes und wie er bereit ist, den Büßenden anzunehmen.
Niedergestreckt zur Erde betete ich das allerehrwürdigste Kreuz an, küßte es in Furcht und trat hinaus, um mich meiner Bürgin zu nahen. Angekommen an der Stelle, wo das heilige Bild meiner Bürgin war, und vor ihr kniend sprach ich: O Du ewigseligste Jungfrau, Gebieterin, Gottesgebärerin, Du zeigst mir Deine gütige Menschenliebe an, Du verabscheust meine unwürdigen Gebete nicht: denn ich habe gesehen die Herrlichkeit, die in Wirklichkeit mir, der Sünderin, nicht zu sehen gebührte. Ehre sei Gott, der um Deinetwillen die Buße der Sünder annimmt! Was habe ich Sünderin noch mehr zu denken oder zu sagen? Es ist schon Zeit, o Gebieterin, zu erfüllen, was ich für Deine Bürgschaft versprochen. Nun unterweise mich, wohin Du willst. Nun sei mir Lehrerin in dem übrigen, was zu meinem Heile dient, mich unterweisend auf dem Wege der Buße.
Indem ich also sprach, hörte ich aus der Ferne eine Stimme, die zu mir sprach: Wenn du über den Jordan gehst, findest du gute Ruhe. Nachdem ich diese Stimme gehört und mich überzeugt hatte, daß sie mir galt, rief ich unter Tränen, auf das Bild der Gottesgebärerin blickend: Gebieterin, Gebieterin, Gottesgebärerin, verlasse mich nicht! Nach diesem Ausrufe trat ich aus der Vorhalle der Kirche hinaus und ging schnell. Jemand, der mich gehen sah, gab mir drei Zate mit den Worten: Nimm dies an, Mutter, - ich nahm das Geld an und kaufte dafür drei Brote und fragte bei dem Brotverkäufer nach dem Wege zum Jordan. Nachdem ich unter Tränen durch das Stadttor gegangen war, fragte ich Leute, die mir begegneten, nach dem weiteren Wege und wanderte den ganzen Tag über. Es war um die dritte Stunde des Tages, als ich gewürdigt ward, das Kreuz Christi zu sehen, und als die Sonne schon im Westen sich zum Untergang neigte, war ich an der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers, welche am Jordan steht, angelangt. Nachdem ich in diesem heiligen Wasser Arme und Gesicht gewaschen und in der Kirche gebetet hatte, ging ich und empfing die heiligen und lebendigmachenden Geheimnisse Christi. Darauf aß ich die Hälfte von einem der Brote, trank Wasser aus dem Jordan und schlief die Nacht auf dem bloßen Boden. Am anderen Tage früh fand ich einen kleinen Kahn, auf welchem ich nach dem anderen Ufer des Jordans übersetzte, wo ich wieder meine Lehrerin, die Gottesgebärerin, anflehte, mir zu zeigen, wo es ihr gefiele, daß ich bleiben sollte. Ich kam in diese Wüste, und seit dieser Zeit entfernte ich mich eilend und nahm Wohnung, harrend Gottes, der mich rettet aus Kleinmütigkeit und Sturm, mich, die sich zu Ihm wendet.
Zosimas aber sagte zu ihr:
„Wieviele Jahre, o Gebieterin, hast du in dieser Wüste gesiedelt?“
„Siebzehn Jahre zähle ich von der Zeit, da ich von der heiligen Stadt ausging“.
Zosimas sagte:
„Und wo findest du Nahrung, meine Gebieterin?“
Sie sprach: „Ein Drittel des Brotes welches ich mitbrachte beim übergang über den Jordan ist allmählich trocken geworden und versteinert. Dieses habe ich allmählich, davon eine Reihe von Jahren essend, jetzt aufgezehrt.“
Zosimas sagte:
„Wie bist du eine so lange Zeit ohne Betrübnis geblieben, ohne daß eine feindliche Verlockung dich versucht hätte?“
Sie antwortete:
„Du hast mich gefragt, Vater Zosimas, nach Sachen, die ich fürchte zu erzählen. Denn wenn ich mich erinnere an das viele Elend, das ich erduldet habe, und welch böse Gedanken mich irre machen wollten, dann fürchte ich, ich möchte wieder von ihnen erfaßt werden.“
Da sagte Zosimas zu ihr:
„Unterlasse nichts, o meine Gebieterin, mir zu verkündigen; ich habe dich darum gebeten, daß du mir alles ausführlich erzählst.“
Sie aber sprach zu ihm:
