Orthodoxe Gottesdienste

Triodion. Karwoche. Freitag.

Der Hl. und Große Freitag. Karfreitag

Stichiren zu "Herr ich schrie"
Ton 2. ( übersetzt von Erzp. Serius Heitz )
Es versammelt sich schon der Hohe Rat, / den Bildner und Schöpfer des Alls Pilatus zu überliefern. / O die Gesetzlosen! O die Glaubenslosen! / Sie wollen vor Gericht bringen den, / der kommt, zu richten die Lebendigen und die Toten. / Sie bereiten zum Leiden den, der die Leiden heilt. // Langmütiger Herr, groß ist dein Erbarmen, Ehre dir!
Judas, der Gesetzlose, o Herr, der beim Mahl die Hand mit dir in die Schüssel tauchte, / streckte frevelhaft die Hände aus, Geld zu empfangen, / und der den Preis des Myron einschätzte, schreckte nicht davor zurück, / dich, den Unschätzbaren, zu verkaufen. / Der die Füße entblößte, dass der Herr sie ihm wasche, / küsste den Gebieter betrügerisch, um ihn zu verraten an die Gesetzlosen. / Der dem Chor der Apostel zugezählt war / und die dreißig Silberlinge zählte. / Er sah deine Auferstehung nicht. // Durch diese erbarme dich unser.
Judas, der betrügerische Verräter, / mit arglistigem Kuss verriet er den Herrn und Erlöser. / Den Gebieter des Alls verkaufte er wie einen Sklaven den Frevlern, / wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt, folgte der Herr. / O Lamm Gottes, o Sohn des Vaters, // einzig Erbarmungsvoller!
Judas, der Sklave und betrügerische Mörder, / der Nachfolger und Nachsteller, der Freund und Verräter, / er offenbarte sich in seinen Werken. / Er folgte dem Meister und sann darauf, ihn zu verraten. / Er sprach bei sich selbst: / „Ich werde ihn verraten und das gesamte Vermögen besitzen.“ / Er suchte auch das Myron zu verkaufen, / und Jesus durch Arglist in seine Gewalt zu bekommen. / Er gab den Kuss und übergab Christus. / Und wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt, // folgte Er, der einzig Barmherzige und Menschenliebende.
Das von Isaiah verkündete Lamm / begab sich freiwillig zur Schlachtbank. / Er bot dar den Rücken den Geißelhieben die Schultern den Wunden. / Sein Antlitz wandte Er nicht ab vor der Schande des Bespeiens. / Zum schimpflichen Tod wird Er verurteilt. / Alles nimmt der Sündenlose willig auf sich, // um allen zu schenken die Auferstehung von den Toten.
Ton 6.
Jetzt, Theotokion: Judas ist fürwahr ein Kind der Nattern, die das Manna in der Wüste aßen und wider den Ernährer murrten. Denn noch waren die Speisen in ihrem Munde, da verlästerten die Undankbaren ihren Gott. Und dieser Gottvergessene trug das Himmelsbrot im Munde und verübte wider den Heiland den Verrat. O der unersättlichen Gesinnung, der unmenschlichen Bosheit. Er verkaufte den, der ihn nährte, und den Herrn, den er liebte, übergab er dem Tod. Wahrlich der Gesetzlose ist ein Sohn jener, und mit ihnen erkor er sich das Verderben. Wohlan, Herr, bewahre vor solcher Unmenschlichkeit unsre Seelen, denn du bist allein voll unvergleichlicher Langmut.
Parimien
Lesung aus dem Buch Exodus
Ex 19, 10-19 ( Stelle lesen: Ex 19, 10-19 )
Lesung aus dem Buch Hiob
Hiob 38, 1-23; 42, 1-5 ( Stelle lesen: Hiob 38, 1-23; 42, 1-5 ( Stelle lesen: Hiob 38, 1-23 sowie Hiob 42, 1-5 ) )
Lesung aus der Prophetie von Jesaias
Jes 50, 4-11 ( Stelle lesen: Jes 50, 4-11 )
Stichiren zur Stichovna
Ton 1.
Alle Schöpfung ward verwandelt vor Furcht, / als sie dich, Christus, am Kreuz hängen sah. / Die Sonne ward verfinstert, / und erschüttert wurden die Grundfesten der Erde. / Das All litt mit dem, der das All erschaffen hat. / Der du freiwillig aus Liebe zu uns es auf dich genommen, // Herr, Ehre dir.
