Orthodoxe Gottesdienste

Triodion. 6. Woche der Großen Fastenzeit (Palmwoche) . Samstag.

Lazarussamstag

Tropar
Ton 1.
Um schon vor deinem Leiden die gemeinsame Auferstehung zu bezeugen, / hast du Lazarus von den Toten auferweckt, Christus, Gott. / Darum tragen auch wir, wie damals die Kinder, die Zeichen des Sieges / und rufen dir, dem Besieger des Todes zu: / Hosanna in den Höhen. // Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn.
Kondak
Ton 2.
Die Freude aller, Christus, / die Wahrheit, das Licht und das Leben, / die Auferstehung der Welt ist erschienen / den Erdbewohnern durch seine Güte. / Er bot im Vorbild der Auferstehung // die göttliche Vergebung allen dar.
Synaxarion
Jesus weinte als Mensch, als Gott aber, erweckte er seinen Freund.
Heute feiern wir die Auferweckung des heiligen und gerechten Lazarus, der schon vier Tage im Grabe gelegen hatte. Er war Jude und ein Sohn des Pharisäers Simon und stammte aus Bethanien. Als der Herr um der Erlösung des Menschengeschlechtes willen auf Erden wandelte, verband ihn mit Lazarus eine innige Freundschaft. Christus sprach oft mit Simon, der inständig um die Auferstehung der Toten betete. Da Simon nun oft den Herren in seinem Hause empfing, gewann Lazarus ihn lieb, doch nicht er allein, sondern mit ihm auch seine Schwestern Martha und Maria.
Es näherten sich die Tage der Erlösung spendenden Leiden. So gebührte es sich, dass das Geheimnis der Auferstehung offenbart werde. Als Jesus noch jenseits am anderen Ufer des Jordan weilte, erweckte er von den Toten zuerst die Tochter des Jairus, danach den Sohn der Witwe. Lazarus erkrankte schwer und starb. Jesus selbst war nicht an jenem Orte, doch sprach er zu seinen Jüngern: Unser Freund Lazarus ist entschlafen. Nach einer kurzen Weile sprach er abermals: Lazarus ist gestorben. Die Schwestern des Lazarus teilten dem Herren ihr Leid mit, und er verließ die Gegend des Jordan und kam nach Bethanien. Diese Stadt ist von Jerusalem eine halbe Stunde Wegs entfernt. Martha eilte ihm entgegen und sprach: Herr, wärest du hier gewesen, so wäre unser Bruder nicht gestorben, doch, wenn du willst, so vermagst du ihn auch jetzt wiederaufzurichten. Da befragte Jesus das Volk: Wo habt ihr ihn hingelegt? Alle zogen mit dem Herrn zum Grabe. Da sie den Stein vom Garbe gewälzt hatten, sprach Martha: Herr, wir vernehmen schon die Verwesung, denn vier Tage ruht Lazarus bereits im Grabe. Jesus aber betete und vergoss bittere Tränen über den Ruhenden. Dann aber rief er laut: Lazarus, komm heraus! Und es geschah, dass der Verstorbene sich erhob und aus dem Grabe trat. Da nahmen sie ab von ihm die Grabestücher, und er kehrte zurück in sein Haus.
Dieses furchterregende Wunder ließ den Neid bei den Juden wachsen, und sie beratschlagten wider Christus. Jesus aber ging von dannen in eine andere Gegend. Die Hohenpriester gedachten, Lazarus zu töten, denn viele, die ihn sahen, glaubten an Jesus. Lazarus erkannte die Gefahr und floh nach Cypern. Später bestimmten die Apostel ihn zum Bischof dortselbst. Gut und Gott wohlgefällig diente er und starb dreißig Jahre nach seiner Auferweckung erneut. Er wurde begraben und wirkte auch danach noch viele Wunder. Es wird berichtet, dass er nach seiner Auferweckung allein von den heiligen Gaben lebte. Die allreine Gottesmutter fertigte ihm eigenhändig sein Omophorion.
Seine heiligen und ehrwürdigen Reliquien wurden nach göttlicher Weisung durch den klugen Imperator Leo von Cypern nach Konstantinopel überführt. Dort setzte sie der Kaiser in der von ihm zu Ehren dieses Heiligen errichteten Kirche zur rechten Hand an der Westseite bei. Hier ruhen die gepriesenen Reliquien bis auf den heutigen Tag, und es entströmt ihnen geheimnisvoll ein wunderbarer Duft.
Diese Feier heute zu begehen, bestimmten die heiligen Apostel und die heiligen und gottragenden Väter. Nach dem vierzigtägigen, reinigenden Fasten wollen wir uns auf das Opfer und die Leiden unseres Herren Jesus Christus vorbereiten. Das Wunder der Auferweckung des Lazarus stand am Anfang und diente zum Anlass für das grimmige Wüten der Juden gegen Christus. So gedenken wir hier dieses übernatürlichen Geschehens. Während die anderen Evangelisten dieses Wunder nicht erwähnen, schreibt der Evangelist Johannes über dasselbe. Er hat Lazarus noch erlebt. Auch wird berichtet, dass das ganze Johannesevangelium seinethalben geschrieben wurde, und dass im Zusammenhang mit dem Bericht über die Auferweckung des Lazarus verständlich wird, weshalb die anderen Evangelisten nicht die anfanglose Geburt Christi erwähnen.
Es geschah, dass das Gesuchte gefunden wurde: Christus ist der Sohn Gottes und ist Gott. Da er auferstand, wurde er zur Auferstehung der Toten, wie er es vor Lazarus bekundet hatte: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Nichts kündete Lazarus über die Hölle, sei es, weil es ihm nicht bestimmt war zu schauen, was dort ist, oder aber der Herr hatte ihm befohlen, über das Geschaute nichts zu sagen. Seit Lazarus starb und wieder auferweckt wurde, wird ein jeder, der da stirbt, Lazarus genannt, und die Grabestücher, in welche die Entschlafenen gehüllt werden, heißen Lazarustücher. Dieses ist ein geheimnisweisendes Wort, das uns an den ersten Lazarus erinnern soll. Wenn jener allein auf das gebietende Wort Christi sich erheben konnte und wieder lebendig wurde, so wird auch jeder, obgleich er gestorben ist, beim Klang der letzten Posaune auferstehen und ewig leben.
Christus, о Gott, erbarme dich unser um der Fürbitten willen deines Lazarus. Amen.


ENDE, UND GOTT DIE EHRE.


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Übersetzung: Pater Kilian Kirchhoff.
In den Abflogen können einzelne Textstücke auch von anderer Übersetzern übertragen worden sein.
*Texte des Evangeliums nach: Byzantinischer Text Deutsch. Copyright: Schweizerische Bibelgesellschaft. Veröffentlicht mit der ausdrücklichen Genehmigung der Schweizerischen Bibelgesellschaft.
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