Orthodoxe Gottesdienste

Triodion. Karwoche. Montag.

Der Hl. und Große Montag

Synaxarion
Als fruchtlosen Feigenbaum erwies Christus die Synagoge der Juden, die auf sein Wort hin verdorrt.
Lasset uns fliehen deren Leidenschaften.
Am Heiligen und Großen Montag gedenken wir des wunderbaren Josephs und des verdorrten Feigenbaumes, denn nun beginnen die Leiden unseres Herren Jesu Christi. Zuvor aber wird das Bild des Joseph dargestellt. Er war der jüngste Sohn des Patriarchen Jakob, und Rahel hatte ihn geboren. Seine Brüder neideten ihm, denn er hatte die Gabe, Traumgesichte recht zu deuten. Sie verbargen ihn in einer Grube und täuschten den Vater durch ein blutgetränktes Gewand, als sei Joseph von wilden Tieren zerrissen worden. Um dreißig Silberlinge verkauften sie ihn an die Ismaeliter, die ihn an Potiphar, den Obersten der Leibwache des Pharaos weiterverkauften. Seine Herrin wollte der Unberührtheit des Joseph Gewalt antun, dieser aber ließ seine Kleider zurück und entfloh. Da verleugnete die Herrin ihn vor dem Pharao, und Joseph wurde mit Ketten in das tiefste Gefängnis geworfen. Vor dem Herrscher muss er erscheinen, Traumbilder zu deuten, und erhält große Macht im Lande der Ägypter. An dem, wie er Weizen spendet, erkennen ihn seine Brüder. Alles erfüllte er in seinem Leben wohlgefällig und verschied in Ägypten. Groß und weise nannten ihn auch alle anderen. Er war fürwahr ein Bild Christi, denn auch Christus wurde von seinen Landsleuten, den Juden, gehasst, wurde von einem seiner Jünger um dreißig Silberlinge verkauft und in eine arge und finstere Grube, in das Grab, verschlossen. Aus diesem ist er aus eigener Kraft auferstanden und herrschet nun über Ägypten. Er überwindet eine jede Sünde vollkommen und regiert das All. Menschenliebend kauft er uns frei durch das geheimnisvolle Darreichen des Weizens. Er selbst gab sich für uns dahin und nährt uns mit dem himmlischen Brot, mit seinem lebensspendenden Leib. Deshalb nehmen wir heute die Worte über den wundersamen Joseph auf.
Gedenken wir nun des verdorrten Feigenbaumes, über diesen berichten die göttlichen Evangelisten Matthäus und Markus im Zusammenhang mit der Kunde vom Einzug des Herren in Jerusalem. Der eine sagt: Da sie aus Bethanien gingen, hungerte ihn. Der andere schreibt: Als er aber des Morgens wieder in die Stadt ging, hungerte ihn. Und er sah einen Feigenbaum und fand nichts daran als allein Blätter, denn es war nicht die Zeit für Feigen. Und da er keine Frucht fand, sprach er: Nun wachse auf dir hinfort nimmermehr Frucht. Und alsbald verdorrte der Feigenbaum. Der Feigenbaum ist ein Bild der Synagoge der Juden, in welcher der Erlöser keinerlei würdige Früchte fand, nur bedrückende Gesetze.
Vom Gesetz selbst hatten sie sich abgewandt, und so waren sie untätig geworden. Es mag manchen verwundern, weshalb ein seelenloser Baum verurteilt wurde und verdorren musste, ohne gesündigt zu haben. Diese sollen nun bedenken, dass die Juden mehrere Jahre den Herren gesehen hatten, wie er ihnen allein Gutes tat und niemanden je kränkte. Sie sollen nachsinnen, dass Christus aus seiner Kraft nur Segenbringendes vollbrachte, Arges jedoch in keiner Weise. Als menschenliebender Gebieter wollte er das Bild nicht an einem Menschen erweisen, auf dass das undankbare Volk den Glauben an seine Macht gewönne, die freiwilligen und schrecklichen Leiden zu erdulden. Als Gütiger wollte er die Qual nicht an der in ihrer Seele verhärteten und gefühllosen Schöpfung vollziehen. Hierzu kennen wir ein wunderbares Wort, welches uns die heiligen Väter überlieferten. Isidor von Pelusium spricht: Der Baum der Versuchung war es, der den Sündern Blätter gab, sich zu bedecken. Nun verurteilte der menschenliebende Christus den Feigenbaum, weil jener Baum, der Sünde schuldig, einst nicht gestraft wurde. Offenkundig ist, weshalb der Feigenbaum das Bild der Sünde wurde: Er macht angenehm die Leidenschaften und verführt zur Sünde, die das Gewissen verhärtet und kränkt. Zur Zerknirschung unserer Herzen haben die Väter das Bild des Feigenbaumes hier dargeboten, wie auch jenes des Joseph, der ein Bild Christi war. Jede Seele gleicht solchem Feigenbaum, wenn sie keine geistigen Früchte trägt. Findet der Herr in der Frühe nach diesem irdischen Leben der Seele in ihr keinen Ort der Ruhe, so wird er sie durch sein Wort verdorren lassen und sie in das ewige Feuer senden. Erhalten bleiben wird ein toter Stamm, allen zur Warnung, die keine Früchte der Tugenden wachsen lassen.
Um der Fürbitten willen des wunderbaren Josephs erbarme dich unser, о Gott. Amen.


ENDE, UND GOTT DIE EHRE.


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