Sie verteilten unter sich Meine Kleider, / und über Mein Gewand warfen sie das Los.
Ton 2.
Das gottlose und gesetzlose Volk, / wozu sinnet es Eitles? / Warum verurteilte es das Leben aller zum Tode? / Sehr mụß man staunen, daß der Schöpfer der Welt in die Hände der Sünder übergeben wird, / daß der Menschenfreund am Kreuze erhöht wird, / damit er die im Hades Gefesselten zur Freiheit führe, / sie, die da rufen: // Langmütiger Herr, Ehre dir.
Sie gaben Galle zu Meiner Speise, und in Meinem Durst tränkten sie Mich mit Essig.
Als heute die untadelige Jungfrau dich am Kreuze erhöht schaute, o Wort, / da ward sie, klagend in ihrem Muttergemüte, heftig im Herzen verwundet. / Und schmerzlich seufzend aus der Tiefe der Seele, / ward sie entkräftet durch Wehen, die sie nicht bei ihrem Gebären erfahren. / Darum rief sie auch unter reichen Zähren klagend hinauf: / Wehe mir, göttliches Kind. / Weh mir, Licht der Welt. / Warum entschwandst du meinen Augen, Lamm Gottes? / Darum wụrden auch von Beben die Heere der Körperlosen ergriffen und riefen: // Unbegreiflicher Herr, Ehre dir.
Gott ist unser König vor aller Zeit; Er hat Errettung gewirkt inmitten der Erde.
Da dich, den Schöpfer und Gott aller, o Christus, / am Kreuz hängen sah, die dich jungfräulich geboren, / rief traurig sie: Mein Sohn, wohin entsank die Schönheit deiner Gestalt? / Ich ertrạge es nicht, zu sehen, wie du ungerecht gekreuzigt wirst. / Eile denn, stehe auf, damit auch ich nach drei Tagen // deine Auferstehung von den Toten schaue.
Ton 8.
Ehre: Herr, da du das Kreuz bestiegest, / hat Furcht und Beben die Schöpfung befallen. / Zwar hast du die Erde gehindert, die zu verschlingen, die dich gekreuzigt, / doch dem Hades befohlen, / die Gefesselten zu entlassen zu der Sterblichen Wiedergeburt. / Richter der Lebenden und der Toten, / Leben kamst du zu bringen und nicht Tod. // Menschenfreund, Ehre dir.
Ton 6.
Jetzt, Theotokion: Schon wird von den ungerechten Richtern / die Feder eingetaucht für das Urteil, / und Jesus wird gerichtet und verurteilt zum Kreuze. / Es leidet die Schöpfung, da sie den Herrn am Kreuze schauet. / Du leidest in der Natur des Fleisches aus Liebe zu mir, // gütiger Herr, Ehre dir.
Tropar
Ton 8. ( des Kardonnerstags )
Als die herrlichen Jünger durch die Waschung beim Mahle erleuchtet wurden, / ward der gottvergessene Judas, der an Geldgier krankte, verfinstert. / Und er überlieferte Dich, den gerechten Richter, gesetzlosen Richtern. / Schaue den Freund des Geldes, der seinetwegen nach der Schlinge griff. / Fliehe die unersättliche Seele, die solcher Tat sich vermaß wider den Meister. // Du bist gut, mehr als alle, Herr, Ehre Dir.
Sedalen 1
Ton 7.
Als du beim Mahle die Jünger nährtest / und das Hereinbrechen des Verrates erkanntest, / hast du beim Mahle Judas entlarvt, / da du um seine Unverbesserlichkeit wußtest. / Allen wolltest du zu erkennen geben, daß du dich in freiem Willen verraten ließest, / um die Welt dem Feind zu entreißen. // Langmütiger Herr, Ehre dir.
Als du beim Mahle die Jünger nährtest / und das Hereinbrechen des Verrates erkanntest, / hast du beim Mahle Judas entlarvt, / da du um seine Unverbesserlichkeit wußtest. / Allen wolltest du zu erkennen geben, daß du dich in freiem Willen verraten ließest, / um die Welt dem Feind zu entreißen. // Langmütiger Herr, Ehre dir.
Sedalen 2
Ton 7.