„Schenke mir Glauben, Vater Zosimas. Siebzehn Jahre habe ich in dieser Wüste mit meinen Leidenschaften wie mit wilden Tieren gekämpft. Wenn ich anfing zu essen, so wünschte ich immer Fleisch und Fische, wie es in Ägypten gewesen; ich wollte auch Wein trinken, wie ich es liebte. Denn ich hatte viel Wein getrunken solange ich in der Welt lebte. Hier aber hatte ich manchmal nicht Wasser, brannte vor Durst und litt sehr. Ich hatte auch Lust, unzüchtige Lieder zu singen, die mich sehr beunruhigte und drängte, die dämonischen Lieder zu singen, die ich gewöhnt war; sofort weinend und mich an die Brust schlagend erinnerte ich mich der Gelübde, welche ich getan hatte beim Einzug in diese Wüste. Ich war in meinen Gedanken vor dem Bilde der Allerreinsten Gottesgebärerin, meiner Bürgin, und vor ihr weinte ich und bat sie, fern von mir zu verscheuchen die Gedanken, die meine unglückliche Seele versuchten. Als ich aber genug geweint und eifrig an meine Brust geschlagen hatte, da sah ich ein Licht, welches von allen Seiten mich umfaßte und es trat eine Ruhe ein, welche mich von diesen Beängstigungen befreite. Die mich wieder erfassenden lüsternen Gedanken, wie kann ich sie dir bekennen? Denn Feuer loderte auf von allen Seiten und versuchte mich zur Sünde. Wenn aber eine solche Versuchung an mich kam, dann warf ich mich auf die Erde und weinte, dachte an meine mir beistehende Bürgin, die meine Übertretung richtet und drohend auf die dafür bestimmte Qual hinweist. Und ich stand Tag und Nacht nicht von der Erde auf, bis jenes süße Licht mir erstrahlte und die mich beunruhigenden Gedanken verjagte. Meine Augen erhob ich zu meiner Bürgin, unaufhörlich bittend, mir, der in der Wüste leidenden, zu helfen, und ich hatte sie wirklich als Helferin und Mitwirkerin zur Buße. Und diese unzählbaren Leiden habe ich siebzehn Jahre hindurch ertragen. Von dieser Zeit bis jetzt hat meine Helferin, die Gottesgebärerin, mich in allem zu allem geführt.“
Da sagte Zosimas zu ihr:
„Hast du etwas an Nahrung und Bekleidung gebraucht?“
Sie antwortete:
„Nachdem ich im Laufe dieser siebzehn Jahre meine Brote verzehrt hatte, nährte ich mich von den in der Wüste wachsenden Kräutern, die Bekleidung, welche ich beim übergang über den Jordan hatte, war vor Alter zerfallen, und ich duldete große Qual durch Hitze und Kälte, im Sommer glühend und im Winter frierend, oftmals sogar wie entseelt und bewegungslos zur Erde niederstürzend und mit vielen anderen Nöten und maßlosen Versuchungen umdrängt. Von da an bis jetzt aber hat die mannigfaltige Macht Gottes meine sündige Seele und meinen demütigen Leib bewahrt. Wenn ich nur daran denke, aus welchem Elend Gott mich errettet hat, so habe ich erworben unerschöpfliche Nahrung - die Hoffnung meines Heils. Ich nähre mich und bedecke mich mit dem Wort Gottes, der alles erhält; denn nicht allein durch Brot wird der Mensch bekleidet; insofern sie frei wurden von der Decke der Sünde haben sich die, welche keine Decke hatten, mit Steinen bekleidet.“
Nachdem Zosimas gehört, daß sie auch die Worte Moses, der Propheten und die Psalmen erinnerte, sagte er zu ihr:
„Hast du, Gebieterin, auch die Psalemen und andere Bücher gelernt?“
Dies hörend lächelte sie und sagte zu ihm:
„Glaube, o Mensch, ich habe nach meinem Übergang über den Jordan keines anderen Menschen Angesicht außer dem deinen gesehen, nicht einmal ein wildes Tier oder ein sonstiges Vieh. Bücher habe ich nicht gelesen und niemals lesen oder singen hören; das lebendige und wirksame Wort Gottes aber belehrt den Verstand des Menschen. Hier aber ist das Ende meiner Geschichte. Jetzt nun beschwöre ich dich durch die Fleischwerdung des Wortes Gottes, bete für mich Sünderin.“
Nach diesen Worten wollte der Mönch vor ihr niederfallen und sprach mit Tränen:
„Gelobt sei Gott, der Großes und Schreckliches tut, unaussprechlich Wunderbares und Herrliches, dessen keine Zahl ist! Gelobt der Gott, der mir gezeigt hat, was er denen gibt, die ihn fürchten. Wahrlich, du verlässest die Suchenden nicht, o Herr.“
Sie aber, ihn aufhaltend, ließ ihn nicht vollständig sich verbeugen und sagte zu ihm:
„All dies, o Vater, ich beschwöre dich durch Jesus Christus den Gott unsern Heiland, sage es niemand, bis Gott mich von der Erde nehmen wird. Jetzt aber ziehe hin in Frieden und komme wieder, mich zu sehen, nächstes Jahr, in dem Gottes Gnade uns behütet. Tue es um des Herrn willen, was ich dir jetzt sage mit der Bitte: In der Fastenzeit des nächsten Jahres überschreite nicht den Jordan, wie in den Klöstern üblich ist.“
Es wunderte sich aber Zosimas, als er vernahm, daß sie auch den klösterlichen Brauch kannte; er sagte aber nichts, als daß er Gott pries, der so Großes gibt denen, die ihn lieben. Sie fuhr fort:
„Bleibe, wie ich dir gesagt habe, Vater, im Kloster; denn wenn du auch wolltest hinausgehen, es würde dir unmöglich sein. Am Heiligen und Großen Donnerstag, welcher an das geheimnisvolle Abendmahl Christi erinnert, nimm etwas von dem lebendigmachenden Leib und Blut Christi in ein heiliges Gefäß, würdig eines solchen Geheimnisses, bringe es mit und erwarte mich auf jener Seite des Jordans, welche nahe ist dem Dorfe, damit ich komme und die heiligen Gaben empfangen möge. Denn von der Zeit, da ich vor meinem Übergang über den Jordan in der Kirche des Vorläufers das heilige Abendmahl empfangen, habe ich mich inbrünstig danach gesehnt, habe aber bis jetzt dieses Heiligtum nicht bekommen. Jetzt aber bitte ich dich, verachte nicht mein Flehen und bringe mir das lebendigmachende göttliche Sakrament zu der Zeit, da der Herr seine Jünger zu Teilnehmern seines göttlichen Abendmahles gemacht. Dem Johannes, dem Igumenos des Klosters, in dem du wohnst, sage: Habe Acht auf dich und deine Herde, denn dort geschieht etwas, das Besserung fordert. Aber ich will, daß du es ihm nicht jetzt sagst, sondern wenn der Herr es dir befiehlt.“
Dies sagend und Gebete für sich von Zosimas erflehend, begab sie sich in das Innere der Wüste. Zosimas aber, sich bis zur Erde verbeugend, küßte die Stelle, auf der ihre Füße gestanden, Gott lobend, und kehrte zurück, lobend und preisend Christum unseren Gott. Durch die Wüste gehend kam er zum Kloster an dem Tage, als die dort wohnenden Brüder zurückkehrten. Und dieses Jahr schwieg er über alles, was er gesehen, da er niemand etwas sagen durfte, bei sich aber Gott bittend, ihn das ersehnte Angesicht wieder sehen zu lassen. Denn er war traurig und ungeduldig, wenn er an die Länge des Jahres dachte und wünschte, daß dieses Jahr nicht länger als ein Tag sein möchte, wenn es möglich sei.
Als die erste Woche der Großen Fastenzeit kam, gingen nach Sitte und Brauch des Klosters alle anderen Brüder nach vollzogenem Gebet mit Gesang in die Wüste. Zosimas aber war krank und sollte deswegen im Kloster bleiben. Dabei erinnerte er sich an die Ehrwürdige, die gesagt hatte: wenn du auch wolltest aus dem Kloster ausgehen, es würde dir nicht möglich sein. Nach einigen Tagen genas er von seiner Krankheit und blieb im Kloster. Nach Rückkehr der Brüder, als der Tag des geheimnisvollen Abendmahls Christi herangekommen war, tat Zosimas, was ihm auferlegt war: „Lege in einen Kelch von dem allerreinsten Leib und Blut unseres Heilandes.“ Er legte auch in die Tasche etwas von getrockneten Feigen und Datteln und in Wasser gequollenen Hülsenfrüchten, ging spät abends hinaus und setzte sich an das Ufer des Jordans, der Ehrwürdigen harrend. Als die Heilige zögerte, schlief Zosimas nicht ein, sondern blickte eifrig nach der Wüste, von woher die innig Ersehnte kommen mußte. Er sprach auch bei sich, sitzend, ob vielleicht eine Unwürdigkeit seinerseits sie gehindert habe zu kommen, oder ob sie etwa schon gekommen war und, da sie ihn nicht fand, zurückkehrte? Indem er also dachte, seufzte er und weinte und die Augen zum Himmel hebend betete er zu Gott mit den Worten: Verstoße mich nicht, o Gebieter, damit ich wieder sehen möge das Angesicht derjenigen, die zu sehen du mich einmal gewürdigt hast; damit ich nicht leer fortgehe, tragend meine Sünde, mir zum Vorwurf. In dieser Weise unter Tränen betend, kam er auf andere Gedanken: Was geschieht, wenn sie kommt und kein Schiff da ist; wie überschreitet sie den Jordan und kommt zu mir, Unwürdigem? O weh über meine Unwürdigkeit! Weh mir, wer hat verursacht, daß ich eines solchen Gutes entbehre? Indem er so dachte, kam die Ehrwürdige und stand auf der anderen Seite des Flusses. Zosimas stand auf, sich freuend und Gott preisend und noch in Gedanken zweifelnd, ob sie über den Jordan kommen könne. Da sah er, wie sie das Kreuzeszeichen über den Jordan machte (die ganze Nacht war Mondschein) und - sich immer bekreuzend - auf das Wasser trat und über dasselbe zu ihm dahinschritt. Er wollte sich vor ihr verbeugen, sie aber verbot es ihm indem sie, noch über das Wasser gehend, sprach:
„Was tust du, Vater, du bist ja Priester und trägst die göttlichen Geheimnisse!“
Er gehorchte; sie aber trat ans Land und sprach zu ihm: Segne, Vater, segne! Er antwortete ihr zitternd (denn er war sehr erschrocken über die wunderbare Erscheinung):
„Fürwahr, Gott ist untrüglich, indem er verspricht, diejenigen sich ähnlich zu machen, die sich selbst reinigen; Ehre sei dir, o Christus unser Gott, der du mir durch diese deine Dienerin gezeigt hast, wie weit ich von der Vollkommenheit entfernt bin!“
Da er dieses sagte, bat sie ihn, das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn zu sagen und nachdem die Gebete vollendet waren, empfing die Heilige die Mitteilung der heiligen und göttlichen Geheimnisse Christi und küßte, wie üblich, den Mönch. Dann, die Hände erhebend, seufzend und weinend rief sie aus: Nun entlässest du deine Magd nach deinem Worte in Frieden, o Gebieter, denn meine Augen haben dein Heil gesehen! Und sie sprach zu Zosimas:
„Verzeih, Vater Zosimas, und erfülle noch meinen ferneren Wunsch: kehre heute noch in dein gottgeschütztes Kloster zurück. Künftiges Jahr aber komme wieder zu dem Bache, an dem wir uns zuerst sprachen. Komm um Gottes willen und du wirst mich wieder sehen, weil Gott es so will.“
Er aber antwortete ihr:
„Ich wünschte, wenn es möglich wäre, dir zu folgen und immer dein ehrwürdiges Angesicht zu sehen; ich bitte dich aber eines zu erfüllen: Genieße ein wenig von der Nahrung, die ich mitgebracht habe.“
Dies sagend zeigte er ihr, was er in der Tasche mitgebracht hatte. Sie berührte die Hülsenfrüchte mit den Fingerspitzen und nahm drei Körner, welche sie in ihren Mund legte, und sagte:
„So ziemt es sich der geistlichen Gnade, welche das Wesen der Seele unbefleckt bewahrt.“
Und wieder sprach sie zu ihm:
„Bete zu Gott für mich, o mein Vater, bete, meiner Unseligkeit gedenkend!“
Er aber fiel ihr zu Füßen und bat sie, daß sie zu Gott für die Kirche, die Könige und für ihn beten möge. Nachdem er sie um dies unter Tränen gebeten hatte, ließ er seufzend und schluchzend geschehe daß sie ging. Er durfte sie nicht länger zurückhalten; wenn er gewollt hätte, sie hätte sich nicht halten lassen. Und sie bekreuzte sich wieder, desgleichen auch den Jordan, und schritt, wie vorher, über die Wasserfläche dahin. Zosimas aber kehrte zurück, beherrscht von Furcht und Freude, bereuend und sich Vorwürfe machend, daß er nicht nach dem Namen der Ehrwürdigen gefragt hatte. Dennoch hoffte er denselben künftiges Jahr zu erfahren.
Nachdem ein Jahr dahingegangen war, ging Zosimas wieder in die Wüste, erfüllte alles, wie vorgeschrieben und harrte der wunderbaren Erscheinung. Nachdem er die Wüste durchschritten hatte, erblickte er einige Kennzeichen, welche die gesuchte Stelle erkennen ließen und sah sich rechts und links um, und suchte überall mit den Augen, wie ein geschickter Jäger nach der Jagdbeute ausblickt. Nirgend aber etwas, das sich bewegte, sehend, begann er zu weinen, richtete die Augen nach oben, betete zu Gott und sprach: Zeige mir, Gott, deinen wunderbaren unentwendbaren Schatz, den du in dieser Wüste verborgen hast. Zeige mir, ich flehe zu dir, den Engel im Fleische, dem man die ganze Welt nicht vergleichen kann. So betend kam er zu der Stelle, wo der Bach war und stellte sich an das Ufer und sah gegen Osten die Ehrwürdige tot daliegen, die Hände, wie sich gebührt, zusammengelegt, mit nach Morgen gerichtetem Gesicht. Er nahte sich ihr und benetzte die seligen Füße mit seinen Tränen, nicht wagend einen anderen Teil ihres Körpers zu berühren. Viel weinend und die bei dieser Gelegenheit üblichen Psalmen hersagend, vollzog er die Begräbnisgebete, sagte aber bei sich: Soll ich den Körper der Ehrwürdigen begraben? Es möchte der Seligen vielleicht nicht wohlgefällig sein. So denkend sah er neben ihrem Haupte folgendes auf die Erde geschrieben: Begrabe, Vater Zosimas, an dieser Stelle den Leib der demütigen Maria, gib zurück die Erde der Erde, bete aber zu Gott, für mich, die dahingeschieden im ägyptischen Monat Pharmuti, nach römischer Rechnung am 1. April, in der Nacht des heilbringenden Leidens Christi, nach dem Empfang des göttlichen geheimnisvollen Abendmahles.