Was hat dich, Judas, zum Verräter des Heilands gemacht? / Hat er dich vom Kreis der Apostel getrennt? / Hat er dich der Heilungen Gnade beraubt? / Hat er dich, mit jenen Gastmahl haltend, von der Tafel verwiesen? / Hat er, die Füße der anderen waschend, die deinen verschmäht? / Weh, wieviel Glück hast du vergessen. / Und deine Undankbarkeit wird an den Pranger gestellt. / Doch seine Langmut ohnegleichen wird laut verkündet, // sein großes Erbarmen.
Was hat dich, Judas, zum Verräter des Heilands gemacht? / Hat er dich vom Kreis der Apostel getrennt? / Hat er dich der Heilungen Gnade beraubt? / Hat er dich, mit jenen Gastmahl haltend, von der Tafel verwiesen? / Hat er, die Füße der anderen waschend, die deinen verschmäht? / Weh, wieviel Glück hast du vergessen. / Und deine Undankbarkeit wird an den Pranger gestellt. / Doch seine Langmut ohnegleichen wird laut verkündet, // sein großes Erbarmen.
Sedalen 3
Ton 8.
Wehe, wie konnte Judas, der einst dein Jünger war, Verrat ersinnen wider dich? / Voll List hielt das Mahl mit dir der hinterlistige Feind, der Schlechte. / Dann ging er fort und sagte zu den Priestern: / Was gebt ihr mir, und ich will den euch übergeben, / der das Gesetz auflöst und der den Sabbat schändet. // Langmütiger Herr, Ehre dir.
Wehe, wie konnte Judas, der einst dein Jünger war, Verrat ersinnen wider dich? / Voll List hielt das Mahl mit dir der hinterlistige Feind, der Schlechte. / Dann ging er fort und sagte zu den Priestern: / Was gebt ihr mir, und ich will den euch übergeben, / der das Gesetz auflöst und der den Sabbat schändet. // Langmütiger Herr, Ehre dir.
Ode 5
Irmos: Zu dir erhebe ich mich am frühen Morgen, / zu dir, der aus Erbarmen, unverändert bleibend, / für den Gefallenen sich entäußerte / und bis zum Leiden sich leidlos beugte, Gottes Wort. // Verleihe mir den Frieden, Menschenfreund.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Nachdem sie ihren Geist zuvor gereinigt hatten durch Teilnahme am göttlichen Mysterium, o Christus, verließen deine Jünger miteinander Sion, stiegen mit bestaubten Füßen hinauf zum großen Ölberg und priesen dich in Hymnen, Menschenfreund.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Seht, ihr Freunde, sagtest du, laßt euch nicht erschrecken. Denn jetzt ist die Stunde da, daß ich durch der Sünder Hände ergriffen und getötet werde. Ihr alle werdet Anstoß an mir nehmen, mich verlassen. Ich will euch sammeln, daß ihr mich verkündet als den Menschenfreund.
Katavasie: Zu dir erhebe ich mich am frühen Morgen, / zu dir, der aus Erbarmen, unverändert bleibend, / für den Gefallenen sich entäußerte / und bis zum Leiden sich leidlos beugte, Gottes Wort. // Verleihe mir den Frieden, Menschenfreund.
Kondak
Ton 8.
Den für uns Gekreuzigten lasset uns alle mit Hymnen besingen. / Ihn sah Maria am Holze hängen und sprach: „Auch wenn Du das Kreuz erduldest, // Du bleibst mein Sohn und mein Gott.“
Ikos
Da die reine Jungfrau Maria sah, wie ihr Sohn als Lamm zum Opfer geführt wurde, / folgte sie mit den anderen Frauen voll Trauer und rief: / „Wohin gehst Du, mein Kind? Um wessentwillen willst Du Deinen Lauf so bald vollenden? / Es ist doch nicht wieder eine Hochzeit in Kana, daß Du dahin eiltest, / ihnen das Wasser in Wein zu verwandeln? / Soll ich mit Dir gehen oder besser bleiben? / Sag mir ein Wort, o Wort, und geh nicht schweigend an mir vorüber, Du, der mich rein bewahrte. // Denn Du bleibst mein Sohn und mein Gott.“

Synaxarion
Du bist der lebendige Gott und wurdest doch am Kreuze getötet.
Groß ist das Geheimnis des unbekleideten Toten, der doch das Wort des lebendigen Gottes ist.
Die verschlossenen Pforten des Paradieses öffnete der Räuber, denn er nutzte verständig den Schlüssel: Erbarme dich meiner.