Nachdem Zosimas diese Handschrift gelesen hatte, fragte er bei sich, wer hat dies geschrieben? Denn sie hat selbst gesagt, daß sie nicht schreiben könne. Aber er freute sich sehr, daß er den Namen erfahren hatte. Er erkannte aber auch, daß, als er ihr die heiligen göttlichen Sakramente am Jordan erteilte, dies in derselben Stund geschah, wo sie starb. Und den Weg, den er in zwanzig Tagen mit Mühe zurücklegte, den hatte Maria in einer einzigen Stunde durchwandert und war gleich zu Gott dahingeschieden. Gott preisend und die Erde und den Körper der Ehrwürdigen mit Tränen benetzend sprach er bei sich: Es ist Zeit, das dir befohlene zu vollziehen. Aber wie magst du, Unseliger, ein Grab zu graben, da du nichts in deinen Händen hast?! Als er dies sagte, sah er nicht weit davon ein kleines Stück Holz in der Wüste liegen, welches er nahm und mit dem er zu graben begann. Die Erde aber war ausgetrocknet und wollte nicht nachgeben dem sich Mühenden, welcher grub, mit Schweiß bedeckt, aber keinen Erfolg hatte. Seufzend aus innerster Seele bemerkte er einen großen Löwen, der vor dem Körper der ehrwürdigen Maria stand und ihre Füße beleckte; er war von Angst erfüllt, besonders, als er sich erinnerte, daß die Selige gesagt, sie habe niemals Tiere gesehen: sich bekreuzend glaubte er, er werde unversehrt bleiben durch die Kraft der Liegenden. Der Löwe begann aber sich sachte dem Greise zu nähern und schmeichelte mit sanften Bewegungen, als ob er küssen wollte. Da sagte Zosimas zu dem Löwen: O du Tier, diese Große hat mir befohlen, ihren Leib zu begraben, aber ich bin alt und kann das Grab nicht ausgraben und habe kein passendes Werkzeug dazu. Und ich bin in solcher Entfernung vom Kloster, daß ich nicht schnell zurückkommen und es herholen kann. Grabe daher du mit deinen Tatzen das Grab aus, damit ich der Erde den Leib der Ehrwüdigen übergebe.
Sofort grub der Löwe, diese Worte vernehmend, mit den vorderen Tatzen eine Öffnung, die genügte, um die zu Bestattende zu bergen. Wieder wusch der Greis die Füße der Ehrwürdigen mit seinen Tränen und sie viel bittend, für alle zu beten, bedeckte er mit Erde ihren Leib, der nackt und nur oben mit dem von Zosimas geschenkten zerrissenen Kleide bedeckt war. Beide gingen fort. Der Löwe in das Innere der Wüste, still wie ein Schaf, Zosimas aber kehrte zu den Seinen zurück, segnend und lobend Christum unsern Gott.
Nachdem er zum Kloster gekommen, erzählte er allen Mönchen von der ehrwürdigen Maria, nichts verhehlend von dem, was er gesehen und von ihr gehört, so daß alle Hörenden die großen Taten Gottes hoch priesen und mit Furcht, Glaube und Liebe ihr Gedächtnis begingen und den Tag des Hinscheidens der Ehrwürdigen Maria verherrlichten. Der Igumenos Johannes aber fand einiges, was nach dem Worte der Ehrwürdigen zu verbessern war, und besserte dies mit Hilfe Gottes.
Zosimas erreichte ein gottwohlgefälliges Leben, nahe an 100 Jahre, und er endete dieses zeitliche Leben in dem Kloster und schied hinüber in das Ewige zum Herrn.
Und die Mönche dieses Klosters hinterließen dies ungeschrieben, sondern mündlich zu allgemeinem Nutzen allen Hörenden. Jetzt habe ich, spricht der heilige Sophronios, das ungeschrieben Empfangene der Schrift übergeben. Ob einige andere das Leben der Ehrwürdigen geschrieben, mehr in dasselbe eingeweiht, das ist nicht zu meiner Kenntnis gelangt. Ich aber habe, wie ich nach Maßgabe meiner Kräfte konnte, geschrieben, nichts weiter verfolgend, als die Wahrheit der Erzählung. Gott, der hochherrliche Wunder tut und mit großen Gaben belohnt die, welche gläubig zu ihm kommen, möge geben den Lohn, Nutzen zu gewinnen aus dieser Geschichte, denen, die sie lesen und hören und sich bemühen, diese Erzählung niederzuschreiben und möge dieselben würdigen des guten Teils dieser seligen Maria mit allen, die in Gottesfurcht und guten Werken ihm wohlgefallen haben von Ewigkeit.
Mögen auch wir Ruhm geben Gott, dem ewigen König, damit er auch uns würdige, Gnade zu finden am Tage des Gerichtes vor Jesu unserm Herrn, dem da gebühret alle Herrlichkeit und Macht und Anbetung, samt dem Vater und dem allheiligen lebendigmachenden Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeiten, Amen.