Am Heiligen und Großen Freitag gedenken wir der heiligen, erlösenden und furchterregenden Leiden unseres Herren und Gottes und Heilandes Jesu Christi, welche er um unseretwillen freiwillig auf sich genommen: der Anspeiungen, der Geißelung, der Schläge in sein Antlitz, der Kränkungen, des Hohnes, der Zurschaustellung in purpurnem Gewände, der Schläge mit Stangen, des Schwammes, getränkt mit Galle und Essig, der Nägel, der Lanze, des Kreuzes und des Todes. All dieses erlitt der Herr am Großen Freitag.
Da sein Freund und Jünger ihn um der dreißig Silberlinge willen verraten hatte, nahmen sie ihn gefangen und führten ihn zum Hohenpriester Hannas, der ihn dem Kaiphas überantwortete. Vor diesem ertrug der Herr die Anspeiungen, sein Antlitz wurde geschlagen, und manche lachten über ihn und sprachen voller Hohn: Weissage uns, wer es ist, der dich schlägt. Hier erhoben sich manch falsche Zeugen, die da sagten: Er hat gesagt, er werde den Tempel zerstören und ihn in drei Tagen wiederaufrichten. Da Christus sich selbst Sohn Gottes nannte, wollte der Hohepriester die vermeintliche Gotteslästerung nicht ertragen und zerriss seine Kleider. Am Morgen führten sie Jesu in den Richthof des Pilatus. Sie selbst aber wollten den Hof nicht betreten, auf dass sie nicht unrein würden, denn sie wünschten, das Osterlamm zu essen. Passah ist der höchste aller Feiertage. Christus hatte schon am Tage zuvor das gesetzmäßige Passah vollzogen, denn an diesem Großen Freitag wollte er sich selbst zum Opfer darbringen. Pilatus trat heraus und befragte ihn, wessen man ihn beschuldige. Da er jedoch nichts finden konnte, dessen man ihn verklagte, sandte er Jesus wieder zu Pilatus zurück. Dieser aber ließ ihn abermals vor Pilatus führen, denn er war entschlossen, den Herren töten zu lassen. Pilatus sprach zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuziget ihn. Doch die Juden antworteten: Wir haben ein Gesetz, das uns verbietet, einen Menschen zu töten. Doch ihn, den Landpfleger, überredeten sie, den Herren kreuzigen zu lassen. Pilatus befragte erneut Christus: Bist du der Juden König? Der Herr antwortete nicht direkt, sondern offenbarte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Von da an trachtete Pilatus, ihn freizulassen und sprach zu den Juden: Ich finde nichts Arges an ihm. Der Landpfleger wollte den Juden nach seiner Gewohnheit einen Gefangenen zum Fest freigeben. Diese aber erbaten nicht den Herren, sondern Barabbas. Da gab Pilatus ihnen Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln. Die Kriegsknechte flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie ihm auf das Haupt. Ein Purpurgewand legten sie ihm an, gaben ihm einen Stab in die rechte Hand, traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, du König der Juden. Da sie ihn nun verspottet hatten, sprach Pilatus erneut: Ich finde keine todeswürdige Schuld an ihm. Darauf entgegneten die Juden: Wir werden ihn töten, denn er hat sich selbst Gottes Sohn genannt. Auf diese Reden schwieg der Herr, das Volk aber schrie noch ärger: Kreuzige, kreuzige ihn! Zum schmählichsten Tode wollten sie ihn verdammen, auf dass sein Andenken von der Erde getilgt werde. Die Juden zu beschämen, sprach Pilatus: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester aber antworteten: Wir haben keinen König denn den Kaiser. Da sich ihre Lästerungen als hilflos erwiesen, gedachten sie nun des Kaisers, um so ihre Raserei zum Erfolg zu führen. Deshalb fügten sie noch hinzu: Ein jeder, der sich zum König macht, ist wider den Kaiser. Während solches geschah, schickte die Frau des Landpflegers zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, ich habe heute viel erlitten im Traume seinetwegen. Pilatus aber wusch sich seine Hände zum Zeichen seiner Unschuld am Blute dieses Gerechten. Die Juden aber schrien noch gewaltiger: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. Wenn du diesen freilässt, so bist du nicht ein Freund des Kaisers. Pilatus ergriff große Furcht und, obwohl er von der Unschuld des Herren überzeugt war, überantwortete er ihn zum Tode am Kreuz, den Barabbas aber gab er frei. Diese Ereignisse sah Judas. Er ergriff die dreißig Silberlinge, warf sie in den Tempel, ging hin und erhängte sich selbst an einem Baum. Schrecklich schwoll sein Leib, den endlich die wilden Tiere zerrissen. Die Krieger ergriffen Jesus und schlugen mit Stangen auf sein Haupt, luden ihm das Kreuz auf die Schultern und zwangen Simon aus Kyrene, ihm beim Tragen zu helfen.
Zur dritten Stunde waren alle auf dem Richtplatz versammelt. Dortselbst kreuzigten sie den Erlöser. Zwei’ Räuber hängten sie an Kreuze zu beiden Seiten Christi, auf dass man ihn den Missetätern zurechne. Aus Niedertracht teilten die Kriegsknechte die Kleider des Herren unter sich, doch über den ungenähten Rock warfen sie das Los. Viele Kränkungen ersannen sie wider den Gekreuzigten. Dieses genügte ihnen nicht. Sie spotteten sein und sprachen: Ha, der du den Tempel zerbrichst und baust ihn wieder in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuze. Er hat anderen geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König der Juden, der steige nun vom Kreuz, dass wir sehen und glauben.
Welche Wahrheit sprachen diese! Nicht allein dem König der Juden sollten sie sich nahen, sondern vielmehr dem Herrscher des Alls.
Auf dass auch allen die Qualen erkennbar würden, verdunkelte die Sonne in der Mitte des Tages ihre Strahlen für drei Stunden. Die Erde erbebte, und die Felsen zerbarsten. Dieses geschah, der Juden Ungehorsam zu tadeln. Viele Leiber der Toten erhoben sich, die allgemeine Auferstehung zu bekräftigen. Herrlich zeigte sich die Kraft des Leidenden. Da der Tempel sich wider den Herrn erhob, zerriss sein Vorhang in zwei Teile. Loben sollte der Tempel den, der vielen das nicht Schaubare offenbarte. In der dritten Stunde ward Christus gekreuzigt, wie es uns der göttliche Markus überlieferte. Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis. Longin, der Hauptmann, sah das wunderbare Geschehen und rief lauter denn die Sonne: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen. Der Übeltäter einer lästerte den Herrn, der andere wies ihn zurecht, strafte ihn und bekannte seinen Glauben an den Erlöser, der ihm verhieß: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Da alles Vorhergesagte erfüllt war, ließ Pilatus eine Überschrift an das Kreuz heften, darauf geschrieben stand: Jesus von Nazareth, der Juden König. Die Hohenpriester aber sprachen: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete ihnen: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Danach rief Jesus: Mich dürstet! Alsbald mischten sie ihm Essig mit Galle. Als Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte sein Haupt und verschied. Von ferne standen die anderen, doch am Kreuze waren Maria, seine Mutter, und Maria Kleophas, ihre Schwester, des Jakobus Mutter, und Johannes, der Lieblingsjünger. Weil es ein Rüsttag war, und es war ein großer Sabbat, vermochten die Juden nicht, die drei Gekreuzigten am Kreuze zu ertragen. Deshalb baten sie Pilatus, dass jenen die Beine gebrochen würden, auf dass sie schneller stürben. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem anderen, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass dieser schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht. Einer der Kriegsknechte wollte den Widersinnigen gefallen und erhob seine Lanze und öffnete die Seite Christi. Alsbald ging Blut und Wasser heraus. Das eine, weil er Mensch war, das andere, weil er einem Menschen glich. Wir dürfen auch sagen: Das Blut erschien um der Heiligung durch das Abendmahl willen, das Wasser aber um des Geheimnisses der Taufe willen. Diese zweifache Quelle bewahrt für uns wahrhaftig ein Geheimnis. Johannes hat dieses gesehen und bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, denn er stand bei allen, und was er gesehen hat, das hat er aufgeschrieben. Auch wird gesagt, er habe in einem Gefäße etwas vom göttlichen und all heiligen Blute aus der lebensspendenden Seite des Erlösers aufgefangen. Dieses übernatürliche Wunder hatte sich ereignet, als es schon Abend wurde.