Kleine Ektenie

D: Wieder und wieder in Frieden lasst uns beten zum Herrn.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Zu jeder Fürbitte.
D: Stehe bei, errette, erbarme Dich und behüte uns, o Gott, durch Deine Gnade.
D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und herrlichen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immer-Jungfrau Maria mit allen Heiligen eingedenk, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn Du bist der König des Friedens und der Erlöser unserer Seelen, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.

Kondak und Ikos

Ton 6. Kondak des Triodions. (Traditionsgemäß betet man dieses Kondak während der Lesung des Großen Kanons kniend.)
Meine Seele, meine Seele, stehe auf. Warum schläfst du? Es nahet das Ende. Dann wirst du wehklagen. Sei also nüchtern, dass Christus deiner schone, der Gott, der an allen Orten zugegen ist, der alles erfüllt.
Ikos.
Da er die Heilsstatt Christi geöffnet erblickte und die Heilung, die aus ihr dem Adam erquoll, da hat der Teufel gelitten, da ward er verwundet. Und da er sich verloren sah, wehklagte er und rief seinen Genossen zu: Was soll ich tun mit dem Sohne Marias? Es tötet mich der Bethlehemit, der an allen Orten zugegen ist, der alles erfüllt.

Seligpreisungen, Ton 6

Der Gesang der Seligpreisungen an dieser Stelle ist eine Besonderheit der Gottesdienste des Großen Kanons und des Karfreitags. Daher sollte er nicht ausgelassen werden.
Ch: In Deinem Königtum gedenke unser, o Herr, wenn Du kommst in Deinem Königtum.
Den Räuber hast du, o Christus, als er am Kreuze das »Gedenke meiner« zu dir hinaufrief, im Voraus zum Bürger des Paradieses gemacht. Mach auch mich Unwürdigen seiner Reue würdig.
Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Königtum der Himmel.
Von Manoe hast du gehört, meine Seele, dem Gott einst erschienen und der aus einer Unfruchtbaren damals empfing die Frucht der Verheißung. Seine Frömmigkeit lasst uns nachahmen.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Samsons Leichtsinn hast du nachgestrebt, ließest dir den Glanz deiner Taten entreißen, о Seele, hast durch Wollust der Enthaltsamkeit seligen Wandel den Feinden verraten.
Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
Der mit des Esels Kinnbacke einst die Feinde überwunden, ward nun als Opfer lüsterner Geilheit erfunden. Wohlan, meine Seele, seinen Wandel, sein Werk, seine Üppigkeit fliehe.
Selig die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden; denn sie werden gesättigt werden.
Barak und Jephte, die Heerführer, wurden als Israels Richter vorher bestimmt. Unter ihnen Debora, die mutig war wie ein Mann. In ihren Tugenden, Seele, werde zum Manne, in ihnen sei stark.
Selig die Erbarmungsreichen; denn sie werden Erbarmen finden.
Jaels Tapferkeit hast du erkannt, meine Seele, die den Sisara einst mit dem Zeltpflock tötete und die Rettung bewirkte. Hast gehört von dem Pfahle, in dem dir bildlich das Kreuz erscheint.
Selig die Reinen im Herzen; denn sie werden Gott schauen.
Ein lobenswürdiges Opfer opfere, Seele, wie eine Tochter, reiner als Jephtes Tochter, bring dar die Tat. Und schlachte deinem Herrn als Opfer die Leidenschaften des Fleisches.
Selig die Reinen im Herzen; denn sie werden Gott schauen.
Erkenne Gideons Vließ, meine Seele. Vom Himmel empfange den Tau, beuge vorn-über dich wie ein Hund, und trinke das Nass, das bei Verdrängung der Buchstaben dem Gesetze entquillt.
Selig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten; denn ihrer ist das Königtum der Himmel.
Elis, des Priesters Fluch, meine Seele, zogst du dir zu durch den Mangel an Mut, hast die Leidenschaften in dir geduldet, wie jener seine Kinder ließ Böses vollbringen.
Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und jegliches böse Wort wider euch lügnerisch reden um meinetwillen.
Unter den Richtern hat ein Levit sein Weib den zwölf Stämmen in gleiche Stücke zerschnitten gesandt, meine Seele, dass sein Abscheu über die Sünde des Benjamin Stammes siege.
Freut euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß in den Himmeln.
Anna, der Züchtigkeit Freundin, bewegte betend die Lippen zum Lobe. Doch ihre Stimme erklang nicht. Aber gleichwohl, wenn sie auch unfruchtbar war, gebiert sie einen Sohn, der des Flehens würdig ist.
Gedenke unser, o Herr, wenn Du kommst in Deinem Königtum.
Unter die Richter wurde Annas Kind, der große Samuel, gezählt, der aus Armathem stammte und aufwuchs im Hause des Herrn. Ihn lass Mahner dir sein, meine Seele, und richte deine Werke vor denen der anderen.
Gedenke unser, o Herr, wenn Du kommst in Deinem Königtum.
David, zum König erkoren, ward königlich gesalbt mit dem Horne heiligen Öles. Willst du also das himmlische Reich, meine Seele, so salbe dich mit der Narde der Tränen.
Gedenke unser, o Herr, wenn Du kommst in Deinem Königtum.
Erbarme dich deines Gebildes, Erbarmer. Hab Mitleid mit dem Werk deiner Hände und schone aller, die sündigten, auch meiner, der mehr als alle deine Gebote verachtet hat.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste.
Triadikon: In anfangsloser Zeugung, in anfangslosem Ausgang verehre ich den Vater, den Zeugenden, und preise ich den Sohn, den Gezeugten, und besinge in Hymnen den Heiligen Geist, der zugleich mit dem Vater und mit dem Sohne erstrahlt.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Theotokion: Ihn, der übernatürlich geboren wurde aus dir, verehren wir. Deines Kindes natürlichen Ruhm teilen wir nicht, Gebärerin Gottes. Denn, der Einer in seiner Person, wird zweifach in den Naturen gepriesen.
Vor der Gottesmutterikone der Ikonostase ruft der Diakon aus:
D: Die Gottesgebärerin und Mutter des Lichtes besingen und erheben wir in Hymnen.
Danach weihräuchert er die Kirche.

Lied der allheiligen Gottesgebärerin.

Ch: Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland.
Refrain: Die du geehrter bist als die Cherubim / und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim, / die du unversehrt Gott, das Wort, geboren hast, / wahrhafte Gottesgebärerin, dich erheben wir. Zu jedem Vers.
Er hat hingesehen auf die Niedrigkeit Seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter.
Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist Sein Name, und Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht über die, so Ihn fürchten.
Er hat Macht geübt mit Seinem Arm; Er hat zerstreut, die hochmütig sind in ihres Herzens Sinn.
Er hat Gewaltige von den Thronen gestoßen und Niedrige erhöht. Hungrige hat Er mit Gütern erfüllt und Reiche läßt Er leer ausgehen.
Er hat Sich Israels, Seines Knechtes, angenommen, zu gedenken der Barmherzigkeit, wie Er geredet hat zu unseren Vätern, zu Abraham und seiner Nachkommenschaft in die Ewigkeit.

Kleine Ektenie

D: Wieder und wieder in Frieden lasst uns beten zum Herrn.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Zu jeder Fürbitte.
D: Stehe bei, errette, erbarme Dich und behüte uns, o Gott, durch Deine Gnade.
D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und herrlichen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immer-Jungfrau Maria mit allen Heiligen eingedenk, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn Dich rühmen alle Kräfte der Himmel, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
Ton 3.
auf die Gebete Deines Vorläufers // und erbarme Dich meiner.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste.
auf die Gebete Deiner Heiligen, Herr, // und errette mich.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
auf die Gebete der Gottesgebärerin, Herr, // und errette mich.