Joseph von Arimathia, der auch ein Jünger Jesu war, wie die anderen, doch heimlich aus Furcht vor den Juden, wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu, denn er wusste, was geschehen war. Der Landpfleger erlaubte es ihm. So nahm er den Leichnam Jesu vom Kreuze und legte ihn mit großer Ehrfurcht nieder. Als die Nacht hereingebrochen war, kam auch Nikodemus mit Myrrhe und Aloe, einem wohl vorbereiteten Balsam. Den Leichnam des Herren hüllten sie in eine Leinwand nach der Gewohnheit der Juden, und betteten ihn in der Nähe in ein neues, aus dem Felsen gehauenes Grab, in welches niemand je gelegt war, auf dass nicht, wenn Christus aufersteht, dieses Wunder einem anderen zuerkannt werde. Der Evangelist verweist auf die Verbindung von Myrrhe und Aloe deshalb, weil diese beständig ist und haften bleibt, auf dass jene, die danach das Linnen und das Tuch, welches um das Haupt des Herren gebunden war, alleine im Grabe sehen werden, nicht denken sollen, man habe den Leichnam gestohlen. Der Herr hat die vollkommene Freiheit, doch dieses Geheimnis begreifen die Irdischen ihrem Wesen nach nicht.
All dieses vollzog sich an jenem Freitag mit Herrlichkeit. Die heiligen Väter bestimmten, dass wir diese Dinge mit zerknirschtem Herzen und mit Rührung bedenken sollen. Lasst uns darüber nachsinnen, dass der Herr am sechsten Tage der Woche, an einem Freitag gelitten hat, weil einst der Mensch auch am sechsten Tage erschaffen worden war. Es war die sechste Stunde, da der Herr am Kreuze hing, und es wird überliefert, dass Adam in der sechsten Stunde seine Hand nach dem verbotenen Baume ausstreckte, und da er ihn berührte, starb, denn die Sünde ist der Tod. Es war gefügt, dass in jener Stunde, die seine Todesstunde geworden war, er auch wieder neugeschaffen wurde. So öffnete sich dem Adam das Paradies im Garten des Leidens. Der bittere Trank war ein Bild seiner Speise. Die Schläge schenkten uns die Befreiung. Die Anspeiungen und die entehrende Zurschaustellung sind für uns die Quelle der Ehre. Die Dornenkrone nahm von uns den Fluch. Das Purpurgewand verlieh uns anstelle der Fellkleidung königlichen Schmuck. Die Nägel befreiten uns vollkommen von aller Unbeweglichkeit durch die Sünde. Das Kreuz war der Baum des Paradieses. Die durchbohrte Seite war ein Bild der Rippe Adams, aus welcher Eva wurde, die einst zum Ungehorsam verführte. Die Lanze wendet von uns das flammende Schwert. Das Wasser, welches aus der Seite des Herren quoll, war das Urbild der Taufe. Das Blut und der Schwamm sind die Griffel, mit welchen der Herrscher uns das erste Vaterhaus wiederschenkte und mit schwarzer Schrift unterschrieb. Auch wird gesagt, dass das Haupt des Adam an jenem Orte ruhte, da Christus, das Haupt aller, gekreuzigt wurde. So erfuhr Adam die Taufe mit dem Blute Christi. Von der Schädelstätte wird folgendes berichtet: Die Sintflut hatte das Haupt des Adam aus der Tiefe emporgebracht. Dieses gelangte allen sichtbar mit den übrigen Knochen zur Schädel Stätte. Es war fürwahr ein Wunder. Salomon hat den Urahn, den ersten Adam, mit seiner ganzen Heeresmacht geehrt und ihn unter vielen Steinen wieder verborgen. Daher heißt diese Stätte seither das Steinpflaster. Mehrere Heilige aber sagen, dass Adam dort selbst von einem Engel begraben worden sei. An der Stelle seines Begrabenseins erschien Christus, der Adler, der ewige Herrscher, der neue Adam, der den durch das Holz gefallenen alten Adam durch das Kreuz des Holzes heilte.
Um deiner überirdischen und unauslotbaren Barmherzigkeit willen, welche du an uns erwiesen hast, erbarme dich unser, Christus, о Gott. Amen.
---
Am Heiligen und Hohen Rüsttag vollenden wir das heilige und heilbringende und entsetzliche Leiden unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, das Er um unseretwillen freiwillig auf Sich nahm: das Anspeien, die Stockschläge, die Mißhandlungen, die Beleidigungen, den Spott, den Purpurmantel, das Rohr, den Schwamm, den Essig, die Nägel, den Speer und vor allem das Kreuz und den Tod. Das alles geschah am Rüsttag, aber auch die Heilszusage am Kreuz an den einsichtigen Räuber, der mit Ihm gekreuzigt wurde.