Lobpsalmen im 8. Ton

1. Ch: Aller Odem lobe den Herrn. Lobet den Herrn in den Himmeln, lobet Ihn in den Höhen. Dir gebührt Lobgesang, o Gott.
2. Ch: Lobet Ihn all Seine Engel, lobet Ihn, all Seine Heerscharen, Dir gebührt Lobgesang, o Gott.
Es folgen die Lobpsalmen mit Stichiren. Die Psalmen werden in der Gemeindepraxis ausgelassen.
Lektor, Psalm 148: Lobet Ihn, Sonne und Mond, lobet Ihn, all ihr Sterne und das Licht. Lobet Ihn, ihr Himmel aller Himmel, lobet Ihn, ihr Wasser über den Himmeln. Sie sollen loben den Namen des Herrn; denn Er sprach, und sie wurden geboren, Er gebot, und sie waren geschaffen. Er machte sie fest auf immer und ewig; Er setzte eine Ordnung ein, die nicht vergehen wird. Lobet den Herrn von der Erde her, ihr Ungetüme und Urtiefen alle. du Feuer und Hagel, Schnee und Eis, du Sturmwind, die ihr Sein Wort ausrichtet. ihr Berge und Hügel allzumal, ihr Fruchtbäume und Zedern alle, ihr wilden Tiere und ihr zahmen, du Gewürm und ihr, beschwingte Vögel. Ihr Könige der Erde und all ihr Völker, ihr Fürsten und Richter der Erde zumal, ihr Jünglinge und Jungfrauen alle, ihr Greise mitsamt den Kindern. Sie sollen loben den Namen des Herrn; denn Sein Name allein ist erhaben, Seine Hoheit geht über Erde und Himmel; Er wird die Stirn Seines Volkes erhöhen. Das ist der Hymnus all Seiner Heiligen, der Söhne Israels, des Volkes, das Ihm nahe ist.
Psalm 149: Singt dem Herrn ein neues Lied, Sein Lob sei in der Gemeinde der Gottseligen. Frohgemut sei Israël über Den, Der es geschaffen, und die Kinder Sions sollen ob Ihres Königs frohlocken. Loben sollen sie Seinen Namen im Reigen mit Handpauke und Psalter Ihm spielen; denn Wohlgefallen hat der Herr an Seinem Volk, und Er wird die Sanftmütigen mit Errettung erhöhen. Rühmen werden sich die Gottseligen in Herrlichkeit, und sie werden frohlocken auf ihren Lagern. Die Erhöhungen Gottes sind in ihrer Kehle und zweischneidige Schwerter in ihren Händen, um Rache zu üben an den Nationen und Strafen an den Völkern, um ihre Könige mit Fesseln zu binden und ihre Herrlichen mit eisernen Handfesseln.
Stichiren werden gesungen.
Zu 6: Um an ihnen zu üben geschriebenes Gericht; diese Herrlichkeit wird zuteil werden all Seinen Gottseligen.
Psalm 150: Lobet Gott in Seinen Heiligen; lobet Ihn in der Feste Seiner Macht.
Zu 4: Lobet Ihn ob Seiner machtvollen Taten; lobet Ihn nach der Fülle Seiner Größe.
Lobet Ihn mit dem Schall der Posaune; lobet Ihn mit Psalter und Harfe.
Ton 8. Stichiren des Triodions.
Räuberischen Angriffen fielst du anheim, meine Seele. Schlimm bist du durch eigene Fehler verwundet, der Feinde Torheit ausgeliefert. Wohlan, jetzt hast du günstige Gelegenheit. Ruf in Zerknirschung: Hoffnung du der Hoffnungslosen, der Verzweifelten Leben, Heiland, richte mich auf, sei mein Erretter.
Zu 2: Lobet Ihn mit Handpauke und Reigen; lobet Ihn mit Saiten und Instrument.
Räuberischen Angriffen fielst du anheim, meine Seele. Schlimm bist du durch eigene Fehler verwundet, der Feinde Torheit ausgeliefert. Wohlan, jetzt hast du günstige Gelegenheit. Ruf in Zerknirschung: Hoffnung du der Hoffnungslosen, der Verzweifelten Leben, Heiland, richte mich auf, sei mein Erretter.
Lobet Ihn mit wohltönenden Zimbeln; lobet Ihn mit Zimbeln des Jubels. Aller Odem lobe den Herrn.
(Märtyrer-Gesang)
Mit dem Harnisch des Glaubens herrlich bekleidet und mit dem Zeichen des Kreuzes bewaffnet, habt ihr euch als starke Streiter erwiesen. Den Tyrannen widerstandet ihr mannhaft, und des Teufels Trug habt ihr vernichtet. Ihr erranget den Sieg, darum wurdet ihr gewürdigt der Kränze. Flehet immer für uns um unserer Seelen Errettung.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Im selben Ton. Theotokion des Triodions.
Nimm an die Stimmen deiner Knechte, allreine Jungfrau, Gebärerin Gottes, und ohne Ende flehe um unserer Fehler Vergebung, um Frieden für uns.