In Deiner unfaßbaren und unermeßlichen Barmherzigkeit, Christus unser Gott, erlöse uns. Amen.
Ode 8
Irmos: Den Beschluß der gottlosen Bosheit / machten die heiligen Jünger zum Gespötte. / Der Gottlosen lärmendes Synedrion beschließt wider Christus Eitles, / sinnt mit der Faust zu töten den Gebieter des Lebens, // den die ganze Schöpfung rühmend preiset in die Äonen.
Ehre Dir, unser Gott, Ehre Dir.
Schüttelt jetzt den Schlaf von den Lidern, Jünger, so sagtest du, Christus. Wachet und betet, damit ihr nicht der Versuchung erlieget, und Simon zumeist. Denn des Mächtigen Versuchung ist schwerer. Erkenne mich, Petrus, den die ganze Schöpfung rühmend preiset in die Äonen.
Ehre Dir, unser Gott, Ehre Dir.
Ein unheilig Wort will ich nie mehr über meine Lippen lassen, o Herr. Mit dir will ich, wie es sich gehört, sterben, auch wenn alle dich verleugnen, rief Petrus. Nicht Fleisch und nicht Blut, dein Vater tat dich mir kund, den die ganze Schöpfung rühmend preiset in die Äonen.
Wir segnen den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Die Tiefe göttlicher Weisheit und Einsicht hast du nie ganz erforscht. Den Abgrund meiner Gerichte hast du, Mensch, nicht erfaßt, so sagte der Herr. Fleisch also bist du, rühme dich nicht. Denn dreimal wirst du mich verleugnen, den die ganze Schöpfung rühmend preiset in die Äonen.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Du streitest ab, Simon Petrus, was du bald glauben wirst, wie es gesagt ist. Und eine Magd wird ebenso schnell, wie sie kommt, in Angst dich versetzen, sagte der Herr. Bitterlich wirst du weinen und gleichwohl huldvoll mich finden, den die ganze Schöpfung rühmend preiset in die Äonen.
Wir loben, segnen und beten an den Herrn; wir besingen ihn in Hymnen und hocherheben ihn in Ewigkeit.
Katavasie: Den Beschluß der gottlosen Bosheit / machten die heiligen Jünger zum Gespötte. / Der Gottlosen lärmendes Synedrion beschließt wider Christus Eitles, / sinnt mit der Faust zu töten den Gebieter des Lebens, // den die ganze Schöpfung rühmend preiset in die Äonen.
Ausruf zu "Hochpreise"
Die du geehrter bist als die Cherubim.
Ode 9
Irmos: Als erhabener denn die Cherubim, / als unvergleichlich herrlicher denn die Seraphim erheben wir dich, / die jungfräulich Gott, das Wort, geboren hat, // als Gottesmutter in Wahrheit.
Ehre Dir, unser Gott, Ehre Dir.
Der Gottlosen unheilvolle Rotte, der Bösen, der Gottesmörder Schar trat, Christus, wider dich auf. Und wie einen Verbrecher schleppten sie fort den Schöpfer aller, ihn, den wir erheben.
Ehre Dir, unser Gott, Ehre Dir.
Unbekannt mit dem Gesetze sannen die Gottlosen vergeblich nach über der Propheten Worte. Und wie ein Lamm schleppten sie dich fort, den Gebieter aller, zu ungerechtem Mord, ihn, den wir erheben.
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Den Heiden gaben sie das Leben preis. Mit den Schriftgelehrten vereint, haben die Priester, von der Bosheit ihres Neides besiegt, dem Tod übergeben den, der von Natur das Leben spendet, ihn, den wir erheben.
Jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Gleich vielen Hunden umringten sie dich. Und deine Wangen, Gebieter, schlugen sie mit einer Rute. Sie belästigten dich mit Fragen, bezeugten Lügen wider dich. Und alles hast du getragen, hast alle erlöst.
Katavasie: Als erhabener denn die Cherubim, / als unvergleichlich herrlicher denn die Seraphim erheben wir dich, / die jungfräulich Gott, das Wort, geboren hat, // als Gottesmutter in Wahrheit.
nach 9. Ode
Den Räuber hast Du, am gleichen Tage, / des Paradieses gewürdigt, o Herr. / Erleuchte auch mich durch das Holz Deines Kreuzes // und errette mich.