Kleine Doxologie

L: Ehre Dir, der Du zeigest das Licht.
Ehre Gott in den Höhen, und auf Erden Friede, an den Menschen Wohlgefallen. Dich preisen wir, Dich segnen wir, Dich beten wir an, Dich verherrlichen wir, Dir danken wir ob Deiner großen Herrlichkeit. Herr, himmlischer König, Gott Vater, Allherrscher, Herr, einziggezeugter Sohn, Jesus Christus, und Heiliger Geist. Herr, Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der Du hinwegnimmst die Sünde der Welt; erbarme Dich unser, der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt. Nimm an unser Gebet, der Du sitzest zur Rechten des Vaters, und erbarme Dich unser. Denn Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes des Vaters. Amen.
An jedem Abend will ich Dich segnen und Deinen Namen loben auf ewig und auf immer und ewig. Herr, zur Zuflucht bist Du uns geworden von Geschlecht zu Geschlecht. Ich sprach: Herr, erbarme Dich meiner, heile meine Seele; denn Dir habe ich gesündigt. Herr, zu Dir habe ich mich geflüchtet, lehre mich Deinen Willen zu tun; denn Du bist mein Gott. Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte werden wir schauen das Licht. Breite aus Dein Erbarmen denen, die Dich kennen.
Würdige uns, Herr, in dieser Nacht sündlos bewahrt zu werden. Gesegnet bist Du, Herr, Gott unserer Väter, und gelobt und verherrlicht ist Dein Name in Ewigkeit. Amen.
Dein Erbarmen, Herr, komme über uns, wie wir gehofft haben auf Dich. Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Satzungen. Gesegnet bist Du, Gebieter, lass mich verstehen Deine Satzungen. Gesegnet bist Du, Heiliger, erleuchte mich durch Deine Satzungen. Herr, Dein Erbarmen währet auf ewig, sieh’ nicht hinweg über die Werke Deiner Hände. Dir gebührt Lob, Dir gebührt Preisgesang, Verherrlichung gebühret Dir, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.

Bittektenie

D: Lasst uns vollenden unser Morgengebet zum Herrn.
     Ch: Herr, erbarme Dich. Zu jeder Fürbitte.
D: Stehe bei, errette, erbarme Dich und behüte uns, o Gott, durch Deine Gnade.
D: Dass der ganze Abend vollkommen sei, heilig, friedvoll und sündlos, lasst uns vom Herrn erflehen.
     Ch: Gewähre es, o Herr. Zu jeder Fürbitte.
D: Einen Engel des Friedens, einen treuen Führer, einen Beschützer unserer Seelen und Leiber lasst uns vom Herrn erflehen.
D: Verzeihung und Vergebung unserer Sünden und Verfehlungen lasst uns vom Herrn erflehen.
D: Das Gute und Heilsame für unsere Seelen und Frieden für die Welt lasst uns vom Herrn erflehen.
D: Die übrige Zeit unseres Lebens in Frieden und Buße zu vollenden, lasst uns vom Herrn erflehen.
D: Ein christliches Ende unseres Lebens, ohne Schmerz, ohne Schande, in Frieden, und eine gute Rechenschaft vor dem furchtbaren Richterstuhl Christi lasst uns erflehen.
D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und herrlichen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immer-Jungfrau Maria mit allen Heiligen eingedenk, wollen wir uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn ein Gott des Erbarmens, des Mitleids und der Menschenliebe bist Du, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
P: Friede allen. (Der Priester segnet.)
     Ch: Und deinem Geiste.
D: Neigen wir unsere Häupter dem Herrn.
     Ch: Dir, o Herr.
P: Denn Dir ist es eigen, Dich zu erbarmen und zu retten, und zu Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
Ton 8. Stichire des Triodions.
Räuberischen Angriffen fielst du anheim, meine Seele. Schlimm bist du durch eigene Fehler verwundet, der Feinde Torheit ausgeliefert. Wohlan, jetzt hast du günstige Gelegenheit. Ruf in Zerknirschung: Hoffnung du der Hoffnungslosen, der Verzweifelten Leben, Heiland, richte mich auf, sei mein Erretter.
Erfüllt wurden wir des Morgens von deinem Erbarmen, Herr, wir frohlockten und waren frohgemut an allen unseren Tagen. Mögen wir frohgemut sein für die Tage, da du uns gedemütigt hast, für die Jahre, da wir Übles sahen. Schau doch auf deine Knechte und auf deine Werke, und führe ihre Kinder.
(Märtyrer-Gesang)
Mit dem Harnisch des Glaubens herrlich bekleidet und mit dem Zeichen des Kreuzes bewaffnet, habt ihr euch als starke Streiter erwiesen. Den Tyrannen widerstandet ihr mannhaft, und des Teufels Trug habt ihr vernichtet. Ihr erranget den Sieg, darum wurdet ihr gewürdigt der Kränze. Flehet immer für uns um unserer Seelen Errettung.
Es komme der Glanz des Herrn, unseres Gottes, über uns, und lenke die Werke unserer Hände bei uns, ja, lenke das Werk unserer Hände.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geiste.
Im selben Ton. Theotokion des Triodions.
Nimm an die Stimmen deiner Knechte, allreine Jungfrau, Gebärerin Gottes, und ohne Ende flehe um unserer Fehler Vergebung, um Frieden für uns.
Gut ist es, den Herrn zu bekennen und Deinem Namen zu singen, o Höchster, zu verkünden am Morgen Dein Erbarmen und Deine Wahrheit des Nachts.

Trishagion bis Vater unser

     L: Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Allheilige Dreiheit, erbarme Dich unser. Herr, sei gnädig ob unserer Sünden. Gebieter, verzeih uns unsere Gesetzlosigkeiten. Heiliger, suche unsere Schwächen heim und heile sie um Deines Namens willen.
Herr, erbarme Dich, dreimal.
Ehre dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Vater unser, der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name. Dein Königtum komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser notwendiges Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
P: Denn Dein ist das Königtum und die Macht und die Herrlichkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
     Ch: Amen.
Tropar des Horenbuchs.
Im Tempel deiner Ehre stehend, glauben wir, im Himmel zu stehen, Gottesgebärerin. Tür des Himmels, öffne uns die Türen deiner Barmherzigkeit.

ENDE, UND GOTT DIE EHRE.




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