Ehre: Den Räuber hast Du, am gleichen Tage, / des Paradieses gewürdigt, o Herr. / Erleuchte auch mich durch das Holz Deines Kreuzes // und errette mich.
Jetzt, Theotokion: Den Räuber hast Du, am gleichen Tage, / des Paradieses gewürdigt, o Herr. / Erleuchte auch mich durch das Holz Deines Kreuzes // und errette mich.
Stichiren zum Lob
Ton 3.
Zwei schlimme Taten hat Israel vollbracht, mein erstgeborener Sohn. / Verlassen mich, die Quelle lebendigen Wassers, / gegraben sich eine verdorbene Zisterne. / Hat mich ans Kreuz geschlagen, den Barabbas aber begehrt und befreit. / Darob hat sich der Himmel entsetzt, und die Sonne verbarg ihre Strahlen. / Du aber, Israel, schämtest dich nicht, / nein, übergabst mich dem Tode. / Vergib ihnen, heiliger Vater. // Denn sie wissen nicht, was sie getan.
Jedes Glied deines heiligen Leibes trug Schande um uns. / Das Haupt die Dornen. Das Antlitz die Anspeiungen. Die Wangen die Schläge. / Der Mund den Geschmack von Galle mit Essig gemischt. / Die Ohren der Lästerungen Schmach. Die Schultern des Spottes Gewand. / Der Nacken die Geißelung. Und die Hand das Rohr. / Der ganze Körper am Kreuz ausgebreitet. / Die Glieder ertrugen die Nägel, die Seite die Lanze. / Der du für uns gelitten, uns den Leidenschaften entrissen, / in Menschenfreundlichkeit zu uns herabstiegst und uns wieder erhöht hast, // allmächtiger Heiland, erbarme dich unser.
Als du gekreuzigt wardst, Christus, hat die ganze Schöpfung gezittert, da sie es sah. / Die Grundfesten der Erde wurden erschüttert aus Schrecken vor deiner Macht. / Denn heute, da du erhöht wardst, ging zugrunde das Volk der Hebräer. / Des Tempels Vorhang riß in zwei Stücke, / und Gräber öffneten sich, und Tote erhoben sich aus den Grüften. / Der Hauptmann schaute das Wunder und erschauderte. / Deine Mutter stand da, und mütterlich trauernd rief sie: / Wie soll ich nicht klagen? Wie meine Brust nicht zerschlagen, / wenn ich dich entblößt als Verurteilten am Kreuze hangen sehe? // Der du gekreuzigt, bestattet und auferstanden, Herr, Ehre dir.
Ton 6.
Ehre: Sie entblößten mich meiner Kleider / und haben mich umhüllt mit einem Scharlachgewand. / Auf mein Haupt setzten sie eine Krone aus Dornen. / Und ein Rohr gaben sie mir in meine rechte Hand, // sie zu zerschmettern wie Töpfergefäße.
Jetzt, Theotokion: Meinen Nacken gab ich zur Geißelung hin. / Mein Antlitz hat sich nicht abgewandt, wenn sie mich anspien. / Vor des Pilatus Richterstuhl bin ich getreten. // Und das Kreuz ertrug ich zum Heil der Welt.
Anstelle des "Wahrhaft würdig"
Ton 6.
Kommt, Gläubige, von des Herren Gastmahl und Seiner unsterblichen Tafel lasst uns im Obergemache hohen Sinnes kosten, erkennend aus Seinem Worte das Wort, das mit hinaufstieg und das wir preisen.


ENDE, UND GOTT DIE EHRE.


Vorheriger GottesdienstNächster Gottesdienst
Übersetzung: Pater Kilian Kirchhoff.
In den Abflogen können einzelne Textstücke auch von anderer Übersetzern übertragen worden sein.
*Texte des Evangeliums nach: Byzantinischer Text Deutsch. Copyright: Schweizerische Bibelgesellschaft. Veröffentlicht mit der ausdrücklichen Genehmigung der Schweizerischen Bibelgesellschaft.
Wir freuen uns über Hinweise auf Fehler in den Texten und Abfolgen: verein@orthodoxinfo.de
Kontakt und Impressum: www.orthodoxinfo.de
Copyright: die Texte dürfen nicht zu gewerblichen Zwecken verwendet werden.